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Von der Entschleunigung des Alltags

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Der Surberger Martin Braxenthaler nimmt ab heute an der »Edelweiß-Classic« teil, einer Charity-Oldtimer-Rallye. Für ihn die ideale Kombination aus Fahrvergnügen und Wohltätigkeit.

Surberg – Sie sind alt, laut, fressen Unmengen Benzin und bieten wenig Komfort und noch weniger Fahrhilfen. Dennoch kann sich kaum jemand ihrem Zauber entziehen. Ab dem heutigen Freitag bis Sonntag rollen diese Raritäten mit allerhand Chrom wieder geballt durch den Chiemgau und das Berchtesgadener Land. Grund ist die Benefiz-Oldtimer-Rallye »Edelweiß-Classic«.


Einer der gut 90 Fahrer ist Martin Braxenthaler (45) – ein Teilnehmer der ersten Stunde. Seit 2004 ist er mit einer Ausnahme jedes Jahr bei der Wohltätigkeitsveranstaltung dabei. Denn alte Autos sind seine große Leidenschaft. »Mich hat schon immer alles fasziniert, was mit einem Motor gefahren ist«, sagt der Surberger. Als junger Kerl hat er eine Kfz-Lehre gemacht und schon damals war er stolzer Besitzer eines Käfers.

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Die »Generation Nachkriegsfahrzeuge« hat es ihm angetan. »Die Technik ist durchschaubar und nachvollziehbar, ohne Elektronik, und man kann das reparieren.« Das »Schrauben« sei aber nur ein Aspekt. Richtig ins Schwärmen gerät der 45-Jährige, wenn er das Fahrgefühl in einem seine Oldtimer beschreibt: »Das entschleunigt den Alltag – man macht das Fester auf, hört den Motor und nimmt die Umgebung ganz anders wahr.« Und zwar gerade, weil man nicht abgelenkt wird durch Fahrhilfen. »Da ist mehr Gefühl und Emotion dabei beim Autofahren.«

In seiner Werkstatt hat er inzwischen eine ganze Reihe alter Schätzchen angesammelt, darunter einen Mercedes 200 D »Heckflosse«, einen Porsche und einen wunderschönen, weinroten Ford Mustang. Und wann immer er Zeit findet, trifft er sich mit Freunden, um gemeinsam an den Autos zu schrauben. Er hat alle seine Fahrzeuge auf Handbedienung umgebaut. Denn seit einem Betriebsunfall im Jahr 1994 ist Martin Braxenthaler querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Für sein »öliges Hobby« kein Handicap.

Das Engagement für Menschen mit Behinderung ist dem 45-Jährigen ein Herzensanliegen. Umso besser passen die »Edelweiß-Classic« und ihr Motto »Der Traum vom Autofahren mit Herz« dazu. Drei Tage lang cruisen die Teilnehmer durch die wunderschöne Landschaft des Chiemgaus, Berchtesgadener und Salzburger Landes, fachsimpeln bei gemeinsamen Abenden über ihre Leidenschaft – Braxenthaler nennt das »Benzingespräche« – und tun dabei etwas Gutes.

Der gesamte Spendenerlös kommt nämlich regionalen Projekten für behinderte Menschen zugute, in erster Linie der Lebenshilfe Berchtesgadener Land. Knapp eine Million Euro wurden seit 2004 bereits gesammelt.

Ins Leben gerufen und bis heute organisiert wird die Charity-Rallye von dem Ainringer Joachim Althammer, der sich selbst nach einem Unfall 1993 mit    einem Leben    als Behinderter auseinandersetzen musste. ka

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