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Waging öffnet sich für Asylsuchende

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Die Wohnung in der alten Schule in Tettenhausen wird in Kürze frei. Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung dazu bereit erklärt, die Wohnung dem Landkreis zur Unterbringung von Asylsuchenden anzubieten. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Die Marktgemeinde Waging öffnet sich für Asylbewerber. Zweiter Bürgermeister Christian Reiter hatte schon bei den Bürgerversammlungen von der Verantwortung der Gemeinde gesprochen, auch ihren Anteil für die Aufnahme von Flüchtlingen zu leisten. Jetzt, da demnächst eine Wohnung im alten Schulhaus in Tettenhausen frei wird, schlug er dem Gemeinderat vor, diese dem Landratsamt für die Unterbringung von Asylbewerbern anzubieten. Der Gemeinderat sprach sich nach kurzer Debatte einhellig dafür aus.


Damit gehen allerdings eine handvoll Tettenhausener Vereine leer aus. Denn in einem Schreiben hatten verschiedene Gruppen und Organisationen aus Tettenhausen ihr Interesse angemeldet, das alte Schulhaus für Vereinsräume nutzen zu dürfen. Entsprechenden Bedarf äußerten KSK, Mutter-Kind-Gruppe, Frauenchor, Frauengemeinschaft und Skiclub. Vom Kindergarten war zudem der Wunsch laut geworden, die Garage, die zum alten Schulhaus gehört, als Lagerraum nutzen zu dürfen. Letztlich wurde aus diesem Wunsch dann ein kleiner Kompromiss zugunsten von Tettenhausener Vereinen: Kindergarten und Vereine sollten die Garage für ihre Utensilien nutzen dürfen, darunter auch die Kanone der KSK.

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»Auch Waging darf sich seiner sozialen Verpflichtung nicht entziehen«, hatte Zweiter Bürgermeister Reiter bereits bei den Bürgerversammlungen in Otting und Tettenhausen gesagt und damit die Bereitschaft signalisiert, Asylsuchende aufzunehmen. Dies wiederholte er jetzt auch im Gemeinderat. Nach dem landkreisweiten Verteilungsschlüssel sollte die Gemeinde Waging 32 Flüchtlinge aufnehmen. Allerdings sei bis dato keine Unterkunftsmöglichkeit gefunden worden – trotz erheblicher Bemühungen engagierter Menschen. Wichtig sei es, so Reiter, dass dezentral kleine, überschaubare Unterkünfte bereitgestellt würden; so sei die Betreuung am besten zu organisieren. Reiter hatte an die Bevölkerung appelliert, doch passende Wohnungen zu melden. Jetzt aber hat die Gemeinde selbst die Möglichkeit, in eigenen Räumen Asylsuchende unterzubringen – eben in der alten Schule in Tettenhausen, in einer Wohnung, die 130 Quadratmeter umfasst und bisher eine jährliche Kaltmiete von 7500 Euro eingebracht hat.

Der Wunsch der Tettenhausener Vereine nach zusätzlichen Räumen sei durchaus nachvollziehbar, stellte Reiter fest, und die Gemeinde sei auch stets bereit, die Vereine nach Möglichkeit zu unterstützen. Derzeit aber gebe es im Lande Menschen, die der Unterstützung noch viel mehr bedürften, und dem wolle sich die Gemeinde nicht entziehen, vielmehr mit gutem Beispiel vorangehen. Man werde also, das Einverständnis des Gemeinderats vorausgesetzt, die Wohnung dem Landkreis zur Unterbringung von Asylbewerbern anbieten. Die Vereine würden dafür sicherlich Verständnis haben, meinte Reiter dazu abschließend: »Davon gehe ich aus.«

Dritte Bürgermeisterin Hedwig Witzleben stimmte aus vollem Herzen zu, ebenso wie auch Gemeinderat Georg Huber: »Ein Kompliment an dich«, lobte er diese Idee des Zweiten Bürgermeisters. Hannes Obermayer zeigte sich als Tettenhausener ein wenig »hin- und hergerissen«, dachte darüber nach, ob man den Punkt nicht vielleicht zurückstellen sollte. Denn immerhin seien es ja wieder die Vereine, die eines Tages in einem Helferkreis für Asylsuchende wieder gern gesehen würden. Uli Heigermoser brachte dann schließlich die Idee ins Gespräch, den Vereinen zumindest die Garage zu überlassen, was dann auch gerne aufgegriffen wurde. So fiel die Abstimmung letztlich dann auch einstimmig aus. he