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»Was gehen mich die Gäste an?«

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Waging am See. Viele Vermieter rund um den Waginger See haben die Gelegenheit genutzt, sich beim zweiten Waginger-See-Vermietertag, der im Kurhaus stattfand, über neue Trends und Entwicklungen im Tourismus zu informieren. Der neue Chiemgau-Tourismus-Geschäftsführer, Stefan Semmelmayr, referierte über die Bedeutung einer Marke im Tourismus. In einem Film wurde gezeigt, was geschieht, wenn der Tourismus plötzlich aus einem Ort verschwindet, und der Bundesobmann des Privatvermieter-Verbandes Österreich, Thomas Schanzer, präsentierte Möglichkeiten, wie sich Kleinvermieter organisieren und vernetzen können.


Geschäftsführer Semmelmayr meinte, es sei kaum möglich, ein Signet oder einen Slogan so am Tourismusmarkt zu platzieren, dass dieser plötzlich bundesweit wiedererkannt wird. Viel wichtiger sei es, einen emotionalen Mehrwert für die Region oder die Marke zu präsentieren. Das geschehe beispielsweise mit der neuen Themenwerbung 2014, in der nach Geschichten und Erlebnissen von Einheimischen beim Wandern, Radeln, Kulturgenuss oder im Winter gesucht wird. Diese Geschichten werden dann in der Tourismuswerbung des Verbandes den potenziellen Gästen über Online-Medien vorgestellt und präsentiert. Letztlich solle es darum gehen, die Marke »Chiemgau – Bayerns Lächeln« mit Leben zu füllen, emotional aufzuladen und erlebbarer zu gestalten.

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In dem anschließenden Film wurde verdeutlicht, wie eine Tourismusregion in naher Zukunft aussehen würde, wenn es die Einnahmen und die sozialen Auswirkungen des Tourismus nicht geben würde. In dem Film mit dem Titel »Was göönd mi d‘Gescht aa?« – also »Was gehen mich die Gäste an?«, wurde ein fiktiver alpiner Tourismusort gezeigt, in dem man sich vom Tourismus abgewandt hat. Am Schluss stand die Erkenntnis, dass man den Tourismus ja nicht für die Gäste betreibt, sondern letztendlich für sich selbst und das Dorf.

Die Pause wurde von den Vermietern genutzt, um sich die Ausstellung anzusehen, auf der sich 14 Freizeitbetriebe wie Urlaub auf dem Bauernhof, Märchenparks, die Hochfelln-Seilbahn, Hochseilparks oder Hotelausstatter präsentierten. Einige Vermieter testeten auch die Segways eines lokalen Anbieters oder machten sich mit einem Mikroskop am Stand der Naturführer vertraut.

Mit besonderem Interesse folgten vor allem die Kleinvermieter dem Referat des Bundesobmanns des Privatvermieter-Verbandes Österreich, Thomas Schanzer. Er präsentierte Möglichkeiten, wie sich Kleinvermieter organisieren und vernetzen können und wo ihre Erfolgschancen für die Zukunft liegen. In Österreich und den dortigen Bundesländern gibt es beispielsweise einen Privatvermieter-Verband. Dort zahlt der Privatvermieter 50 Euro jährlich und wird dafür in ganz vielen Bereich aktiv unterstützt. Die Spanne reicht von der Beratung in steuerlichen Fragen, der Privatzimmer-Klassifizierung, Vermieter-Stammtischen und Lehrfahrten bis hin zur Lobbyvertretung für die Belange der Kleinvermieter.

Vor allem die besonderen Stärken der Kleinvermieter in Sachen Individualität und Regionalität machte der Referent deutlich. Den anwesenden Kleinvermietern am Waginger See führte Thomas Schanzer eindrucksvoll vor Augen, dass sie kein »Auslaufmodell« sind, sondern wichtiger Imageträger für die Tourismusregion. Gerade die Kleinvermieter, die sich konsequent der Qualität zum angemessenen Preis verschrieben haben, könnten wie keine andere Betriebsgruppe die Individualität, Authentizität und Regionalität leben – ein Bereich, der bei Gästen wieder zunehmend in den Fokus rücke. Die örtlichen Verkehrsvereine könnten als Sprachrohr im Ort bei der Gewinnung von teilnehmenden Kleinvermietern eine wichtige Schlüsselrolle spielen. Ein künftiger Erfahrungsaustausch über die Gründung einer Privatvermieter-Vereinigung im Chiemgau wurde vereinbart. Eine solche Kleinvermietervereinigung gibt es in der Region bisher noch nicht. Diese soll aber auf Wunsch des Chiemgau Tourismus ins Leben gerufen werden.

Zum Schluss ging Oswald Pehel von der Tourist-Info Waging am See auf die Mehrwerte der Waginger Seenregion mit aktuellen Projekten und Beteiligungsmöglichkeiten für Vermieter ein. Er stellte heraus, dass es mehr brauche als schöne Landschaft, um den modernen Gast dauerhaft für sich zu gewinnen. he