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Wann starb der 61-jährige Rentner genau?

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Traunstein – Die Frage, wann genau ein 61-jähriger Rentner Mitte Mai 2014 in seiner Wohnung am Traunreuter St.-Georgs-Platz verblutete, bestimmte auch am Dienstag den Mordprozess des Schwurgerichts Traunstein gegen einen psychisch kranken, 25-jährigen Niedersachsen. Die Kammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs befragte sieben Zeugen. Deren Angaben waren widersprüchlich. Die halbverweste Leiche war am 17. Mai 2014 entdeckt worden. Das Sicherungsverfahren wird am 17. April, am 4., 11. und 15. Mai sowie am 8. Juni, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.


Eine Nachbarin vermisste den Rentner damals. Ein anderer Mieter hatte aus der Wohnung unangenehmen Geruch bemerkt. Die Polizei fand den Toten unter Kleidungsstücken unter dem Waschbecken im Bad. Unter Tatverdacht geriet der 25-Jährige, der sich mit dem Rentner ein Jahr zuvor überworfen hatte. Der Mann hatte ihn einige Tage bei sich aufgenommen, rief dann aber die Polizei, um ihn los zu werden. Der 25-Jährige musste nach einem Einbruch ein Jahr in der JVA Bernau absitzen. Nach der Entlassung im April suchte er den Rentner auf. Dabei soll es ganz friedlich zugegangen sein. Danach fuhr er nach Norddeutschland. Ein Fahrraddiebstahl am 14. Mai führte zu einer Vernehmung am 15. Mai.

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Nach derzeitigem Stand liegt die Todeszeit irgendwann zwischen 12. und 14. Mai 2014. Das Opfer hatte am 12. Mai noch mit seiner 87-jährigen Mutter telefoniert und alles Geld abgehoben. Eine 23 Jahre alte Bekannte des Rentners zeigte sich sicher, den 61-Jährigen mit dem Beschuldigten am 15. Mai bei der Traunpassage an Mülltonnen gesehen zu haben – auch, auf den richterlichen Einwand hin, das könne nicht an dem besagten Tag gewesen sein. Ein weiterer Nachbar sprach von Hilferufen aus der Wohnung des Rentners und Schritten auf dem Flur – an welchem Tag, wisse er allerdings nicht mehr.

Bei den Ermittlungen stieß die Kripo auf eine unordentliche, aber gründlich gereinigte und am Boden mit Pulvern bestreute Wohnung mit verhängten Fenstern. Aus der Waschmaschine holten sie eine Schere, mehrere Messer, Papiere und die Brille des Opfers. An einem Messer fehlte die abgebrochene Spitze – sie steckte im Stirnbein des Opfers. Der Rentner hatte elf schwere Schläge mit einem Gegenstand an den Kopf erlitten sowie 24 Messerstiche, von denen mehrere Blutgefäße am Hals trafen.

Ankläger ist Staatsanwalt Björn Pfeifer. Verteidiger sind Axel Kampf und Raphael Botor, beide Rosenheim. Wohl auch auf ihren Rat hin sagte der 25-Jährige bisher nichts. Einige Fakten wurden bekannt aus Vernehmungen in Norddeutschland. Die Mutter des Rentners ist Nebenklägerin. kd