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Waging hat wieder einen evangelischen Pfarrer

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Pfarrer Barthel Pichlmeier – hier vor der Simeonkirche in Waging – ist nun auch offiziell für den Sprengel Waging in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Chieming – Traunstein – Waging zuständig. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Zwei Jahre lang ist der Waginger Sprengel der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Chieming – Traunstein – Waging ohne offiziellen Pfarrer gewesen. Wohl sprang Pfarrer Barthel Pichlmeier aus Ruhpolding in Teilzeit ein – ab 2012 zunächst mit 25, später mit 50 und dann mit 75 Prozent seiner Arbeitszeit – aber stets als Vertretung. Erst seit heuer ist Pichlmeier auch offiziell installierter Pfarrer des Sprengels, und nun auch in Vollzeit.


Begonnen hatte die Zeit der Vertretung, als Pfarrer Torsten Fecke 2012 nach Burghausen gegangen war. Und als dann voriges Jahr auch noch Pfarrer Sebastian Stahl Traunstein verließ, waren gleich zwei Pfarrstellen vakant – noch mehr Vertretungsarbeit für Pichlmeier. Jetzt aber normalisiert sich die Situation allmählich wieder: Er ist in Vollzeit seelsorgerlich für die Hälfte von Traunstein bis nach Waging zuständig, und auch der andere Bereich von Traunstein bis nach Seebruck wird demnächst wieder besetzt sein. Als Pfarrer für Traunstein ist auch Dekan Peter Bertram tätig, aber nur mit etwa einem Fünftel seiner Arbeitszeit.

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Für Pichlmeier, der aus Buchbach im Landkreis Mühldorf stammt, ist seine »neue«, nun auch offizielle Pfarrstelle von daher überhaupt nicht neu. Aber es ist, was angesichts seines Geburtsjahres 1955 eher ungewöhnlich ist, für ihn tatsächlich die erste Stelle als offizieller Pfarrer. Denn nach seinem Vikariat in Erding und zwei weiteren Stellen als Pfarrer z. A. (zur Anstellung) in Moosburg und Wartenberg, insgesamt gut zehn Jahre, zog sich Pichlmeier aus seinem Beruf zurück und war als Hausmann tätig. Nach Ruhpolding kamen Pichlmeier und seine Familie, weil Ehefrau Ruth eine Stelle als Sonderschulpädagogin im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) antrat, wo sie nach wie vor arbeitet.

Diese offenbar ungewöhnliche Konstellation eines Pfarrers als Hausmann war sogar der »Bild«-Zeitung einst einen kleinen Bericht wert – nach dem Motto: »Er wechselt ab sofort Windeln, statt vor seiner Gemeinde Gottes Wort zu verkünden.« Ganz ohne Verkündigungsaufgaben blieb er gleichwohl nicht; ehrenamtlich war Pichlmeier in Ruhpolding, Siegsdorf und Inzell durchaus seelsorgerisch tätig, betreute auch Kinderfreizeiten mit. Vor allem aber kümmerte er sich um die drei Kinder seiner Familie, die inzwischen den Windeln allerdings längst entwachsen sind: Sebastian ist 26, Julia 25 und Nesthäkchen Michael 18 Jahre alt. Pichlmeier sieht seine Aufgabe als Hausmann im Rückblick sehr positiv: »Es ist wichtig«, sagt er, »dass jemand daheim ist, dass Heimat geschaffen wird und dass auch die Gedanken frei sind« – unbelastet von den Sorgen der Arbeit.

Und er gönnte sich nebenbei auch seine Hobbys. Das ist zum einen Radfahren; einmal pro Jahr werden die Alpen überquert. Auch Skilanglauf, Volleyball, Gitarre und Trompete spielen, im Chor mitsingen, technische Geräte reparieren: All das macht ihm viel Freude. Aber er arbeitete auch: in Teilzeit bei der Firma Ecolab, was ihm einen guten Blick ins »normale« Arbeitsleben ermöglichte, und als Vermieter der drei Ferienwohnungen der Familie.

Das alles muss jetzt wieder in den Hintergrund treten. Die Aufgaben als Vollzeitpfarrer fordern ihren Tribut. Nebenbei gestaltet er zusammen mit dem Team auch den Pfarrbrief, ist neuerdings auch für die Internetseite der Kirchengemeinde verantwortlich. Nachdem jetzt aber zuallererst Urlaub in Form einer Alpenüberquerung bevorsteht, können die Waginger ihren nunmehr auch offiziellen Pfarrer erst wieder am Sonntag, 28. Juni, im Gottesdienst erleben.

»Ich bin gern Pfarrer«, stellt Pichlmeier abschließend fest, »weil mich die befreiende Kernaussage des Evangeliums fasziniert, dass keiner perfekt sein muss, aber doch vor Gott liebenswert ist, und weil ich mich für Menschen und ihre Geschichten interessiere und es mich selbst bereichert, sie an wichtigen Stationen ihrer Lebensgeschichte zu begleiten.« he