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Walch: Mittelschule Unterwössen kein negativer Hot Spot im Landkreis

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Die Unterwössener Mittelschule Foto: Gemeinde Unterwössen

Unterwössen – Für große Aufregung sorgte unser Artikel »'Erschreckende Situation' an Mittelschule Unterwössen« über die Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Darin heißt es unter anderem: »Nach Angaben von Kreisrätin Sandra Sonntag (FW) sei die Situation inzwischen so weit eskaliert, dass regelmäßig der Rettungsdienst vorfahren müsse.« Diese und andere Aussagen verärgern den Unterwössner Bürgermeister Ludwig Entfellner und den Schulrektor Otto Manzenberger.


Auch Landrat Siegfried Walch sieht das anders: Wäre die Unterwössner Schule so, wie beschrieben, »wäre sie für uns ein Hot Spot im Kreis. Dann hätten wir die Schule schon seit Jahren auf unserer Agenda. Hatten wir aber nicht«, erklärte Landrat Siegfried Walch in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die Darstellung entspreche »in keiner Weise dem Bild, das wir von der Unterwössner Schule haben.

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Im Gegenteil«, so der Landrat. Mit ihrem Antrag auf eine sozialpädagogische Fachkraft, den der Jugendhilfeausschuss behandelte, sei die Schule in Unterwössen die letzte Mittelschule im Landkreis. Alle anderen Schulen im Kreis erhielten die sozialpädagogische Fachkraft bereits bewilligt. Dass die Schule erst jetzt diesen Antrag stelle, sage laut Walch viel über die im Vergleich zu anderen Schulen positive Situation in Unterwössen.

Tatsächlich hatte Schulrektor Manzenberger in einem uns vorliegenden Antrag auf die Bewilligung einer sozialpädagogischen Fachkraft für seine Schule vom 2. August geschrieben: »Bisher konnten unsere Problemfälle durch die intensive Zusammenarbeit im Kollegium ohne externe Hilfe geschultert werden. Diese Arbeit nimmt jedoch immer mehr Zeit und Energie in Anspruch, die alleine durch die Schule nicht mehr gedeckt werden kann.«

Um den Antrag zu untermauern, führt Rektor Manzenberger zunächst Gründe an, die die Schullandschaft im Achental und auch darüber hinaus allgemein belasten. Er verweist auf die allgegenwärtigen Probleme aus den sozialen Medien, wie Mobbing und verbotene Fotos. Manzenberger führt vereinzelte Verwahrlosung, weiter gelegentlichen Vandalismus und Diebstahl an.

Herausforderung durch Inobhutnahmestelle

Er spricht von Verhaltensauffälligkeiten, verweist darauf, dass heute immer mehr Kinder »medikamentiert« seien oder Auffälligkeiten zeigen. Er spricht Probleme Alleinerziehender an und den Migrationsanteil, der in Unterwössen bei rund 13 Prozent liegt. Gegenüber anderen Schulen habe Unterwössen eine besondere Herausforderung durch Kinder und Jugendliche aus der Inobhutnahmestelle Litzelau. In der finden gefährdete Kinder und Jugendliche in der Not erste Unterkunft.

Im Gespräch mit unserer Zeitung beschreibt der Rektor, wie es der Schule bisher gelingt, all diese Herausforderungen selbst zu meistern. Da sei das besondere Engagement der Lehrkräfte, Themen wie Mobbing, Streitschlichtung stehen auf dem Stundenplan. Selbstbehauptungskurse helfen den Jugendlichen. Die Jugendbeauftragte der Polizei Grassau informiere und kläre auf. In einer sozialpädagogischen Fachkraft sieht Manzenberger eine spürbare Entlastung aber auch neue Möglichkeiten.

Manzenberger sieht die Schule vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen gut aufgestellt. Auf die Aussage angesprochen, »der Rettungsdienst müsse regelmäßig vorfahren«, äußert er Unverständnis. »Das wird man mir erklären müssen.« »Den letzten Rettungsdiensteinsatz hatten wir vor einem halben Jahr bei einem Armbruch nach einem Sportunfall.« Auch davor habe es keine Besonderheiten oder regelmäßige Einsätze gegeben, meint Manzenberger.

Wir fragten daraufhin bei der Kreisrätin Sandra Sonntag bezüglich der Aussage vom regelmäßigen Rettungseinsatz nach. Die Unterwössnerin war während der Schulzeit ihres Nachwuchses Elternbeiratsvorsitzende an der Schule und ist Unterwössner Gemeinderätin. Ohne auf die Einzelheiten näher einzugehen, erklärte sie, ihre Äußerungen belegen zu können.

Bürgermeister Ludwig Entfellner ist sich sicher, es entstehe ein völlig falsches Bild von der Schule. Der Bürgermeister weiter: »Die eigentlich lobenswerte Tatsache, dass die Grund- und Mittelschule Unterwössen – als einzige Schule im Landkreis – bislang ohne externe Hilfe ausgekommen ist, wird durch diese Darstellung in das Gegenteil verkehrt.« Zum Thema Drogen oder Gewaltausbrüchen erklären Schulleiter und Bürgermeister einhellig, dass davon an der Schule nichts bekannt sei. lukk

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