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Von der Heuernte bis zum Enziangraben

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Joseph Vilsmaier (rechts) dokumentierte bei Neukirchen die traditionelle Heuernte, vorgeführt vom Köhlerverein. (Foto: Mergenthal)

»Stopp!« – »Martin, a kloans bisserl warten, bis wir mit der Kamera vorn sind«, ruft Joseph Vilsmaier Martin Reitschuh und seinem Kaltblut in einem Wald bei Neukirchen zu. Ein Baumstamm wird zu einem Stapel gezogen. Mit den althergebrachten Kommandos der Holzarbeiter befördern ihn Reitschuh und Erich Prechtl an den richtigen Platz. Mit seinem Kamerateam drehte der berühmte bayerische Filmemacher Joseph Vilsmaier für seinen neuen Spielfilm »Bayern sagenhaft«.


Für den 90-minütigen Kino-Dokumentarfilm ist Vilsmaier in allen sieben Regierungsbezirken unterwegs. »Es ist eine Hommage an Bayern«, verrät er. Er dokumentiert dabei vor allem Brauchtum und bäuerliche Arbeiten im Laufe eines Jahres, vom Fasching über die Wein- und Hopfenernte bis zu Allerheiligen. Der Journalist und Autor Hannes Burger schreibt die Texte, »Haindling« liefert die Musik und Kabarettistin Monika Gruber spricht einige Sequenzen. Im Berchtesgadener Land koordinierte Karin Mergner von der BGL-Tourismus die Aufnahmen, die Franz Aicher in Neukirchen mit wichtigen Fachausdrücken und Kontakten unterstützte.

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»In Teisendorf hob i amoi an Onkel g'habt«, erzählt Vilsmaier am Rande der Dreharbeiten. Er erinnert sich noch gut, wie sein Vater mit ihm 1943/44, den Buben auf dem Gepäckträger und den Koffer an einem Haselnussstecken über dem Lenker, mit dem Radl von München nach Teisendorf fuhr. Der Name Teisendorf hatte für ihn immer einen heimeligen Klang. Über die Jahre hatte er vergessen, wo der Ort liegt. Er genoss es, nun in ein Paradies seiner Kindheit zurückzukehren.

Ende der 50er Jahre schaute er dann als Zehnjähriger bei Dreharbeiten am Hintersee zu. »Die Gegend hat's mir angetan«, schwärmt er. Mitte der 80er Jahre drehte er selbst im Berchtesgadener Land einen Werbefilm für die Olympiabewerbung 1992. Mit dem Team fuhr er damals mit einer Kutsche über den zugefrorenen Königssee. Bilder wie der Dampf aus den Nüstern der Pferde faszinierten Vilsmaier so, dass er einen kurzen Ausschnitt daraus auch in den neuen Film einbauen möchte.

Zurück zum Dreh in Neukirchen: Dort präsentiert der Köhlerverein Neukirchen das Holzrücken und die Heuernte. Die geschwungenen Linien des zusammengeschobenen Heus und der magische Lichteinfall begeistern den Filmemacher. Schnell steht fest, wo die Kamera von Rolf Greim stehen soll. Ingo Brenger, für den Ton zuständig, bittet die mit Kopfhörern bestückten Kollegen: »Schaut, ob ihr die Autobahn hört!« »Ein bisserl.« Für Vilsmaier kein Problem: Da wird später einfach das Wiehern der Pferde darüber gelegt.

Vor einem historischen Holzhaus im Weiler »Wald«, beim »Stoller«, zeigt Hans Enzinger dann das Dengeln seiner Sense. Vilsmaier lässt zuerst alle Blumen wegräumen, vor allem die mediterranen. »Die hot ma früher net g’habt.« Sonst schaue das aus wie ein Bauernhofmuseum. Möglichst authentisch soll es sein. Spontan entsteht die Idee, dass Enzingers Enkelin Barbara in einem alten Kittel vor dem Haus sitzt. Auf dem Dachboden findet das junge Mädchen ein dunkelblaues, kariertes, schlichtes bäuerliches Gewand. Der Regisseur ist einverstanden. »Ich würde sie aus dem Haus heraus kommen lassen und ihm etwas zu trinken bringen lassen«, schlägt der Kameramann vor. Gesagt, getan.

Für das Dokumentarfilmen, das ganz anders als das Drehen mit professionellen Schauspielern ist, hat Vilsmaier so richtig Feuer gefangen. »Das sind Menschen, die man einfach knuddeln möchte. Das erlebt man selten, dass die Leute so normal sind.« Er hat Freude daran, »wie die Leute mitmachen, sich alte Gewänder anziehen«.

In Bischofswiesen hat der 77-Jährige, der nun als Mitglied in die Bayerische Akademie der Schönen Künstler aufgenommen wurde, den Drechsler Franz Keilhofer und Alphornbläser Alois Biermaier getroffen. Und am Priesberg bei Berchtesgaden hat er mit dem Enzianbrenner Hubert Ilsanker alias »Hubsi« nach Enzianwurzeln gegraben. Im Winter war Vilsmaier bereits beim Berchtesgadener Advent und den Weihnachtsschützen, bei Lederhosenmacher Franz Stangassinger und bei der Wildfütterung in St. Bartholomä.

Der Kinostart ist im Dezember 2016 oder Januar 2017 geplant. vm