»Wahllos mit Kerzen auf Madonna geworfen«

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Ignaz Schneider mit einer Votivkerze, die den Tätern als Wurfgeschoss diente. Die filigrane Hand des Jesuskinds wurde abgetrennt. (Foto: Schick)

Ruhpolding – »Die haben einfach wahllos mit den geweihten Kerzen auf die Madonna geworfen«, schimpft Ignaz Schneider und zeigt auf das beschädigte Jesuskind der kunstvoll geschnitzten Altargruppe, die der Ruhpoldinger Bildhauer Helmut Müller geschaffen hat. Die rechte Hand vom ausgestreckten Arm der Skulptur ist abgebrochen, eine Fensterscheibe gesplittert und wahllos liegen zertrümmerte Kerzen herum, die den Tätern als Wurfgeschosse dienten.


Seit 1993 kümmert sich Ignaz Schneider zusammen mit der Hogger-Resi mit viel Herzblut um die kleine Kapelle unweit seines Hauses in Buchschachen. Der Trachtenverein, dem er seit Kindheit angehört und den er Anfang der 80er Jahre sogar mal als Vorstand führte, hat das sakrale Kleinod aus Dankbarkeit für das Gelingen des damaligen Gaufestes errichtet. Solch eine Zerstörungswut hat Ignaz Schneider in all dieser Zeit nicht erlebt. Unbekannte hatten in der Nacht auf den Heilig-Dreikönigtag den Innenraum der Miesenbacher-Kapelle verwüstet.

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Wie immer in den späten Abendstunden wollte der 64-jährige Hobby-Mesner die Kapelle schließen, als eine Gruppe jüngerer, schlanker Männer (soviel war in der Dunkelheit zu erkennen) vom Friedhof her auf die Kapelle zusteuerte. »Ich hab mir wirklich nichts dabei gedacht, weil öfters Menschen in den Abendstunden vorbeikommen, um eine kurze Andacht zu halten«, beschreibt Schneider seine Unbekümmertheit, die sich im Nachhinein als Irrtum herausstellen sollte.

Dann aber ging alles ganz schnell. Als die Gruppe die Kapelle passierte, hörte er plötzlich Lärm und Gejohle. Doch bis er die Kapelle erreicht hatte, waren die Täter schon über alle Berge – das heißt über den Abhang hinunter Richtung Seniorenheim St. Adelheid im Dunkel der Nacht verschwunden.

Dieser Vorfall ist aber nicht der einzige, der Schneider auf die Palme bringt. Schon seit längerer Zeit werden immer wieder mal einzelne der bemalten Totenbretter aus ihrer Verankerung gelockert oder ganz herausgerissen.

»Das hat nichts mehr mit lustigen Lausbubenstreichen zu tun, da steckt schon gezielte Niederträchtigkeit dahinter,« ärgert er sich. Mittlerweile hat er auch die Polizei eingeschaltet, die verstärkte Kontrollfahrten in dem Bereich durchführen will. ls

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