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Waging schlägt eigenen Weg ein

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Waging am See. Waging will jetzt endlich den Durchbruch schaffen. Zur Verbesserung der Wasserqualität des Sees will die Gemeinde ab sofort zweigleisig fahren: die Kooperation mit den anderen Seegemeinden im Rahmen des Seenbündnisses nicht aufgeben, aber daneben auch eigene Wege einschlagen. Das war die Quintessenz der Diskussion in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Gründung eines eigenen Umweltausschusses (siehe Artikel unten) war ein erster Schritt dazu; in diesem neuen Ausschuss mit neun Mitglieder sollen ab nächster Woche die einzelnen Maßnahmen ausgearbeitet, abgesegnet und dann auch umgesetzt werden.


Der entscheidende Unterschied zu den bisherigen Maßnahmen im Rahmen des Seenbündnisses liegt, wie Gemeindewerke-Chef Heinrich Thaler informierte, darin, dass die Bauern direkt Geld dafür bekommen sollen, dass sie – vor allem beim Ausbringen von Gülle – sorgfältiger zu Werke gehen. Die Anwendung des Schleppschlauchs oder -schuhs könnte eine Maßnahme sein, das Einhalten von Gewässer-Randstreifen beim Düngen eine weitere. Dafür sollen die Bauern entschädigt werden beziehungsweise will die Gemeinde die Anschaffung der notwendigen Technik subventionieren.

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Rohentwurf des Konzepts im Gemeinderat vorgestellt

Werkeleiter Thaler, der offenbar zusammen mit Bürgermeister Herbert Häusl diese neue Richtung angestoßen hat, stellte einen Rohentwurf des Konzepts vor. Er erinnerte dabei die Gemeinderäte daran, dass sie einst ein Leitbild beschlossen hatten, in dem einige Punkte enthalten sind, die nach wie vor höchste Aktualität besitzen: die Unterstützung der Landwirtschaft als Anbieter regionaler Waren und Dienstleistungen, das Weiterentwickeln eines breit gefächerten Angebots von Erzeugern, Handel und Gastronomie als hohe regionale Wertschöpfung und die Übernahme einer Vorreiterrolle bei der Umsetzung umweltfreundlicher Maßnahmen. »Wir erfinden das Rad nicht neu«, kommentierte Bürgermeister Herbert Häusl diesen Rückblick.

Und Thaler nannte auch nochmals die entscheidenden Zahlen der Seebelastung: 85 Prozent der Phosphatbelastung des Waginger Sees kommen von der Landwirtschaft, beim Tachinger See sind es nur 20 Prozent. 16 Tonnen Phosphat pro Jahr gelangen in den Waginger See, tolerierbar wären maximal sieben; in den Tachinger See gelangt gerade mal eine Tonne.

Die Maßnahmen der Vergangenheit seien – da waren sich Thaler und der Bürgermeister ebenfalls einig – vielfach enttäuschend gewesen. So sei etwa im Rahmen des Interreg-IV-A-Programms wieder nur untersucht und geforscht worden, ohne dass dies Umsetzungen zur Folge gehabt hätte. Bürgermeister Häusl: »Es ist eine der großen Enttäuschungen, dass es kein Programm gibt, das die Erkenntnis dann auch umsetzt.«

Daher will die Gemeinde jetzt in diese Richtung selber aktiv werden – und zwar allein, weil die anderen Seeanliegergemeinden da offenbar nicht mitziehen wollen. Da aber direkte Geldzahlungen seitens der Gemeinde vom EU-Recht her wegen Doppelförderung nicht möglich sind, denkt man in Waging daran, zusammen mit Bauern und einschlägigen Behörden einen Verein zu gründen, der an solche Vorschriften nicht gebunden ist und unmittelbare Auszahlungen leisten kann.

Kein komplettes Nein zum Ministeriumsprogramm

Intensive Diskussionen hatte es in den vergangenen Wochen gegeben, seit vom Landwirtschaftsministerium »Maßnahmenvorschläge für die Region Waginger See« gekommen und 500 000 Euro bereitgestellt worden waren. Ein Punkt dieses Maßnahmenkatalogs ist etwa Beratung der Bauern; dafür stehen gut 300 000 Euro bereit. Dies aber – darin sind sich alle Gemeinden um den See einig – könne nicht ihre Aufgabe sein; darum müsse sich auch weiterhin der Staat kümmern. Geld gäbe es auch für die Erstellung sogenannter Hof-Tor-Bilanzen anstatt der sowieso vorgeschriebenen Feld-Stall-Bilanz. Bei der Hof-Tor-Bilanz wird konkret berechnet, wie viel Nährstoffe auf den Hof kommen und wie viele ihn auch wieder verlassen. Und im Falle rückläufiger Phosphatzahlen gäbe es dann Erfolgsprämien. Da die Hof-Tor-Bilanz deutlich aufwendiger ist, soll es dafür eine Vergütung geben.

Insgesamt ist man in Waging der Meinung, man dürfe – auch wenn man es nicht für ausreichend halte – zu dem Ministeriumsprogramm nicht einfach komplett Nein sagen. Diese Aussage von Heinrich Thaler quittierte der Gemeinderat mit Beifall. Und so ist es jetzt beschlossene Sache, dass der neu gegründete Umweltausschuss die einzelnen Vorschläge und Ideen vertieft und daraus ein schlüssiges Konzept entwickelt. »Jetzt müssen wir durchstarten«, gab Thaler die Devise aus. Dabei sei es auch sehr wichtig, betonte Gemeinderat Georg Huber, die Diskussion und die Ergebnisse auch nach außen zu tragen, »um Mitstreiter und weitere Anregungen zu bekommen«. Das sei selbstverständlich beabsichtigt, für Öffentlichkeitsarbeit gebe es in dem Ministeriums-Programm sogar Geld, sagte Thaler. he