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Vorstoß gegen die Güterhallenpläne der Stadt

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Gibt es möglicherweise unangenehme Überraschungen, durch Kriegs-Altlasten, wenn die Güterhalle umgebaut wird? Die CSU-Fraktion im Stadtrat, die sich wegen der hohen Kosten offen gegen die Pläne der Stadt ausspricht, will das nicht ausschließen und fordert eine Untersuchung.

Traunstein. Nur einen Steinwurf von der Güterhalle entfernt versank der Traunsteiner Bahnhof beim Bombenangriff der Amerikaner am 18. April 1945 in Schutt und Asche. Dass von diesem Angriff Blindgänger, also Bomben, die nicht explodiert sind, im Boden schlummern, ist nach Ansicht der Traunsteiner CSU nicht auszuschließen. Sie hat deshalb beantragt, die Planungen für den Umbau der Güterhalle einzustellen, bis die Frage der Altlasten geklärt ist. Oberbürgermeister Christian Kegel betonte gestern in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, man werde allen Fragen nachgehen und in einer der nächsten Stadtratssitzungen darüber beraten.


Bekanntermaßen ist die CSU aus Kostengründen gegen die von einer Stadtratsmehrheit getragenen Pläne, die Güterhalle auszubauen und zu sanieren. Mit Millionenaufwand soll hier unter anderem ein städtischer Jugendtreff entstehen und es sollen Räume für die Schule der Phantasie bereitgestellt werden (wir berichteten mehrfach).

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Veterinäramt als Mieter nicht willkommen

In der Junisitzung hatte der Stadtrat gegen die Stimmen der CSU beschlossen, dass für die nicht benötigten Restflächen Interessenten für eine Nutzung gesucht werden sollen. Favorisiert werden dabei Einrichtungen, die gut zum Jugendtreff und zur Schule der Phantasie passen. Das könnten zum Beispiel Organisationen wie Kreisjugendring, Mütterzentrum oder Kinderschutzbund sein.

Eine Nutzung durch einen Mieter, der in der Lage ist, ortsübliche Mieten zu bezahlen, wurde auch in Erwägung gezogen: Das Traunsteiner Veterinäramt sucht nach Räumen und hätte Interesse gezeigt. Letztlich sprach sich der Stadtrat aber dagegen aus.

Als die Stadt das Gebäude von der Bahn für 230 000 Euro kaufte und erste Planungen anstellte, war die Rede von 300 000 Euro Kosten, die man in das Haus stecken müsse, um einen Jugendtreff einzurichten. Abzüglich der Zuschüsse im Rahmen der Städtebauförderung, so argumentierte der damalige Oberbürgermeister Manfred Kösterke, könnte die Stadt einen Jugendtreff bekommen, der sie nicht mehr als etwa 400 000 Euro kosten würde. Im Oktober 2013 war dann plötzlich von 3,8 Millionen Euro die Rede – plus Grunderwerbskosten.

Bei dieser Summe war die Schmerzgrenze der CSU überschritten. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Osenstätter hatte die Kostenexplosion lange zuvor geahnt. Er wetterte schon in seiner Haushaltsrede im Dezember 2012 gegen das sündhaft teure Projekt. Die Wiederherstellung des maroden Gebäudes werde ein Vielfaches kosten, prophezeite er und behielt recht. Und dass man schon damals auch bei der Stadt von deutlich höheren Kosten ausging, ist dadurch bewiesen, dass für das Objekt in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2016 zwei Millionen Euro vorgesehen waren.

Nun fordert die CSU, die Planungen einzustellen, bis eine Reihe von Fragen beantwortet sind. So solle man klären, ob es aktuelle Gutachten zu den Altlasten und Kriegslasten hinsichtlich der erworbenen Grundstücksflächen gibt. Außerdem will man wissen, ob der Stadt Traunstein ein Gutachten der Bahn aus dem Jahr 1999 bekannt ist, das die Kriegseinwirkungen im Bahnhofsbereich darstellt.

»Gibt es für die Güterhalle eine Negativbescheinigung des Kampfmittelräumdienstes?«, lautet eine weitere Frage im CSU-Antrag. Geprüft werden solle auch, ob die Stadt ausschließen kann, dass sich unter der Güterhalle Kriegslasten befinden. Gestellt wird auch die Frage, ob es ein baubiologisches/immissionsschutzfachliches Gutachten zur Güterhalle, insbesondere zu den Themen Lärm und elektromagnetische Strahlung gibt.

Gibt es Fliegerbomben unter der Güterhalle?

Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand der CSU-Stadtratsfraktion, so heißt es in der Begründung zu dem Antrag, sei es nicht ausgeschlossen, dass sich noch Fliegerbomben oder ähnliche Kriegslasten unter der Güterhalle befinden. Zwar finden sich laut Gutachten auf der Fläche, auf der heute die Güterhalle steht, keine Bombeneinschläge; allerdings sind die Bombeneinschläge in unmittelbarer Nähe zur Güterhalle gewesen.

Ungeklärt ist nach Ansicht der CSU die Frage, warum sich auf dem Gelände der heutigen Güterhalle keine Bombeneinschläge befinden sollen. Die Güterhalle sei nur zu sieben Prozent unterkellert. Untersuchungen des Untergrundes habe es deshalb beim Bau der Güterhalle in den Jahren 1949 und 1950 nicht gegeben. Das Auffinden von Kriegslasten in der damaligen Zeit könne man deshalb nahezu ausschließen. Offen sei auch die Frage, ob und wie der Untergrund unter der Güterhalle im Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens von 1999 untersucht wurde.

Die CSU-Fraktion hält das Vorantreiben der Planungen für unverantwortlich. »Sicherheit und Gesundheit müssen – insbesondere bei einer städtischen Einrichtung – gewährleistet sein«, betont Ortsvorsitzender Christian Hümmer.

In baubiologischer und immissionsrechtlicher Hinsicht stelle sich die Frage, ob die Güterhalle für eine höherwertige Nutzung überhaupt geeignet ist. Hierzu gebe es keine Stellungnahmen oder dergleichen, die dem Stadtrat bekannt sind.

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung zunächst, er halte den Erwerb der Güterhalle für »unheimlich wichtig« für die Entwicklung des Bahnhofquartieres. »Das war eine sehr weitsichtige Entscheidung des Stadtrates.«

Bei Untersuchungen im Jahr 2008 seien lediglich »leichte oberflächennahe Ölverunreinigungen« festgestellt worden. Das von der CSU erwähnte Gutachten von 1999 sei ihm nicht bekannt. Man werde sich aber informieren. Da keine Eingriffe in den Unterboden vorgesehen sind, sei das nicht von entscheidender Bedeutung. Bezüglich Kampfmitteln gebe es zwar keine Negativbescheinigung. Diese Frage werde beim Baugenehmigungsverfahren erörtert. Allerdings würde das nur einen Neubau betreffen.

Kegel: Überraschungen im Untergrund möglich

Dass etwas im Untergrund schlummert, könne man zwar nicht endgültig ausschließen; er sehe das aber nicht so dramatisch, sagte Kegel. Es würde keinen Sinn machen, »in den Untergrund reinzuschauen«. Bezüglich Lärm und Strahlung werde man offene Fragen im weiteren Planungsprozess klären. Aus einem Aktenvermerk gehe aber hervor, dass es bezüglich des Abstands zu eventuellen Strahlungsquellen keine Bedenken gebe.

Ob der Vorstoß der CSU den von der Stadtratsmehrheit bekundeten Willen ändern kann, die Güterhalle mit großem Aufwand zu sanieren, wird sich zeigen. -K.O.-