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Vor Quirin liegt ein langer Weg

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Den Spendenscheck kann der fünfjährige Quirin in seinem Rollstuhl schon wieder selber halten. Unser Foto von der Geldübergabe der Blaskapelle St. Leonhard zeigt (von links): Sepp Eder, Michael Mayer, Hans Greisberger und Sabine Mayer zusammen mit dem kleinen Patienten. (Foto: Eder)

Surberg. Der 14. Februar 2013 hat das Leben der Familie Mayer im Weiler Jahn von Grund auf verändert; nichts ist mehr, wie es war. In jener Nacht erkrankte der fünfjährige Quirin, das einzige Kind der Familie, schwer, und als er nach tagelangem Kampf um sein Leben wieder erwachte, »konnte er gar nichts mehr, auch geistig war Quirin nicht mehr in unserer Welt«, beschreibt Mutter Sabine den Zustand ihres Sohnes, der seitdem auf dauernde Pflege angewiesen ist – und damit die Eltern auf Spenden, denn die Behandlung ist teuer, die Krankenversicherung zahlt vieles nicht oder nicht vollständig.


Da kommen Spenden gerade recht. Auch wenn es den Eltern Sabine und Michael zunächst nicht leicht fiel: Sie haben zunächst im Waldkindergarten der Gemeinde Surberg, in den Quirin bis zu seiner Erkrankung gegangen ist, auf ihre problematische finanzielle Situation hingewiesen und um Unterstützung gebeten. Mit gutem Erfolg.

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Der Reihe der Spender hat sich jetzt auch die Blaskapelle St. Leonhard angeschlossen. Musikmeister Hans Greisberger und Vorsitzender Sepp Eder überbrachten der Familie 1500 Euro. Die Blaskapelle trifft sich seit einigen Jahren immer an der von ihrem ehemaligen, inzwischen verstorbenen Musikmeister Hans Greisberger sen. und dessen Bruder Mathias gebauten Kapelle in Enzersdorf zu einer Andacht für ihre verstorbenen Mitglieder. Der Erlös des anschließenden Dämmerschoppens wird immer für soziale Zwecke gestiftet, diesmal eben für Quirin Mayer. Die Musikanten waren selber überrascht von dem großen Erfolg, der nicht zuletzt auch dadurch ermöglicht wurde, dass die Brauerei Schönram alle Getränke umsonst zur Verfügung gestellt hat. 1091 Euro kamen an dem Abend zusammen, etliche Spenden wurden nachgereicht, und die Kapelle rundete dann auf 1500 Euro auf.

Sabine und Michael waren schier sprachlos über diese großzügige Spende, die ihnen wirklich hilft. Denn sie haben jetzt einen langen Weg vor sich, auch nachdem Quirin vor gut einer Woche aus dem Krankenhaus in Vogtareuth entlassen worden ist, wo er ein halbes Jahr behandelt worden ist – und seine Mutter, von Beruf Bäckereiverkäuferin, war immer bei ihm.

Am Anfang war es »nur« ein grippaler Infekt

»Wir lassen nichts unversucht«, betonen die Eltern, »damit unser Quirin wieder gesund wird.« Über Bekannte sind sie auf die sogenannte Mikrofrequenz-Therapie gestoßen, die bereits nach den ersten Sitzungen eindeutige positive Veränderungen mit sich gebracht habe. Aber die kostet Geld.

Dazu kommt, dass die Mayers vor nicht allzu langer Zeit Haus gebaut haben, sodass die plötzliche schwere Erkrankung ihres Sohnes ihre Finanzplanung natürlich völlig auf den Kopf stellt. Die Therapien sind sehr kostspielig, die notwendigen Umbauten im Haus und die erforderlichen Hilfsmittel kosten viel Geld, wobei die Kassen, wie die Mayers betonen, »wirklich nur das Nötigste bezahlen«.

Und so hat alles angefangen: Der kleine Quirin hatte im Winter einen grippalen Infekt, bekam am nächsten Tag Fieber und schließlich Brechdurchfall. Daraufhin verschlechterte sich sein Zustand derart, dass er ins Klinikum Traunstein eingeliefert werden musste. Und da begann dann der »Albtraum«, wie die Familie Mayer die folgende Zeit bezeichnet. Ihr Sohn bekam massive Organentzündungen, die über Krampfanfälle zu Entzündungen des Gehirns führten. Tagelang mussten die Eltern um das Leben ihres Kindes bangen. Um weitere Schäden für das Gehirn zu vermeiden, die durch die massiven Krämpfe drohten, wurde der Bub eine Woche lang ins künstliche Koma versetzt. Und als er daraus aufwachte, war er körperlich und geistig behindert.

Das Schlimme daran: Bis zum heutigen Tag ist der Erreger dieser Erkrankung nicht gefunden. Und das, obwohl Uni-Kliniken in ganz Deutschland, in Holland und den USA mit eingeschaltet wurden. Offiziell geht man von einer Virusinfektion aus. Das Gute aber ist, dass sich Quirin besser entwickelt, als es die meisten Ärzte vorausgesagt haben. Der momentane Grad der Behinderung ist hoch, aber gegenüber dem ursprünglichen Zustand hat sich vieles verbessert. Er kann schon wieder einige Wörter sprechen, er kann schlucken, sitzen, sich bewegen, spielt auch bereits wieder, kann mit Hilfsmitteln auch ein paar Schritte gehen.

Und auch sein Dickkopf ist wieder zurückgekommen, scherzt die Mutter in einem Anflug von Galgenhumor. Denn der Bub hat von frühester Kindheit an das Kämpfen gelernt. Er ist acht Wochen zu früh auf die Welt gekommen, hat sich durchgekämpft und ist dadurch zäh geworden.

Zähigkeit wird aber auch von den Eltern verlangt – und nicht zu wenig. Für Mutter Sabine waren die Monate in Vogtareuth kein Zuckerschlecken. Keine Nacht konnte sie durchschlafen, alle paar Stunden ist ihr Sohn aufgewacht. Auch untertags konnte sie kaum einmal weg. Und Vater Michael ist am Wochenende stets nach Vogtareuth gefahren, um seine Familie zu besuchen.

Bub war »schon fast ein halber Jäger«

Die für das Frühjahr geplante große Feier zu seinem 50. Geburtstag ist natürlich ausgefallen, eine Art Zuflucht in der schlimmen nervlichen Belastung fand der passionierte Jäger in seinem liebevoll eingerichteten Jagdzimmer. Der Bub sei selber »schon fast ein halber Jäger« gewesen, seufzt der Vater, hat sich im Wald und mit den Tieren bestens ausgekannt. Auch davon ist nichts mehr geblieben.

Ab Herbst wird der Bub ins Heilpädagogische Zentrum in Ruhpolding gehen, die einzige mögliche Einrichtung; denn normale Kindergärten, selbst integrative, wären mit seinem Krankheitsbild restlos überfordert.

Und da liegt auch vor Quirin ein langer Weg, um zumindest einiges von dem wieder aufzuholen und neu zu erlernen, was ihm durch seine massive Gehirnschädigung verloren gegangen ist. Wer für Quirin Mayer spenden will, kann dies unter folgender Bankverbindung tun: Kreissparkasse Traunstein, Konto 40315277 (BLZ 710 520 50). he