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»Wägt eure ganz persönlichen Werte ab«

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Die besten Abiturienten des Staatlichen Landschulheims Marquartstein sind in diesem Jahr Moritz Kirschner, Elisabeth Borchert, Laura Wefers und Florian Kink (von links). (Foto: Giesen)

Marquartstein – Mit einem fröhlichen Festakt wurden die 86 Abiturienten des Staatlichen Landschulheims Marquartstein verabschiedet. Die vier Besten sind Florian Kink aus Übersee mit einem Notendurchschnitt von 1,2, Moritz Kirschner aus Pliening mit 1,3 sowie Elisabeth Borchert aus Hannover und Laura Wefers aus Staudach-Egerndach mit je 1,5. Sie erhielten je einen Büchergutschein von der Schule. Eine Eins vor dem Komma haben auch Kilian Eckert, Chantal Hiller, Andreas Nißl, Nina Wiedemann, Tatjana Kühnast, Peter Widmer, Julia Leonhardt, Constantin Maier, Veronika Mühlhammer, Elisabeth Weiß, Julia Buchner, Niklas Eisenberger und Maximilian Krull.


Fünf Abiturienten sind auch ausgebildete Schreinergesellen: Oliver Dragun, Manuel Kaufmann, Michael Malchareck, Noah Noé und Philipp Reuter. Sie hatten sich fünf Jahre lang neben dem Unterricht in ihrer Freizeit in der schuleigenen Schreinerei ausbilden lassen.

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Pschorn: »Ein sehr sympathischer Jahrgang«

Dass ein sehr sympathischer Jahrgang die Schule verlässt, bestätigte Schulleiter Gerhard Pschorn. Abschied zu nehmen sei niemals leicht, aber »Aufhören zu können ist unsere Freiheit«. Ihre Lebensarbeitszeit werde wohl deutlich länger sein, als die ihrer Eltern, ebenso das wöchentliche Arbeitspensum. Früher oder später würden ihnen aufgrund ihrer Qualifikation Führungsaufgaben anvertraut.

Dabei gehe es nicht nur um Gewinnmaximierung, bei der der Mensch als Kostenfaktor gesehen wird, sondern um die Optimierung der Wertschöpfung und Werte zu bewahren. Unerlässlich seien Toleranz, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, die das Team und den Einzelnen stark machen und den vertrauensvollen Umgang miteinander ermöglichen.

Für die ersten Berufsjahre empfahl Pschorn, leistungsbereit, tüchtig und auch ehrgeizig zu sein, sich aber auf der Jagd nach einem immer besseren Job nicht verbiegen zu lassen. »Wägt eure ganz persönlichen Werte ab. Worin seht ihr euer ganz persönliches Glück? Nur wer sich selbst liebt, kann auch seine Nächsten lieben«.

Mit herzlichen Worten verabschiedete auch Internatsleiter Gerd Geigenmüller 19 Heimschüler. Es sei ein ganz besonderer Jahrgang gewesen – es sei bei fast allen die »besonders nette, feine menschliche Art, die euch so sympathisch macht«. Fünf von ihnen haben eine Eins vor dem Komma, was nur mit Intelligenz, Fleiß und Ausdauer zu schaffen sei.

Die Ehrennadel des Land-schulheims erhielt Maximilian Wurch, der sich viele Jahre zum Beispiel als Sprecher in Internat und Schule für die Gemeinschaft eingesetzt hat. Ohne seine technischen Kenntnisse wären auch viele Veranstaltungen so nicht möglich gewesen.

Die Wortbeiträge wurden musikalisch meist von den Abiturienten selbst in verschiedenen Gruppen mit Gesang, Klavier, Gitarre und Schlagzeug umrahmt. Ein Höhepunkt war das von allen Abiturienten gemeinsam gesungene Lied »Angels« von Robbie Williams.

Erinnerung an »Schulzeit der letzten 12, 13 oder 14 Jahre«

In einer humorvollen Ansprache erinnerten Viktoria Kluth und Max Krull an ihre Schulzeit »der letzten 12, 13 oder 14 Jahre«. Höhepunkte waren die Berlinfahrt, die Abifahrten nach Istanbul, Elba oder Rom. Die Schulzeit habe sie »zu den Persönlichkeiten gemacht, die wir jetzt sind und dafür sind wir dankbar«. Sie würdigten besonders die Oberstufenkoordinatoren Ulrich Jansen und Helmut Liebl sowie die Mitschüler Magdalena Wagner und Theresa Lampersberger, die sich beim Abistreich oder Abiball besonders engagiert hatten.

»Alle, die angetreten sind, haben die große Herausforderung bestanden«, freute sich die stellvertretende Elternbeirats-Vorsitzende Claudia Pfeiffer. Aus Elternsicht seien die Schuljahre »nicht immer ganz so gechillt« gewesen, sondern auch anstrengend. Laut Goethe sollten die Eltern den Kindern erst Wurzeln und dann Flügel geben. Relativ leicht sei es, Wurzeln zu geben, sehr viel komplizierter die Flügel. In der Pubertät und den Jahren danach hätten die Eltern zwar beraten dürfen, aber viel wichtiger sei die Meinung der Freunde gewesen. Ohne die Eltern hätten sie Lebensstrategien entwickelt, die letztlich positiv seien. Pfeiffer würdigte Geduld und Engagement von Lehrern und Erziehern und wünschte den Abiturienten den Mut, Entscheidungen zu treffen und ihren Weg unbeirrt zu verfolgen.

Der Vorsitzende des Bunds der Altmarquartsteiner (BAM), Dr. Dr. Klaus Ständer, hieß die Abiturienten im Bund der ehemaligen Schüler und Lehrer am LSH willkommen. Der BAM organisiert nicht nur Ehemaligentreffen, sondern unterstützt die Schule jedes Jahr mit einem fünfstelligen Betrag.

Kleine Geldgeschenke für besondere Seminararbeiten

Der Vorsitzende und Sylvia Niedermeier überreichten den Autoren der besten Seminararbeiten kleine Geldgeschenke, so an Elisabeth Borchert, die im Fach Englisch zum Thema »Society und Satire« geschrieben hatte, an Magdalena Wagner in Geschichte für »Propaganda im Kinderzimmer im Ersten Weltkrieg«, an Andreas Nißl im Fach Chemie für »Schnapsbrennen – Enzianherstellung in Bayern« und an Peter Widmer für seine Facharbeit »Spaniens Beitritt zur EG« im Fach Spanisch. Von der Deutschen physikalischen Gesellschaft wurden heuer die Arbeiten von Florian Kink und Moritz Kirschner besonders ausgezeichnet.

Anschließend erhielten die Abiturienten ihre Zeugnisse. Dazu erklangen bei jedem einzelnen ein paar Takte eines zu ihm passenden Songs, den die Mitschüler ausgesucht hatten. Der Festakt endete mit einem Sektempfang auf der Terrasse, wobei die Lehrerband Stimmungsmusik spielte. Krönender Abschluss war abends der Abiturball im Festsaal in Aschau. gi