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Warnstreiks: Ärzte der Kliniken in der Region streiken mit

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Warnstreik in Frankfurt: Auch Traunsteiner Ärzte streikten mit
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Für bessere Arbeitsbedingungen streiken Tausende Ärzte aus ganz Deutschland bei einer zentralen Kundgebung des Marburger Bunds in Frankfurt. Darunter waren auch einige Ärzte aus Traunstein. (Foto: Silas Stein/dpa)

Traunstein – Sie müssen lange studieren und tragen anschließend sehr große Verantwortung – tausende Ärzte sind am Mittwoch zu der Kundgebung nach Frankfurt gereist, um für bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Darunter sind auch Ärzte des Klinikums Traunstein. Wie viele der rund 300 Ärzte des Traunsteiner Krankenhauses dem Aufruf der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund tatsächlich gefolgt waren, konnte Kliniken-Pressesprecher Ralf Reuter nicht sagen.


Aber: »Auch Häuser der Kliniken Südostbayern sind davon in Teilen betroffen. Die Kliniken Südostbayern AG hat mit der Ärztegewerkschaft eine Notdienstvereinbarung getroffen, so dass eine ausreichende ärztliche Besetzung jederzeit gewährleistet ist«, so Reuter auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts.

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Somit sei die kontinuierliche Patientenversorgung, vor allem die Notfallversorgung und intensivmedizinische Behandlung, durchgehend sichergestellt. Ein unter diesen Bedingungen angepasster geordneter Betrieb von Operationen, Funktionsbereichen und Ambulanzen sei selbstverständlich gewährleistet. Operationen, deren Verschiebung verantwortbar sei, seien allerdings durchaus verschoben worden. Das sei dann bereits rechtzeitig so geplant und auch kommuniziert worden.

Der Marburger Bund Bayern hat seine Mitglieder in den kommunalen Krankenhäusern und Gesundheitsämtern zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Bemerkenswert sei die hohe Beteiligung junger Ärzte in Weiterbildung. Sie sind laut Marburger Bund vor allem mit den »miserablen Arbeitsbedingungen unzufrieden und den 'Beschiss' bei der Zeiterfassung Leid.« Denn gängige Praxis sei es, so Vanessa Schmidt, Presseprecherin des Marburger Bunds, dass Pausen, die nicht genommen werden können, trotzdem automatisch von der Arbeitszeit abgezogen würden. Auch werde man automatisch ausgestempelt, wenn die vertragliche Arbeitszeit erreicht sei – unabhängig von der tatsächlich gearbeiteten Zeit.

Gleichermaßen empört äußern sich die bayerischen MBler über die nach ihrer Meinung teilweise unwahre Darstellung des Verhandlungsgeschehens seitens der Arbeitgeber. Insgesamt habe es weder bei den Arbeitsbedingungen noch beim Gehalt substanzielle Fortschritte im mit heißer Nadel gestrickten Angebot gegeben. Am Ende habe die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sogar die dauerhafte Existenz des Ärztetarifvertrags infrage gestellt. Der Marburger Bund bot den einzelnen Kliniken eine sogenannte Notdienstvereinbarung an, »sodass Notsituationen für Patienten nicht zu befürchten sind.«

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Foto: Silas Stein/dpa

Die Ärzte forderten bei der Kundgebung eine manipulationsfreie Zeiterfassung, zwei freie Wochenenden im Monat, eine verlässliche Dienstplangestaltung, klare Höchstgrenzen für Bereitschaftsdienste, keine Vollarbeit im Anschluss an einen Bereitschaftsdienst, die Erhöhung der Bereitschaftsdienstvergütung und einen nicht in Freizeit ausgleichbaren Zuschlag zum Bereitschaftsdienst zur Eindämmung der sogenannten Minusstundenproblematik. 

Bei den Warnstreiks haben mehr als 1000 Ärzte der Kliniken in ganz Bayern ihre Arbeit niedergelegt. Mediziner von etwa 55 Krankenhäusern beteiligten sich an der bundesweiten Aktion. Eine Sprecherin des Marburger Bundes Bayern berichtete von einer guten Beteiligung aus dem Freistaat. Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern, der für die betroffenen Kliniken zuständig ist, zeigte sich hingegen verwundert: »Wir sind überrascht über diesen Streik.« Über ein neues Angebot sei nicht verhandelt worden.

Insgesamt gibt es in Bayern gut 200 kommunale Krankenhäuser. Sie machen etwa drei Viertel der Krankenhausversorgung aus.

coho/red