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Von Futterkosten über Tierarztkosten bis zum Stallbau

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Die eineinhalb Jahre alte serbische Herdenschutzhündin Sari wurde viel zu früh von ihrer Mutter getrennt und leidet deshalb unter Mangelerscheinungen im Knochenbau. Würde er nicht an der Hüfte operiert, müsste der lebensfrohe junge Hund eingeschläfert werden. Deshalb hofft der Gnadenhof Chiemgau um möglichst viele finanzielle Unterstützer. (Foto: Gnadenhof)

Nußdorf –Wie in jedem Jahr verkauft das Team des Gnadenhofs Sondermoning Adventskränze und -gestecke, um etwas Geld für den Unterhalt der Tiere zu erwirtschaften. Denn der kostet den Verein jedes Jahr um die 180 000 Euro. Dabei erhält der Gnadenhof im Gegensatz zu anderen Tierschutzorganisationen nicht einen Cent Zuschuss von der öffentlichen Hand, leistet aber an den Stellen Tierschutz, an denen andere die Möglichkeit gar nicht dazu haben. Zum Beispiel kümmert sich das Gnadenhof-Team auch um Großtiere wie etwa Pferde und Esel oder einzelne Nutztiere wie Ziegen, Schafe, Enten und Gänse.


23 Pferde, sieben Ponys, zwei Esel, drei Rehe, zehn Ziegen, zehn Schafe, zwei Steinmarder, 21 Hasen, vier Meerschweinchen, fünf Rinder und ein Kalb, zwei Hängebauchschweine, 30 Hühner, vier Enten, zwei Gänse, 25 Katzen und fünf Hunde – die Liste der Tiere, um die sich das Gnadenhof-Team kümmert, ist schier endlos.

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»Nutztiere dienen dem Menschen ein Leben lang«

Das Engagement für Nutztiere erklärt Christine Kurz so: »Eine Henne legt ein Leben lang Eier, eine Kuh gibt ein Leben lang Milch, die arbeiten ihr ganzes Leben lang für den Menschen, und dann werden's einfach weggeschmissen.« Selbst Pferde werden einfach aussortiert, nachdem sie jahrelang Kindern das Reiten beigebracht haben, so wie etwa Flicka oder Nathan. Bonanza wurde dem Gnadenhof von einem Veterinäramt ans Herz gelegt. Sie war im Dreck gestanden, brauchte dringend den Pferdezahnarzt. Eine Tierklinik befand, die 15-jährige Stute sollte einen anderen Platz bekommen oder eingeschläfert werden.

Natürlich sei ihr bewusst, dass man nicht alle Tiere retten kann, doch diejenigen, die der Gnadenhof unter seine Fittiche nimmt, haben das große Los gezogen und dürfen bleiben, solange sie ein würdevolles Leben genießen können. Denn anders, als viele Leute denken, lässt man auch am Gnadenhof die Tiere nicht leiden – ist die Zeit gekommen, werden sie vom Tierarzt eingeschläfert.

Aber genau diese Dinge kosten Geld. So ist bei den Ausgaben der dickste Brocken das Futter mit über 36 000 Euro, fast 32 000 Euro sind Tierarztkosten. Weitere Kostenpunkte sind Stallmieten und Pacht mit zusammen rund 34 000 Euro, Kosten für Lohn und Gehalt von knapp 30 000 Euro für drei Mitarbeiter (darin enthalten ist die landwirtschaftliche Kraft, die sich um die Maschinen kümmert), Kosten für Einstreu, Beschaffungskosten, Frachtkosten, Weidezaunerneuerung, Hufschmied, Maschinenkosten, Strom, Wasser, Telefon, Versicherungen und letzten Endes auch die Veranstaltungen.

»Wir wurschtln uns jedes Jahr so durch«

Auf der Einnahmenseite sind der dickste Brocken die Spenden mit rund 97 500 Euro, gefolgt von den Mitgliedsbeiträgen mit 11 600 Euro und zugewiesenen Verfahrensstrafen von 9500 Euro. Unterm Strich bleibt dem Gnadenhof jedes Jahr ein Minus im vierstelligen Bereich – 2015 waren es 1726,50 Euro. »Wir wurschtln uns halt so durch«, sagt Christine Kurz, eine von zehn ehrenamtlichen Helferinnen, die zum festen Stamm gehören.

Aktuell spart der Verein auf eine neue Hüfte für die eineinhalb Jahre alte Sarplaninac-Hündin Sari. Sie kam aus Serbien zum Gnadenhof. Ihre Knochen sind beschädigt, weil sie viel zu früh von der Mutter getrennt wurde und Mangelerscheinungen hat. Sie gehört zu den Tieren, die nicht mehr abgegeben werden können, »denn diese Herdenschutzhunde brauchen die Arbeit. Da reicht ein großer Garten und eine liebe Familie nicht. Grundsätzlich vermitteln wir Tiere schon, aber mit Maß und Ziel. Da muss die Haltung schon wirklich passen«, erklärt Kurz.

Auch der Offenstall muss erneuert werden. Nicht nur die Hütte selbst kostet Geld, auch die notwendige Änderung der Bauleitplanung kostet mehr Geld, als der Verein hat. Dabei geht es offenbar nur um ein kleines Eck des Grundstücks. »Für die Hütte selbst hätten wir sogar einen Sponsor«, sagt Kurz.

Adventskranzverkauf mit etlichen Prominenten

Wer den Verein unterstützen möchte, hat dazu gleich mehrere Möglichkeiten. Zum einen ist tätige Hilfe grundsätzlich immer willkommen, sollte sich dann aber nicht aufs »Viecherl streicheln und füttern« beschränken. Wer anpacken will, sollte sich auch vor schwererer Arbeit nicht scheuen, etwa ausmisten oder schwere Wassereimer in den Offenstall bringen. Zum anderen ist finanzielle Hilfe immer hochwillkommen. Dazu gibt es die Möglichkeit, dem Verein beizutreten oder eine Patenschaft für ein bestimmtes Tier zu übernehmen.

Oder man besucht eine der vielen Veranstaltungen wie etwa den Adventskranzverkauf am Wochenende. Am Samstag und Sonntag jeweils ab 13.30 Uhr kann man im Gnadenhof nicht nur Adventskränze kaufen, sondern am Sonntag auch mit prominenten Gästen ins Gespräch kommen und Autogramme erhalten. Um 14 Uhr segnet Pater Gabriel die Adventskränze.

Außerdem haben ihr Kommen zugesagt der österreichische Schauspieler August Schmölzer, Schlagersängerin Claudia Jung, Schauspielerin und Sängerin Cornelia Corba, Schauspielerin und Buchautorin Cleo Kretschmer, aus der Serie »Sturm der Liebe« Florian Stadler, Louisa von Spies und Jeanne Michele Wacker, aus der »Soko München« Joscha Kiefer, Michel Guillaume, Florian Odendahl, Amanda da Gloria, Bianca Hein und Sina Reiß sowie Marcus Brandl aus »Die Bergretter«. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 08669/78 258. coho

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