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Vor 30 Jahren Streit zwischen Traunstein und Rosenheim

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Genau 30 Jahre ist es her, dass die politischen Diskussionen um den Chiemsee-Ringkanal ihren Höhepunkt erreichten. Soll das gereinigte Abwasser der Chiemseegemeinden in die Alz oder in den Inn geleitet werden? Diese Frage entzweite Politiker und Bürger in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim. Die Rosenheimer, allen voran deren damaliger Stimmkreisabgeordneter im Landtag und Innenstaatssekretär Franz Neubauer, wehrten sich erbittert gegen die geplante Ableitung zum Inn. Zunächst hatten sie Erfolg, denn es sollte noch vier Jahre dauern, ehe 1986 mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen wurde.


Seit 1989 fließt das im Klärwerk in Stiedering gereinigte Abwasser der Chiemseegemeinden in den Inn und niemand regt sich mehr darüber auf. Der See ist dank des Weitblicks der damaligen Planer und Politiker wieder sauber und sein Wasser hat in vielen Bereichen die Qualität von Trinkwasser – eine Errungenschaft, die Einheimischen und Touristen gleichermaßen zugute kommt und die Umwelt schützt.

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Engagierte Menschen, allen voran der damalige Priener Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger, haben vor mehr als drei Jahrzehnten davon geträumt, einen Zustand des Sees zu erreichen, wie er heute als selbstverständlich angesehen wird. Genau 30 Jahre ist es am heutigen Donnerstag her, dass das Traunsteiner Wochenblatt mit der Forderung titelt: »Diskussion um Chiemsee-Ringkanal beenden!«

Was war passiert: Das Raumordnungsverfahren für das Großprojekt war abgeschlossen. Entscheidend für die Ableitung zum Inn war ein Gutachten des Innsbrucker Gewässerkundlers Professor Roland Pechlaner, der davor warnte, das gereinigte Abwasser in die Alz zu leiten. Es könnte die Kalkschichten im Flussbett schädigen und das Wasser könnte in tiefere Schichten versickern. Erst viele Kilometer weiter, im Landkreis Altötting, würde das Wasser wieder ins Flussbett eintreten.

Nach diesem Gutachten des weltweit anerkannten österreichischen Gewässerkundlers schien alles klar für die Ableitung zum Inn. Die Chiemseegemeinden hatten ihre Rechnung damals aber ohne den Innenstaatssekretär aus Rosenheim gemacht. In dessen Ministerium wurde das Pechlanergutachten »geprüft«. Das heißt, es lag dort viele Wochen mit dem offensichtlichen Ziel, den Fortgang des Verfahrens verzögern zu können.

Wie eine Bombe platze da eine Entscheidung des Ferienausschusses des Rosenheimer Stadtrates, das Gutachten nicht anerkennen und andere Lösungen fordern zu wollen.

Eilig wurde daraufhin eine Sitzung des Abwasserzweckverbandes Chiemsee einberufen. Am 28. August 1982 traf man sich in Seebruck zu einer Krisensitzung, in der die Verbandsräte kritisierten, dass Rosenheim mit falschen Zahlen und Fakten argumentiere. 190 000 Mark kostete das Pechlanergutachten. Der damalige Chieminger Bürgermeister und Stellvertretende Vorsitzende des Abwasserzweckverbandes, Max Brunner, sagte in der Sitzung, man könne davon ausgehen, dass an den Ergebnissen des Gutachtens nicht mehr gerüttelt werde.

Die Geschichte hat den bekannten Ausgang genommen. Abschließender Höhepunkt war die Einweihung des Projektes am 24. November 1989. Das Sommertheater von 1982 beherrschte noch lange die Schlagzeilen, nahm aber ein gutes Ende. Die Obere Alz als eine der wenigen intakten naturnahen Flusslandschaften blieb verschont. Das zentrale Klärwerk für die Abwässer der See-Anliegergemeinden wurde nicht in Seebruck, sondern in der Stiederinger Au im Landkreis Rosenheim gebaut und das gereinigte Abwasser fließt seither in den Inn.

Zum Schluss noch ein Beleg, mit welch harten Bandagen damals gegen Staatssekretär Neubauer gekämpft wurde. Im Traunsteiner Wochenblatt stand: »Würde er seinen Hut nehmen oder in ein anderes Ministerium befördert werden, dann gäbe es grünes Licht für den Ringkanal, zeigte sich ein Mitglied des Abwasserzweckverbandes überzeugt. Worauf ein anderes Mitglied antwortete: Dann warten wir bis nach der Wahl, denn dann wird er vielleicht in ein anderes Ministerium befördert. Oder vielleicht in die Wüste, sprach ein Dritter seine Hoffnung aus... -K.O.-