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Vulkanausbruch in Island: »Man kann nicht realisieren, was man sieht«

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»Die ganze Zeit stand ich da, hab´ geschaut, gefilmt und wieder laut Danke gesagt«, so Erdmann.
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Bis auf wenige Meter konnte sich Stefan Erdmann dem Lavafeld nähern. Im Hintergrund schossen Lavafontänen bis zu 100 Meter in den Himmel. »Wenn man vor dieser Naturgewalt steht, gibt es nur ein Wort – Demut.« (Fotos: Erdmann)
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In einem kleinen Flugzeug konnte Erdmann auch aus der Luft Aufnahmen vom Vulkanausbruch machen.

Aus einer kilometerlangen Spalte am isländischen Vulkan »Bárdarbunga« brodelt seit knapp zwei Monaten glühend heiße Lava. Der Stelle kann man sich nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen nähern. Einer, der dies auf Land- und Luftwegen getan hat, ist der Chiemgauer Filmemacher Stefan Erdmann. »Man kann nicht realisieren, was man gerade sieht. Es ist nicht fassbar!«


Erdmann war in den letzten 13 Jahren über 20 Mal in Island, hat drei Filme und den Filmvortrag »ISLAND 63˚66˚N« produziert. Er kennt das Land mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als so mancher Isländer. Mit der jüngsten Reise in den Norden ging für ihn nun ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Er wurde Zeuge der Eruption am Vulkan Bárdarbunga im abgelegenen Hochland.

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Zusammen mit seinem Sohn Silas war der Unterwössener nach Island gereist, um Filmaufnahmen von dem Ausbruch zu machen. Doch der Weg zu diesen Aufnahmen war lange, abenteuerlich und mit vielen Gefahren, wie einer Gletscherflut, kleinen Erdbeben und giftigen Gasen verbunden. Bei der Ankunft war das gesamte Gebiet rund um die Ausbruchsstelle wegen des schlechten Wetters sowohl für Flugzeuge als auch für Fahrzeuge gesperrt. »Nur Wissenschaftler mit Sondergenehmigung durften direkt an den Ausbruch fahren und auch sie mussten mehrmals evakuiert werden«, erklärt Erdmann, der das Spektakel deshalb anfangs nur aus der Ferne beobachten konnte. Aber bereits das war beeindruckend: »Nachts hat man am Horizont rot leuchtend und ständig pulsierend die Fontänen des Vulkans gesehen und über uns war der Himmel grün-violet erleuchtet von Nordlichtern. Wir hatten Tränen in den Augen, weil man all die Schönheit und Kraft, die die Natur dort zu bieten hat, nicht glauben kann.«

Doch wenige Tage später besserte sich das Wetter und durch seine guten Kontakte in Island konnte sich der Chiemgauer ein kleines Flugzeug chartern, um Luftaufnahmen von dem Ausbruch zu machen und um dieses Naturspektakel hautnah zu erleben. »Es ist ein Anblick, dem man sich nicht entziehen kann. Inmitten einer eh schon surrealen Landschaft, die nur aus Gletschern, Stein- und Sandwüste besteht, ist die Erde aufgeplatzt und Unmengen Magma kommen direkt aus dem Erdinneren nach oben geschossen, neue Landschaften entstehen.«

Erdmann versuchte sich auf das Filmen zu konzentrieren und das gewaltige Szenario von der Luft aus zu dokumentieren. Da fragte ihn sein Pilot Ragnar, ob er auch vom Boden aus filmen wolle. »Trotz all der möglichen Gefahren habe ich keinen Moment gezögert und so landeten wir nur wenige Meter vom Lavafeld entfernt.« Für den Unterwössener wurde plötzlich etwas wahr, wovon er zwar immer geträumt hat, es aber niemals für möglich hielt, dass es wirklich Realität wird.

»Mit einer sehr hochauf-lösenden und einer Super-Slow-Motion-Kamera hab ich dann alles gefilmt und immer wieder versucht, jeden dieser einzigartigen Momente ganz bewusst zu erleben, aber das war nicht möglich, denn man kann nicht realisieren was man gerade sieht.« Lavafontänen schossen unaufhörlich bis zu 100 Meter in den Himmel, dazu kam die gigantische Aschewolke, die lauten Geräusche und das Lavafeld, von dem Erdmann nur einen Meter entfernt stand. »Die ganze Zeit stand ich da, hab geschaut, gefilmt und immer wieder laut Danke gesagt. Um zu beschreiben, was man empfindet wenn man vor dieser Naturgewalt steht, gibt es nur ein Wort – Demut.«

Ausführlich und live wird Stefan Erdmann ab Ende Oktober die neue Version seines Islandfilmes in den Vortragssälen der Region zeigen. Dann berichtet er nicht nur über die spannende Geschichte des Vulkanausbruchs, sondern auch über die ganze Vielfalt Islands und präsentiert seine Filmaufnahmen auf Großleinwand.

Die Termine der Island-Tour: 23. Oktober um 20 Uhr im Kursaal Ruhpolding, 29. Oktober um 20 Uhr im Poststall Teisendorf, 30. Oktober um 20 Uhr im Festsaal Siegsdorf, 6. November um 20 Uhr im Stadtkino Trostberg, 9. November um 18 Uhr im »Alten Hallenbad« in Unterwössen. Tickets gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen in der Region und unter der Telefonnummer 08642/5974431. Andrea Poschinger