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Mit einem Oktoberfest feierte das Heilpädagogische Zentrum in Ruhpolding seinen 40. Geburtstag

Von der Lungenheilanstalt zur St.-Valentinsschule

Ruhpolding – Mit einem Oktoberfest mit vielen Ehrengästen, Schülern, Eltern und Mitarbeitern feierte das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) seinen 40. Geburtstag. 1977 war in der ehemaligen Lungenheilanstalt für Kinder eine Sondervolksschule und ein Tagesheim eingerichtet und im Laufe der Jahre zum heutigen HPZ St. Valentin ausgebaut worden.

Das eigens für den 40. Geburtstag geschriebene Lied »Im HPZ sind wir zu Haus« sangen die Kinder der schulvorbereitenden Einrichtung mit Begeisterung zur Unterhaltung der Gäste. (Foto: Giesen)

Das HPZ, dessen Träger seit 2011 das Behandlungszentrum in Aschau ist, sichert die Beschulung und heilpädagogische Betreuung von derzeit rund 100 geistig oder mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen vor allem aus dem südlichen Landkreis Traunstein. Zudem besuchen 43 Kinder die heilpädagogische Tagesstätte, 21 Kinder sind vollstationär rund ums Jahr im heilpädagogischen Wohnheim. Dazu gibt es die Kinderkrippe und den Kindergarten Spatzennest als vorschulische Betreuung.

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Erste Anfänge schon 1918

Beim Festakt stellte Geschäftsführer Elmar Kuhn fest, dass es sich eigentlich um den 99. Geburtstag handelt, denn 1918 hatte die Gemeinde Ruhpolding der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) ein Kinderheim zur Verfügung gestellt, das sie von einer ortsansässigen Stifterin bekommen hatte. Auflage der Schenkung war, dass die Einrichtung als »Kinderbewahranstalt« für den einheimischen Nachwuchs erhalten werden müsse. Noch 1918 betraute die KJF zehn Schwestern vom Orden des Heiligen Kreuzes mit der Leitung des Heims. Im Laufe der Jahre wurde das Haus zur modernen Tuberkulose-Heilstätte ausgebaut, bis in den 1970er Jahren der neue Schwerpunkt in der Behindertenarbeit gesetzt wurde.

Elmar Kuhn ehrte im Rahmen des Festakts auch langjährige, noch aktive Mitarbeiterinnen des HPZ mit einem Blumenstrauß. Am längsten dabei, nämlich seit 1953, ist Schwester Sebastiana, seit 1963 Schwester Agreda und seit 1978 Schwester Michaela von der Kongregation der Schwestern vom Heiligen Kreuz.

Ebenso geehrt wurden Gudrun Eck, Christa Christl, Angelika Pauli, Rita Schmid und Brigitte Beilhack. Einen Blumenstrauß zur offiziellen Einführung überreichte Elmar Kuhn auch an Heidi Reingruber, die seit einem halben Jahr die Leitung der Schule übernommen hat. Zuvor war sie im Sonderpädagogischen Förderzentrum in Bad Reichenhall tätig.

Ein Grußwort des erkrankten »Urvaters des HPZ«, Karl Heinz Basalyk, verlas der Leiter der Tagesstätte, Martin Dworschak. Basalyk war vor 40 Jahren erster Schulleiter des HPZ und blieb es fast drei Jahrzehnte lang. Als Schwerpunkte, die von Anfang an wichtig gewesen seien, benannte er das christliche Miteinander, Sport und kreatives Gestalten wie Theater und Musik. Wie auch von allen anderen Rednern betont wurde, habe sich eine fruchtbare Gemeinschaft, »eine große Familie« entwickelt, in der sich Kinder und Mitarbeiter, »sicher, geborgen und wohl fühlten«.

Dr. Ulrike Pfeifer, zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Fördervereins, dankte vor allem den Mitarbeitern, die sich mit Herzblut engagiert hätten, damit die jungen Menschen Achtung, Lebensmut und Zufriedenheit erreichen können. Im HPZ werde den Bewohnern kein Management nach ökonomischen Gesichtspunkten übergestülpt, sondern es werde auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen.

Martina Löschberger von der Regierung von Oberbayern zeigte auf, wie sich die Behindertenpädagogik in Bayern entwickelte, wobei schon der Wandel in den Bezeichnungen die Entwicklung verdeutlicht. Nach 1945 etablierte sich die »Hilfsschule« für Schüler mit Lernbehinderung zur Leistungsschule, wobei nur »Schwerschwachsinnige« nicht kommen durften. Erst 1960 hieß es in einem Gutachten der Kultusminister der Länder zur Ordnung des Sonderschulwesens, dass auch schwer behinderte Kinder, die nicht in Schulen oder heilpädagogischen Kindergärten gefördert werden können, »ein Anrecht darauf haben, als Menschen beachtet und behandelt zu werden«. Der Staat dürfe sich der Verpflichtung nicht entziehen, auch diesen Kindern gerecht zu werden. 1963 beschloss das Bayerische Kultusministerium die Errichtung von Hilfssonderklassen für geistig behinderte Kinder und nach der Bestätigung durch den Landtag gab es ab 1965 in Bayern die Schule für geistig Behinderte als eigene Sonderschulart neben der Schule für Lernbehinderte.

Enge Verbindung zur Achental-Realschule

Heute werde das Grundrecht auf Bildung durch das Schlagwort »Inklusion« markiert, so Löschberger. Diese neue Aufgabe werde in der St.-Valentinsschule über das Modell der Partnerklassen und Kooperationen aufgebaut. So besteht nun seit Jahren eine enge Verbindung zur Achental-Realschule in Marquartstein, die jährlich ein alternatives Sportfest durchführe oder gemeinsame Wandertage, bei denen die Schüler beider Schulen profitieren.

Weitere Grußworte sprachen die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber, Stefan Braun als stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender von der KJF und Günther Mayer als kommissarischer Leiter der Behindertenhilfe Aschau. Der Festakt wurde von den Vorschulkindern mit dem eigens für den Geburtstag geschriebenen HPZ-Lied »Hier sind wir zu Haus« und der Schulband umrahmt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Freien unter musikalischer Begleitung der Trachtenkapelle der Rauschberger-Zell kamen auch die Kinder mit Spielen und Bewegung voll auf ihre Kosten. Erzieher Stefan Maier hatte einen bunten Nachmittag organisiert. Es gab eine Fotoshow zu 40 Jahren HPZ, mehrere Spielestationen in der Turnhalle, Tischfußball und Kegeln oder Maßkrug-Angeln und Brezen-Hakeln. Die Erwachsenen konnten sich bei Führungen durch das Haus informieren und beim Besuch von Unterrichtsstunden Einblicke in die pädagogische Arbeit gewinnen. gi