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»Was ist mir wirklich wichtig?«

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Für Dekan Peter Bertram ist die Fastenzeit ein Mehr an Bewusstsein.
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Stadtpfarrer Georg Lindl nutzt die Fastenzeit zur Besinnung auf wirklich Wichtiges.
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Landrat Siegfried Walch nutzt die Fastenzeit zur inneren Einkehr.
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Oberbürgermeister Christian Kegel sieht die Fastenzeit als Zeit der Besinnung.
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Mit vollen Händen zugreifen – darauf verzichten in der Fastenzeit viele Leute vor allem bei Süßigkeiten und Alkohol. Die befragten Pfarrer und Kommunalpolitiker sehen in der Fastenzeit aber vor allem auch eine Zeit der Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Traunstein – »Als Pfarrer ist man ja praktisch ein professioneller Feierer«, sagt Stadtpfarrer Georg Lindl und lacht. Auf die Frage, auf was er selbst in der Fastenzeit verzichtet, sagt er spontan: »Auf den Alkohol.« Nicht etwa, weil er damit ein Problem hätte – »der Messwein ist ja immer nur ein kleiner Schluck, das sind eher homöopathische Dosen.« Aber Alkohol werde ihm halt kraft Amtes immer und überall angeboten. Starkbierfeste, öffentliche Anlässe oder private Feiern wie Taufen und Hochzeiten – Alkohol ist allgegenwärtig. Da ist die Fastenzeit als Zeit der inneren Einkehr, der Besinnung und der Konzentration auf wirklich Wichtiges ganz willkommen.


Denn für den Stadtpfarrer bedeutet die Fastenzeit eher ein Mehr als ein Weniger – »es geht auch darum, zu sehen, was uns gut tut, und hier für ein Mehr zu sorgen«, so Lindl. Und so will er selbst die Zeit nutzen für mehr Gebet, aber auch für mehr Sport. »Ich habe ja auch eine eher sitzende Tätigkeit, da ist ein Ausgleich wichtig.« Und der besteht in seinem Fall vor allem im Bergsport und im Ausdauertraining.

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»Für mich selbst bedeutet die Fastenzeit weniger Verzicht auf etwas als ein Mehr an Bewusstsein, worauf kommt's mir an, was ist mir wirklich wichtig«, sagt dazu der evangelische Dekan Peter Bertram. »Dafür sind die sieben Wochen vor Ostern ein guter Zeitraum achtsam zu sein.« Für den einen oder anderen könne es auch um »die üblichen Verdächtigen« gehen, etwa Schokolade oder Alkohol. »Das kann man machen, aber das hat für mich selbst nicht die zentrale Bedeutung.« Ihm, so Bertram weiter, gehe es eher darum, einmal alles auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen. »Hat das und das tatsächlich die Bedeutung, die ich ihm beimesse?«

»Unser großer Reformator Martin Luther war es, der gesagt hat, 'woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott'«, zitiert Bertram ihn. »Im positiven Sinne könnte das mehr Zeit für Beziehungen, die Familie oder die Natur bedeuten.« Zur Frage, auf was er selbst in der Fastenzeit verzichtet, sagt er schmunzelnd: »Ich bin kein Radikalverzichter, dazu bin ich zu realistisch. Aber ich will auch ein bisserl weniger Süßes naschen.«

Landrat Siegfried Walch sieht die Fastenzeit als einen guten Zeitraum, sich einmal Zeit für die persönliche innere Einkehr zu nehmen und über Dinge nachzudenken, für die man sich sonst nicht so viel Zeit nimmt. Dazu gehört auch der Gedanke, »was alles im Alltag so auf einen einprasselt. Da kann man sich auch selbst hinterfragen, wo ist man richtig dran, wo hat man Fehler gemacht.« Besonders aber gehe es darum, sich bissl bewusst zu machen, »wo wir da eigentlich leben dürfen und wie gut es uns da geht. Da darf man auch mal bewusst dankbar sein dafür.«

Er persönlich verzichtet in der Fastenzeit vor allem auf Süßigkeiten und Kuchen – »und es gibt hier oft Kuchen. Aber ich reiß mich da generell zusammen und versuche, mich da immer zu disziplinieren. In der Fastenzeit halt besonders«, sagt Walch.

Oberbürgermeister Christian Kegel sieht die Fastenzeit als Zeit der Besinnung und auch Reduzierung auf wirklich wichtige Dinge. Das beinhalte auch den Verzicht auf Überflüssiges. »Da ich das ganze Jahr über ein relativ diszipliniert lebender Mensch bin, gibt es jetzt nicht das Eine, auf das ich verzichte. Aber ich versuche, in allem noch ein wenig bewusster darüber nachzudenken, ob ich es gerade wirklich brauche.« coho