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Von Diktatoren und anonymen Drahtziehern

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Mit Matthias Tengler (von links), Bernadette Gruber, Laura Erdelyi und Andrea Krüger agieren in dem Stück vier heimliche Drahtzieher, die dem Volk einen Diktator präsentieren, der in Wirklichkeit eine von ihnen gelenkte Marionette ist. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Wenn Diktatoren zu Marionetten werden und von anonymen Drahtziehern jederzeit ausgetauscht werden können, dann findet sich der Besucher mitten in der »Schule der Diktatoren« wieder. Ein 1956 entstandenes Stück von Erich Kästner, das sich kritisch mit Diktaturen auseinandersetzt.


Mit diesem Stoff beschäftigte sich in den vergangenen eineinhalb Jahren das P-Seminar »Theater« am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein. Nach umfangreichen Vorbereitungen, die vom Aussuchen und Bearbeiten des Stücks bis hin zum Plakatdruck gingen, konnten am Donnerstag und am gestrigen Freitag die ersten beiden Aufführungen gefeiert werden.

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22 Theaterspieler und Musiker waren unter der Leitung von Studienrätin Konstanze Schuch an dem Stück beteiligt, im Hintergrund wirkten viele Schüler in einem Technikteam an der perfekt inszenierten Aufführung mit. Am heutigen Samstagabend ist das Stück noch einmal zu sehen.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema in der damaligen Zeit nannte Schulleiter Klaus Kiesl bei seiner Begrüßung »beachtlich«. War die Komödie doch auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen Kästners während der nationalsozialistischen Diktatur entstanden.

Ein Professor konzipiert und leitet eine »Schule der Diktatoren«, in der mehrere von ihm vorbereitete und geschulte Staatschefs bereitgehalten und gedrillt werden – immer einsatzbereit, falls ein Präsident einem Attentat zum Opfer fällt oder von anonymen Drahtziehern ausgetauscht werden muss, wie es gleich zu Beginn des Stücks im CHG geschickt von den Jugendlichen dargestellt wurde.

Die Rechnung geht so lange auf, bis »der Siebte«, der Tribun, aus der Reihe tanzt, einen Putsch plant und die Demokratie bringen will. Ob sein Plan misslingt, können Interessierte heute Abend um 19 Uhr im Chiemgau-Gymnasium bei der dritten und letzten Aufführung des Stückes sehen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. awi