weather-image
30°

Von Power und Ästhetik der Hunde fasziniert

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Etliche Musher gingen mit sportlichen Ehrgeiz an die Sache heran, wie dieser Starter, der mit vollem Körpereinsatz für mehr Aerodynamik sorgt. Weitere Bilder gibt es auf unserer Internetseite unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos. (Fotos: Mergenthal)
Bildtext einblenden
Die Vachendorferin Astrid Mack trat im blauen Dirndl zum Skijöring, dem Rennen auf Skiern, an.

Inzell. Mit aller Kraft müssen die laufgierigen, sibirischen Huskies mit ihren himmelblauen Augen und die skandinavischen Hounds mit ihren Hängeohren am Start zurückgehalten werden. Ungeduldig bellen sie, springen mit den Vorderläufen in die Luft und zerren an ihren Leinen. Amüsiert beobachteten am Wochenende wieder Jung und Alt, wie die Schlittenhundegespanne beim Startsignal davonpreschten, sobald sie der helfende »Doghandler« loslässt.


Szenen wie diese und die Faszination dieses Natursports vor traumhafter Winterkulisse lockten am Wochenende insgesamt über 2500 zahlende Zuschauer nach Inzell. 120 Gespanne aus sieben Nationen trugen die Bayerische Meisterschaft im Sprint und der Mitteldistanz aus.

Anzeige

Dass Musher hart im Nehmen sind, bestätigte der Inzeller Wolfgang Fehringer: Der Chef-Organisator fuhr mit Schiene die Mitteldistanz bis zum Frillensee, nachdem er sich vor vier Wochen am Fuß ein Band gerissen hatte. Das habe ihn jedoch beeinträchtigt, beteuerte er. Doch seine fünf Huskies hatten diesmal nicht allzu viel Lust, obwohl sie beim Training ganz gut gewesen waren: Diese tierische Unberechenbarkeit macht diesen Sport auch irgendwie so sympathisch. Das Rennen verlief ohne große Zwischenfälle, auch dank der Präsenz von Bergwacht, BRK, Feuerwehr, Streckenposten und vielen anderen Helfern. Probleme machte allein eine neue Zeitnahme-Software.

Mit den Kindern und den Zaungästen entlang der Strecke dürften es am Wochenende über 4000 Gäste gewesen sein. Viele gingen ein Stück des Trails mit, vor allem entlang der stark frequentierten Sprint-Runde über die Außerland-Loipe, die alle Gespanne passieren mussten. Fotografen legten sich bäuchlings auf die Piste und sprangen im letzten Moment zur Seite.

Die dreijährige Adele aus Trostberg hielt dagegen lieber Sicherheitsabstand von den wild wirkenden Hunden. »Es hat eine Weile gedauert, bis wir sie überzeugt haben, dass ihr die Hunde nichts tun«, erklärte Annette Maaßen, die mit Adele, Mann Ralf und Baby Theo zum ersten Mal in Inzell war. »Superschön, dieses weite Tal«, schwärmte sie.

»Ich finde es bewundernswert«, staunte Renate Michaelis aus Inzell über die Körperbeherrschung und die Kondition der Musher, die auf ihren Kufen das Gleichgewicht halten, die Gespanne dirigieren und bei Anstiegen nebenher laufen müssen. Michaelis Traum wäre, diesen Sport in ihrem kurz bevorstehenden Ruhestand einmal auszuprobieren oder eine Schlittenhundereise zu unternehmen.

»Das ist viel Heckmeck und viel Trubel, aber schön«, befand die Mühldorferin Petra Wiethe. Mit ihrem Mann Max ist die frischgebackene Wintercamperin jedes Wochenende hier. Ihr gefällt auch das internationale Flair des Rennens. Der Lenggrieser Flori Filgertshofer, von Power und Ästhetik der Hunde fasziniert, hat sich einen optimalen Beobachtungsplatz oberhalb des Hundelagers gesucht, wo der Trail in nur wenigen Metern Entfernung vorbei führt. »Die Viecher sind schlauer als die Menschen«, stellte er fest: Ganz oft, wenn die Musher »Go home« riefen, schwenkten die Hunde auf die »Direttissima« ins Hundelager ab und wollten sich die Schleife über den Zieleinlauf sparen.

Diesen Umstand nutzte Sabine Klein mit zwei Angerer Grönlandhunden, dem erfahrenen Digger und der jungen Ragna, die wie ihr Trainingspartner Bernd Kirstein für den SC Weißbach startete, für zahlreiche Überholmanöver. »Der Digger ist so ein braver Hund, der geht so schön vorbei«, lobte sie ihn hinterher. Ihr Baby Tobias, das auf einem Rennen zur Welt kam und als erstes Wort »Wauwau« sagte, betreute derweil ihre Mutter Anni Lang aus Piding. Mit dem Gespann holte sie heuer bereits den österreichischen Meistertitel in der Klasse D2. In Inzell wurde Sabine Klein Klassenvierte.

Trotz allen Ehrgeizes kam der Spaß nicht zu kurz: Astrid Mack aus Vachendorf gönnte ihrer betagten Alaskan-Husky-Hündin Beppa (10), die mit ihrem Vorbesitzer oft den harten Alpentrail gelaufen war, ein schönes Abschieds-Skijöring in der gemütlichen Klasse »Happy Dog«. Und Astrid Mack lief zu diesem Anlass sogar im blauen Dirndl mit. Für sie zog Sprecher Rainer Müller am Samstag extra eine Lederhose an. vm