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Von niedlichen Engerln bis zur untreuen Försterstochter

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Engerl basteln im ersten Sketch im Himmel an den Weihnachtsgeschenken. Diese soll heuer aber der Osterhase bringen, der als Nikolaus verkleidet wird. Der Heilige liegt nämlich, wie es hieß, mit gebrochenem Bein darnieder. (Foto: Eder)

Waging am See. Der Ottinger Theaternachwuchs sorgte mit seinen vier lustigen Sketchen für einen netten Theaterabend, an dem die Besucher beim Ottinger Oberwirt ihren höchsten Spaß hatten: Beim Versuch, aus dem Osterhasen einen Nikolaus zu machen, beim boshaft-realistischen Nikolausbesuch in einer Familie, bei einer Gruselfreizeit für Jugendliche mit massenhaft auftretenden Leichen und ganz und gar nicht zuletzt bei einer tragikomischen Parodie auf ein Liebesdrama im Jäger-Förster-Wald-Milieu, das, in schwülstiger Reimform vorgetragen, ein echter Knaller war.


Nicht einmal mehr zu einer Generalprobe hatte es gereicht, verriet der Ottinger Theaterchef Sepp Thaler vor den Aufführungen. Die Kinder und Jugendlichen haben heutzutage einfach keine Zeit mehr. Aber das tat ihrem Spiel bei den vier Sketchen keinen Abbruch: Alle 35 waren mit Eifer, Freude und Geschick bei der Sache.

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Gleich eine große Gruppe der jungen Schauspieler war beim ersten Sketch mit von der Partie. Die meisten von ihnen waren niedliche, kleine Engerl, die im – ganz weißen – Himmel fleißig Weihnachtsgeschenke bastelten. Und weil angeblich der Nikolaus mit einem gebrochenen Bein darnieder lag, musste Ersatz gefunden werden. Als solcher wurde, weil sich Christkind und St. Petrus strikt weigerten, der Osterhase ausersehen, der flugs zum Nikolaus umdekoriert wurde, die langen Ohren geschickt unter der Bischofsmütze versteckt. Letztlich aber musste sich der arme Osterhase doch nicht noch mehr auslachen lassen als es eh schon der Fall war, wenn er mit langer Kutte über die Bühne hoppelte – es fand sich doch noch ein Happy End: Die Kinder auf Erden müssen nicht auf ihren Nikolaus verzichten.

»Die ganze Wahrheit über den Nikolaus« hatte Sepp Thaler für den zweiten Sketch aus dem Fundus von Herbert und Schnipsi angekündigt, wenn der Nikolaus nicht vom Himmel, sondern vom Studentenwerk kommt, schon mal zu spät, und deckt sich sein Auftritt so gar nicht mit den Vorstellungen der – etwas merkwürdigen – Eltern. Hier gab’s kein Happy-End, nichtmal Geschenke, das Kind blieb weinend zurück, der »Nikolaus« wurde ohne Entlohnung rausgeschmissen. Schließlich konnte er nicht mal singen, die schriftlichen Mahnungen der Mutter an ihr Kind konnte er kaum entziffern und einen Sack mit Geschenken hatte er auch nicht dabei. Von daher wäre es sicherlich gut gewesen, wenn die kleineren Kinder unter den Besuchern, wie von Sepp Thaler empfohlen, da etwas weggehört hätten. »Ihr dürft weiter noch an den Nikolaus glauben«, beruhigte er die jüngsten Zuschauer.

Die »zehn kleinen Negerlein« – eine Gruppe von Schülern auf einer Gruselfreizeit – wurden von einem unbekannten Schützen rasch dezimiert. Die Toten wanderten dann aber als Gespenster durch die Szene. Und in ihrer Verzweiflung nahm der Häuflein der Verbliebenen zu einem rechnerischen Trick – aus den zehn kleinen Negerlein wurden plötzlich elf – Zuflucht, und damit hörte der Spuk auf.

Schließlich wurden die Zuschauer in eine Waldes-Idylle entführt und durften erleben, »was der Liebe heiße Glut in dem dunklen Walde« tut. Was sich da tat, entlockte den Besuchern ein entrüstetes Raunen, trieb es doch die untreue Försterstochter sowohl mit dem Wilddieb wie auch dem Gastwirtssohn. Da ist es nicht weiter verwunderlich, wenn letztlich auch hier die Sterberate unter den Mitwirkenden relativ hoch ist. Der Schmerz der Zuschauer hielt sich in Grenzen, die Gaudi an den gereimten Texten und dementsprechend übertriebene Mienenspiel der jungen Schauspieler überwog bei Weitem. Eine echte Gaudi, so richtig zum Lachen.

Die Macher des Ottinger Jugendtheaters hatten bei der Auswahl ihrer Stücke ganz offenbar selber so richtig Spaß gehabt, solch ungewöhnliche, boshafte und sarkastische Stücke herauszusuchen. Und die Regisseurinnen Margit Thaller, Gina Maierhofer, Rosi Seehuber, Bettina Seehuber und Birgit Bleibinger hatten diese mit ihren Kindern so richtig schön eingeübt. So hat der Theaterverein Otting kurz nach seinem »großen« Theater nun auch mit den »Kleinen« einen tollen Erfolg gelandet. Um das Theater in Otting braucht einem nicht bange zu sein. he