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»Vorrangig sind mit Sicherheit die Parkplätze«

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Ein Vorschlag der Planer ist, in der Marienstraße eine Änderung der Einbahnstraßenrichtung vorzunehmen und die Parkplätze nur mehr einseitig anzuordnen. So könnte der Verkehr nach Meinung des Büros Transver aus München auch von der Maxstraße besser abfließen. (Foto: Reiter)

Traunstein – »Manche der Vorschläge werden wir wohl nicht umsetzen, doch es gibt auch viele gute Ansätze«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel über das Verkehrs- und Parkraumkonzept im Stadtrat. Dieses war von den Planern Ulrich Glöckl und Martin Heinze im Planungsausschuss vorgestellt worden (wir berichteten). Der Stadtrat nahm den Abschlussbericht des Büros Transver aus München einhellig zur Kenntnis.


»Vorrangig sind mit Sicherheit die Parkplätze«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel. Denn die Untersuchung hat ergeben, was die meisten Pendler jeden Tag zu spüren bekommen: Der Parkdruck in der Großen Kreisstadt ist enorm. Als Favorit für neue Stellplätze hat sich nach den Analysen des Verkehrsforschungsbüros aus München der Karl-Theodor-Platz herauskristallisiert (wir berichteten). Zweiter möglicher Standort wäre ein neues Parkhaus an der Scheibenstraße.

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Wolfgang Osenstätter (CSU) war der Meinung, »dass wir das mit gesundem Menschenverstand auch so hinbekommen hätten« – also ohne Parkraumkonzept für 23 500 Euro. »Dass wir Parkraum am Karl-Theodor-Platz brauchen, wissen wir seit Jahren. Für mich ist das rausgeschmissenes Geld.« Er sehe auch nicht, »was es bringen soll, ob die Straße jetzt so oder so eine Einbahnstraße wird«.

»Oberstes Prinzip ist der Verkehr«

Die Planer Ulrich Glöckl und Martin Heinze hatten bei der Vorstellung im Planungsausschuss vorgeschlagen, in der Marienstraße eine Änderung der Einbahnstraßenrichtung vorzunehmen und die Parkplätze nur mehr einseitig anzuordnen. So könnte der Verkehr nach Meinung der Planer von der Maxstraße besser abfließen. Die Bahnhofstraße würden sie gerne zur Fußgänger- und Radlerzone erklären. Die Durchfahrt zum verkehrsberuhigten Maxplatz sollte mit Blumenkübeln unterbunden und der Stadtplatz über die Ludwigstraße erschlossen werden.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) betonte, dass in dem Konzept viel Interessantes stehe. »Oberstes Prinzip ist der Verkehr«, betonte sie.

Wilfried Schott (Grüne) sagte, er freue sich über das Ergebnis der Untersuchung, »dass es leicht und billig ist, Traunstein zu einer Fahrradstadt zu machen«.

»Jahrelang haben wir gehört, dass eine fahrradfreundliche Stadt nicht zu machen ist«, sagte auch seine Fraktionskollegin Burgi Mörtl-Körner. »Jetzt haben wir eine Vorlage bekommen, wie es gehen könnte. Vielleicht brauchen wir dann auch weniger Parkplätze.«

Dass eine fahrradfreundliche Stadt Traunstein möglich ist, bestätigte Planer Ulrich Glöckl auf telefonische Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Doch es gebe sehr viele Stellen, an denen das nicht einfach umzusetzen sei, »zum Beispiel von der Güterhallenstraße kommend über den Bahnhof«. Unterführungen seien in vielen Städten ein Problem, nicht nur in Traunstein. Eine Möglichkeit wäre – wie beispielsweise in Freising – die Unterführung zu einer Unterführung auch für Radfahrer zu machen. Doch das koste selbstverständlich Geld, betonte Glöckl. Wünschenswert wäre seiner Meinung nach auch ein Radweg in Richtung Wasserburger Straße, auch wenn dann die Straße verschmälert werden müsste.

Von kleinen bis umfangreichen Maßnahmen

In dem Konzept seien zahlreiche Maßnahmen für eine fahrradfreundliche Stadt genannt, so die Stadt auf Nachfrage. Dabei reiche das Spektrum von sehr kleinen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Markierung eines Fahrradschutzstreifens bis hin zu sehr umfangreichen und weitgehenden Maßnahmen, wie zum Beispiel das Ermöglichen des Radfahrens in der Bahnhofstraße zwischen Stadtpark und Maxplatz entgegen der Einbahnrichtung. Diese für Radfahrer deutliche Verbesserung der Streckenführung würde auf der anderen Seite aber bedeuten, dass Stellplätze in diesem Abschnitt der Bahnhofstraße wegfallen würden.

Mit dem Abschlussbericht lägen nun alle entscheidungsrelevanten Untersuchungen, Analysen und Maßnahmeempfehlungen vor, so die Stadt. »Inwieweit hieraus konkrete Umsetzungsmaßnahmen beschlossen werden, ist ausschließliche Angelegenheit der politischen Entscheidungsträger.« – Das heißt: Über jede Maßnahme in Bezug auf Verkehr und mehr Parkplätze in Traunstein wird der Stadtrat gesondert diskutieren und abstimmen. KR