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Was ein Hektar Wald so alles leistet

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Die Speicherqualität bei verschiedener Bodenbeschaffenheit konnten die Besucher anhand von Flaschen, in die verschiedene Bodenarten gefüllt waren, feststellen. (Foto: Buthke)

Traunstein. Der Begriff der Nachhaltigkeit beim Verbrauch unserer Ressourcen ist beileibe keine »Erfindung« alternativer Ökologen unserer Zeit, denn bereits im Jahr 1713 hat der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz unter dem Eindruck übernutzter Wälder und drohender Holznot in seinem Buch »Silvicultura Oeconomica« zum ersten Mal den Begriff der nachhaltigen Nutzung verwendet.


Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein veranstaltete aus diesem Grund am gestrigen Sonntag im Bürgerwald mit Unterstützung der Stadt Traunstein, der Waldbesitzervereinigung Traunstein und dem Forstbetrieb Ruhpolding der Bayerischen Staatsforsten einen Waldtag zum 300. Geburtstag des Begriffs »Nachhaltigkeit«. Auf einem Lehrpfad erfuhren die zahlreichen Besucher, was der Wald auf 100 mal 100 Meter leistet. Eine Ausstellung zu diesem Thema, ein Kinderprogramm und Kutschfahrten ergänzten das Angebot. Die Traunsteiner Landfrauen sorgten für das leibliche Wohl, wobei es dem Anlass entsprechend auch ein »g´schmackiges« Rehragout gab.

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Naherholungsraum und Rohstofflieferant

An verschiedenen Stationen wurde der Bevölkerung exemplarisch vor Augen geführt, was ein Hektar Wald für die Nachhaltigkeit leistet. Zum einen bietet er »Urlaub vor der Haustür« und trägt damit wesentlich zur Gesundheit der Bürger bei. Als Rohstofflieferant produziert er auf dieser Fläche rund neun Kubikmeter Holz im Jahr. Aus Holz hergestellt werden Cellulose, Papier, Viskose und vieles mehr. Drei Kubikmeter Holz entsprächen der Energie von rund 600 Litern Erdöl, erklärte Christian Thaler von der Bayerischen Forstverwaltung Traunstein, der den Waldtag mit seinen Mitarbeitern organisiert hatte. Weiterhin ist der Wald Lebensraum für Tiere und sorgt damit für eine reiche Artenvielfalt (Biodiversität). Rund ein Drittel der im Wald lebenden Tierarten wie Asseln, Milben, Käfer, Spinnen und Würmer leben beispielsweise vom Totholz. Sie sorgen zudem dafür, dass das Laub zersetzt wird. Zuständig ist der Wald auch für eine natürliche und gute Luft. Neben der Reinigung der Luft – rund 40 Tonnen Staub pro Hektar im Jahr – ist er auch für deren Kühlung verantwortlich. »Der Stadtwald ist quasi die Klimaanlage für Traunstein«, so Thaler.

»Ohne Wald wären Hochwasser die Regel«

Durch seine Beschaffenheit speichert der Waldboden etwa 50 Liter auf einem Quadratmeter. Im Vergleich dazu sind es in einer Wiese 20 Liter und auf einer versiegelten Fläche 0,2 Liter, also lediglich ein Limonadenglas voll. »Wenn wir nicht so viel Wald hätten, dann wären die Hochwasser bei uns nicht die Ausnahme, sondern die Regel«, machte Thaler deutlich. Durch seine reinigende Funktion ist der Wald ebenfalls Garant für unser qualitativ gutes und gesundes Trinkwasser.

Stehen Wald und Wild im Einklang, dann kommt der Wald auch ohne Einzäunung aus. Es stellt sich eine Naturverjüngung ein. Dennoch ist bei konsequenter Bejagung immer noch so viel Wild vorhanden, dass auf einem Hektar Wald rund 1,5 Kilogramm Wildfleisch geerntet werden können. Weil es fettarm ist, ist das Wildbret zudem ein gesundes Nahrungsmittel. Davon konnten sich die Besucher an der letzten Station anhand von Kostproben wie Hirsch- und Wildschweinschinken oder Rehwurst überzeugen. Bjr