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Von der kleinsten Bibel bis zur Gutenbergpresse

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Reinhard Lorenz zeigte Nachbildungen der in Qumran gefundenen Schriftrollen. (Foto: T. Eder)

Grassau – Das meist gelesene, meist übersetzte und in der größten Auflage gedruckte Buch der Welt ist die Bibel.


Dem Buch der Bücher wird derzeit eine imposante Ausstellung im Grassauer Hefterstadel gewidmet. Zu entdecken gibt es neben der kleinsten Bibel der Welt auch Schriftrollen, eine Bibel auf Palmblättern und vieles mehr. Bis zum 21. Mai ist die Ausstellung täglich von 8 bis 20  Uhr und am Sonntag von 13 bis 20 Uhr geöffnet.

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Organisiert wurde die Ausstellung von der christlichen Gemeinde, federführend von Martin Peth. Zehn von 100 »gefühlten« Gründen, die Ausstellung in Grassau zu zeigen, nannte Peth. Zum einen gehe es im Lutherjahr um die Bibel. Was wäre Martin Luther, wenn er nicht die Bibel übersetzt und so das Verständnis im Volk gewonnen hätte. Auch prägt der Inhalt das Land, so Peth, oder wie könnten sonst in den Dörfern und Städten die Kirchtürme oder die Kreuze auf den Bergen ohne Bibel erklärt werden. Des Weiteren gab die deutsche Bibel dem Land eine einheitliche Sprache, eine gute ethische Prägung, ausreichend und trostvolle Antworten, ist Kitt der Gesellschaft und habe geholfen, sich gegen religiöse und ideologische Bevormundung zu befreien. »Wer die Bibel zur Hand nimmt, sie ernsthaft liest und sich danach ausrichtet, wird in allen Kulturen ein Segen für die Menschen sein«, sagte Peth.

Bürgermeister Rudi Jantke freute sich über die Ausstellung und hoffte, dass alle Besucher neue Erkenntnisse aus den alten Weisheiten gewinnen mögen. Leider werde die Bibel auch missbraucht, wie US-Präsident Donald Trump zeige. Dieser habe seinen Amtseid gleich auf zwei Bibeln geschworen und verhalte sich aber nicht christlich. »Wenn sich alle Menschen an die Zehn Gebote halten würden, gäbe es keine Probleme in der Welt«, betonte Jantke.

Eindrucksvoll führte Reinhard Lorenz mit unglaublichem Wissen durch die Ausstellung, erklärte, dass Bibel übersetzt Buch heiße, und die Bibel zwei Milliarden Male gedruckt wurde und auch das meist übersetzte Buch der Welt ist. Damit steht die Bibel gleich mehrfach im »Guinnessbuch der Rekorde«.

Lorenz zeigte unter anderem eine durchschossene Bibel, die seinem Besitzer das Leben rettete, und auch eine Bibel, die in Romanform geschrieben ist. Zum Nachweis der Überlieferung diente auch der Fund in der Höhle von Oumran im Jahr 1947, als ein junger Ziegenhirte Tonkrüge mit alten Schriftrollen gefunden hatte. Diese enthielten 4500 Handschriften aus dem Neuen Testament und lagen eindeutig länger als 2000 Jahre in der Höhle. In diesen Schriftrollen stehe viel über die Geburt, das Leben und Sterben von Jesus. Dies zeige, dass die Bibel nicht nur gut überliefert ist, sondern zudem die Prophezeiungen eingetreten sind.

Lorenz zeigte weitere Schriftrollen, wie den »Codex Sinaiticus«, auf dessen Blätter sich Teile des Alten und das vollständige Neue Testament befinden. Den Durchbruch schaffte die Bibel mit dem Buchdruck – hier wird in der Ausstellung explizit auf Luther und Gutenberg hingewiesen. Als besonderer Höhepunkt ist bei der Ausstellung ein Nachbau einer Gutenbergpresse zu sehen. Auf dieser dürfen die Besucher ihren eigenen Druck fertigen.

Doch die Ausstellung bietet noch viel mehr. Gezeigt wird ein Blockbuch mit den Zehn Geboten, die dort malerisch dargestellt werden. Auch sehr alte, großformatige Bibelausgaben können betrachtet werden. Kuriose Bibeln gibt es ebenfalls, wie die russische Schmugglerbibel im Wasserglas. Diese kleine Bibel wurde an Schiffen befestigt, geschmuggelt und kann im Wasser, das die Schrift vergrößert, gelesen werden. Auch eine Bibel aus Burma, geschrieben auf Palmblätter, ist wie eine Bibel in einer Streichholzschachtel etwas Besonderes. Natürlich gibt es die Bibel auch als Hörbuch und auf Schallplatte. Als Abspielgerät dient hier eine aufstellbare Pappschachtel.

Während der Ausstellung wird außerdem die älteste Bibel aus der Region gesucht. Die drei Besitzer der ältesten Bibeln werden während des Gottesdienstes am 21. Mai bekannt gegeben und erhalten einen Preis. In Planung ist zudem ein Bibel-Vorlesemarathon über 24  Stunden. Wer möchte, kann sich daran beteiligen und sich in die Liste am Eingang der Ausstellung eintragen. tb