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Von Traunstein nach Sibirien

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Die am südlichen Ende des Roten Platzes stehende Basilius-Kathedrale gilt als eines der Wahrzeichen der russischen Hauptstadt Moskau. (Fotos: Peter Ripke)
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Blick vom Tscherski-Felsen auf den Baikalsee und seinen Abfluss Angera.
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Der Sonderzug Zarengold: Ihm begegnete die Reisegruppe bei einer Wanderung entlang der Gleise der alten Baikal-Bahn.

Eine nicht alltägliche Reise erlebten die Teilnehmer der letzten Leserreise des Traunsteiner Tagblatts: Zehn Tage mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau über 5000 Kilometer zum Baikalsee standen auf dem Programm.


Nach der Landung auf dem neugebauten Flughafen in Moskau gab's zunächst eine Stadtrundfahrt zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt, wie Kreml, die Haupteinkaufsstraßen, die wieder aufgebaute Erlöser-Kathedrale, das Bolschoj-Theater, die Sperlingsberge mit der Universität und vieles mehr. Mit einer Wanderung über den Roten Platz bis zur Basilius-Kathedrale und einem Besuch im berühmtesten Kaufhaus Russlands, dem GUM, endeten die Besichtigungen und es ging ins Hotel. Am nächsten Tag besuchte die Gruppe den Kreml. Die goldenen Kuppeln der Kirchen mit dem tiefblauen Himmel waren ein Traum für jeden Fotografen. Weitere Besichtigungsziele waren die Maria-Himmelfahrts-Kathedrale, die Erzengel-Kathedrale und die Verkündigungs-Kathedrale, alle mit den berühmten Fresken-Malereien und den wertvollen Ikonen. Auch das Grab von Iwan dem Schrecklichen und anderen Zaren durfte nicht fehlen, ebenso die Zarenglocke. Die schönsten Metro-Stationen Moskaus waren der Abschluss des Aufenthalts, bevor sich die Gruppe von der Moskauer Reiseleiterin Swetlana verabschiedete.

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5000 Kilometer in vier Tagen und vier Nächten

Am frühen Nachmittag begann dann vom Jaroslawler Bahnhof die Reise auf der berühmtesten und zugleich längsten Eisenbahnstrecke der Welt (Moskau-Wladiwostock, 9288 Kilometer) gegen Osten. Hinter Moskau wurde die Gegend schon sehr einsam. Wälder, kleine Dörfer und die goldenen Kuppeln der Kirchen in den Kleinstädten waren die Abwechslung auf den ersten Hunderten von Kilometern genauso wie der Wolga-Fluss. Auf die Gruppe warteten 5000 Kilometer, der Zug fuhr vier Tage und vier Nächte. Der Komfort war besser als gedacht, und das Essen auf der langen Strecke (Vollpension) war abwechslungsreich und gut. Das russische Bier schmeckte genauso gut wie der unvermeidliche Wodka. Der Zug hielt während der langen Reise oft für 10 Minuten und manchmal auch für knapp eine Stunde. Bei den Pausen wurde auf den Bahnsteigen von örtlichen Händlern alles Mögliche, besonders Getränke, angeboten. Dass die Strecke der Eisenbahn eine der meist befahrenen Strecken der Welt ist, wurde an den vielen Bahnhöfen, den unendlichen Güterzügen und den Tausenden von Lokomotiven bald klar. Die Fahrt führte durch unendliche Landschaften und Wälder mit Millionen von Birken und einsamen Bauerndörfern. Die russische Reisebegleiterin Katja erklärte die wichtigsten Städte auf der Strecke. Unterwegs galt immer die Moskauer Zeit (MEZ plus zwei Stunden), aber der Zeitunterschied Moskau - Irkutsk beträgt fünf Stunden – rund alle 1000 Kilometer musste die Uhr eine Stunde vorgestellt werden.

Über Perm, der Stadt des Gulag, ging es nach Ekatarinenburg, am Rande des Urals. Hier wurde die Zarenfamilie erschossen. Der Bahnhof ist einer der schönsten auf der gesamten Strecke. Bei der Überquerung des Ural-Gebirges stellten die Reiseteilnehmer fest, dass die Erhebungen nur leichte Hügel sind. Mit der Erschließung der Bodenschätze und dem Bau der ersten Fabriken im 18. Jahrhundert begann hier der Aufschwung.

