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Waginger See: Wasserqualität ist unbefriedigend

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Petting. Seit vielen Jahren gibt es Bemühungen, die Wasserqualität von Waginger und Tachinger See zu verbessern. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELD) Traunstein, das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und die Seegemeinden haben darum auch am Interreg-IV-A-Projekt »Gewässer-Zukunft« teilgenommen. Ausgiebige Untersuchungen und die Suche nach Lösungen standen dabei im Vordergrund. Der Abschlussbericht und die Ergebnisse der Projekts sind jetzt im Gasthof Riedler in Petting der Öffentlichkeit vorgestellt worden.


Trotz vielfältiger Bemühungen in der Vergangenheit wird der Waginger See die 2015 greifende Gewässerrichtlinie der EU deutlich verfehlen. Schuld an diesem Scheitern ist vor allem der hohe Phosphat-Eintrag in den See; er stammt zu 85 Prozent aus der Landwirtschaft, wie Nachforschungen zweifelsfrei beweisen. Doch die Bauern stehen unter wirtschaftlichem Druck. Sie betreiben deshalb zu einem großen Teil eine intensive Landwirtschaft, die die Wasserqualität, insbesondere des Waginger Sees, massiv beeinträchtigt.

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Waginger und Tachinger See als »Visitenkarte der Region«

AELF-Leiter Alfons Leitenbacher sprach im Gasthof Riedler mit Blick auf Waginger und Tachinger See von »Visitenkarten der Region«. Sie seien enorm wichtig als Badegewässer für Einheimische und Touristen und somit von großer Bedeutung für die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung und den Tourismus. Darüber hinaus seien die Seen ein wichtiger Lebensraum für Fische, Vögel und Mikroorganismen.

Landwirtschaftsdirektor Rolf Oehler führte aus, dass der Waginger See die vorletzte ökologische Zustandsklasse 4 aufweise; dies sei ein nährstoffreicher eutropher Zustand. Besser schneidet der Tachinger See ab; er gelangte in die ökologische Zustandsklasse 2, nährstoffarm. Der Grund für den unterschiedlichen Zustand der durch eine schmale Verbindung zusammenhängenden Seen ist die Bodenbeschaffenheit im Einzugsgebiet. Während der Tachinger See von relativ durchlässigen Böden umgeben ist, in die mehr Wasser versickern kann, ist der Waginger See vom relativ undurchlässigen Geschiebelehm einer Grundmoräne umringt. In den Waginger See gelangen netto zehn bis zwölf Tonnen Phosphat pro Jahr, der Tachinger See ist mit nur etwa einer Tonne belastet.

Im Verlauf des Interreg-Projekts, so Oehler, habe man verschiedene Gülle-Ausbringmethoden getestet. Dabei sei offensichtlich geworden, dass eine bodennahe Ausbringung mit Schleppschlauch oder Schleppschuh von Vorteil sei. Alle anwesenden Experten – unter ihnen Fachleute aus Österreich und vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – meinten, ein möglichst vielzähliger Wechsel zur Öko-Landwirtschaft würde bei der Lösung der Probleme helfen.

Zur Problemlösung beitragen würden neben einer bodennahen Gülleausbringung unter anderem auch vergrößerte Gewässerrandstreifen ohne Düngung, ungenutzte Pufferstreifen mit Hochstauden oder Bäumen oder eine zusätzliche Düngungssperrfrist jeweils vom 1. Oktober bis 31. März des Folgejahres.

Bauern machten Politik verantwortlich

In der abschließenden Diskussionsrunde wurden wenige Fragen gestellt, vielmehr wurde auf Versäumnisse seitens der Politik und der Kommunen hingewiesen, die nach Meinung der Landwirte für die Situation verantwortlich seien. Die gängige Meinung schien zu sein, dass Bauern durch politische Entscheidungen, wie das »Wachse oder Weiche«, in eine intensive Form der Landwirtschaft gedrängt worden seien und jetzt für die Probleme, die dabei entstanden sind, geradestehen müssten.

Einige der Fragen befassten sich auch mit eventuellen Förderprogrammen und finanziellen Hilfen beim Umsetzen der für die Qualitätsverbesserung nötigen Maßnahmen oder zur Feststellung der Bodenbeschaffenheit. Die Antworten waren, dass sich möglichst viele am »Kulap«-Programm beteiligen, auf Ökolandwirtschaft umsatteln oder zumindest fundierte Beratung einholen sollten.

Rolf Oehler sagte, es liege einiges im Argen und das Problem ließe sich nur durch die Mitarbeit aller lösen. »Wir müssen die Bedingungen ändern und Lösungen für den Einzelnen anbieten«. al