Jenseits des Urals beginnt das eigentliche Sibirien. Mit zwölf Millionen Quadratkilometern ist es wesentlich größer als der europäische Teil Russlands mit fünf Millionen Quadratkilometer. Erobert durch die Kosaken war Sibirien früher ein freies Land und kannte im Gegensatz zu Alt-Russland keine Leibeigenschaft. Erschlossen wurde dieses Gebiet durch die Transsibirische Eisenbahn. 1837 wurde die erste Eisenbahn in Russland in Betrieb genommen. Sibirien wurde erst unter den Zaren Alexander III. und Nikolaus II. angeschlossen.

Sibirische Familie tischte russische Spezialitäten auf

Über Omsk ging´s weiter zur sibirischen Metropole Novosibirsk und nach Krasnojarsk. Je weiter östlich um so schöner wurde die Landschaft. Der Zug überquerte auch die großen Flüsse wie Irtysch, Ob und Jenissej. Dann erreichte die Gruppe endlich Irkutsk, für viele die schönste Stadt Sibiriens. Nach einer Rundfahrt ging es ins Hotel. Jeder war froh, sich endlich richtig duschen zu können. Nachmittags stand dann gleich ein Besuch bei einer sibirischen Familie an, wo es russische Spezialitäten zu probieren gab.

Natürlich gab es auch viel zu besichtigen: Die Holzhäuser und die eleganten Villen der Dekabristen, die im 19. Jahrhundert vom Zaren verbannt wurden, riesige Markthallen in Irkutsk, deren reichhaltiges Angebot die Reisegruppe überraschte. Die Sehenswürdigkeiten wurden dabei ebenso wie in den nächsten Tagen von der netten, russischen Reiseleiterin Katja, die in Irkutsk geboren wurde, äußert kompetent erklärt.

Am nächsten Morgen ging es von Irkutsk zum 65 Kilometer entfernten Baikalsee. Das schönste Freilichtmuseum mit den altsibirischen Bauten, Bauernhöfen, Rathaus, Kirchen und vielen anderen Holzbauten sowie die Jurten der Burijatischen Bauern, einer mongolischen Minderheit, sind sehr malerisch. Der größte Teil musste den ursprünglichen Siedlungsplatz wegen der Anlage der Staudämme verlassen.

Und dann der Höhepunkt im östlichen Sibirien – der sagenumwobene Baikalsee, das größte Süßwasserreservoir der Erde. 25 Millionen Jahre alt, hat er eine Fläche von 31 500 Quadratkilometern, eine maximale Tiefe von 1637 Metern, ist 636 Kilometer lang und zwischen 27 und 80 Kilometer breit. Listwjanka, ist der berühmteste und meistbesuchteste Ort am See. Hier war die Gruppe für zwei Übernachtungen in einem Hotel untergebracht, das komplett aus Holz im russischen Stil errichtet wurde. Es gab viel zu besichtigen, unter anderem den Fischmarkt und die Nikolaus-Kirche sowie das hochinteressante Baikal-Museum. Mit modernster Technik, Riesenbildschirmen, Aquarien, wird hier das Leben der Tiere und der Pflanzen dargestellt. Auch eine »Tauchfahrt« in einem U-Boot bis zum Meeres-Grund konnte man erleben. Per Schiff gelangte die Reisegruppe zur alten Baikal-Bahn und unternahm eine Wanderung auf bzw. an den Bahngleisen – und kam so unverhofft zu einer Begegnung mit dem Sonderzug Zarengold. Picknik (Schaschlik) mit Folklore gab es auf einem Platz oberhalb des Sees. Dass hier wie bei fast allen Essen der Wodka nicht fehlen darf, ist klar.

Mit dem Schnellboot über den Baikalsee

Am vorletzten Tag stand eine Schifffahrt bis zum sibirischen Dorf Koty auf dem Programm. Nur noch 37 Einwohner, davon ein Teil bei einer Forschungsstation beschäftigt, hat der Ort. Bei einer ausgiebigen Wanderung ging es am Steilufer durch die Wälder. Mittags war die Gruppe bei einer Familie zu Gast. Und gegen Abend ging es mit einem Schnellboot (Raketa) über den Baikalsee und seinen gewaltigen Abfluss Angera und zurück nach Irkutsk. Mit einem Abschlussessen klang unser Sibirien-Aufenthalt aus.

Am frühen Morgen startete die Gruppe mit dem Flugzeug zunächst nach Moskau und anschließend nach München. Die Reiseteilnehmer waren sich einig – die Reise war perfekt organisiert, die Verpflegung und die Gastfreundschaft in den russischen Familien sehr gut, und die Erwartungen wurden weit übertroffen. Das riesige Russland mit Sibirien und dem Baikalsee ist auf jeden Fall eine Reise wert.

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