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Von Blasen bis zu Schnittverletzungen wird alles versorgt

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Mit ihrer mobilen Rolltrage sind Philipp Heidrich (links) und Valentin Watzka vom Erstversorgungsteam auf dem Festivalgelände unterwegs. (Fotos: Artes)
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Festivalbesucherin Dolores Hahn ist beim Tanzen umgeknickt. Jetzt wird der Fuß in der Unfallhilfestation gekühlt.

Übersee – Während auf dem Festivalgelände prominente Künstler auf der Bühne stehen und die Festivalbesucher ausgiebig feiern, sorgen die Ehrenamtlichen des Malteser-Hilfsdienstes im Hintergrund für die ärztliche Versorgung der Festivalbesucher. Angefangen von Blasen an den Füßen über Schnittverletzungen bis hin zu Krampfanfällen – wann immer die Feiernden Hilfe brauchen, sind die Malteser zur Stelle. Das Traunsteiner Tagblatt war einen Nachmittag mit den Helfern auf dem Gelände unterwegs.


Bereits im neunten Jahr in Folge sind die Malteser für den Sanitätsdienst während des Festivals zuständig. »Zum ersten Mal haben wir heuer eine feste Einsatzzentrale«, so Peter Volk, Dienststellenleiter der Kreisgeschäftsstelle Traunstein, der beim Festival auch als Pressesprecher tätig ist. Untergekommen ist diese in den Räumen des Musikvereins Übersee-Feldwies – und nicht wie in den Vorjahren in einem Zelt unmittelbar neben dem Festivalgelände. In der Einsatzzentrale ist unter anderem die Funkstation untergebracht. Dort gehen alle Einsätze ein, werden dokumentiert und es besteht immer eine Verbindung zu allen Sanitätern, erklärt Peter Volk.

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Bis zu 70 Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz

Zudem gibt es auf dem Festivalgelände eine Unfallhilfestelle, eine mobile Sanitätsstation und mehrere SOS-Stellen. Insgesamt sind während des Festivals über 200 Einsatzsanitäter aus der Erzdiözese München und Freising im Einsatz. Bis zu 70 Helfer sind rund um die Uhr in Zwölf-Stunden-Schichten an den einzelnen Stellen präsent, um im Notfall schnellstmöglich helfen zu können. Zusätzlich sind Erstversorgungsteams auf dem Konzertgelände und in der Zeltstadt unterwegs.

Zu einem dieser Teams gehören auch der 20-jährige Philipp Heidrich von der Malteser-Kreisgliederung Eichstätt und der 22 Jahre alte Valentin Watzka vom Malteser-Hilfsdienst Erding. Die beiden haben sich freiwillig gemeldet. »Niemand wird gezwungen«, betonen sie. Während Philipp bereits zum zweiten Mal in Übersee ist, ist die Arbeit auf dem Festivalgelände für Valentin etwas ganz Neues.

Aber den beiden macht ihre Arbeit sehr viel Spaß. »Es ist sehr abwechslungsreich und auch von den Bands sieht man sehr viel«, so Valentin. Großveranstaltungen sind zwar nichts Neues für ihn, denn er war heuer schon auf dem G7-Gipfel in Elmau, aber dort sei nicht allzu viel zu tun gewesen. »Da ist die Arbeit hier viel interessanter.« Auch Philipp findet die Einsätze spannend. Der 20-Jährige war schon auf vielen kleinen Veranstaltungen, zum Beispiel Vereins- oder Feuerwehrfesten, wo generell eher wenig zu tun sei. »Aber hier, bei großen Veranstaltungen, da sieht man dann, was alles passieren kann.« Damit meint er, dass die Malteser auch größere Notfälle, zum Beispiel wenn jemand einen Krampfanfall oder eine allergische Reaktion hat, versorgen müssen, auch wenn das nicht die primäre Aufgabe des Erstversorgungsteams ist. Sie sind nur ausgerüstet, um kleinere Behandlungen zu übernehmen, zum Beispiel Blasen oder Schnittwunden mit Pflaster zu versorgen.

Ein Bier für eine Fahrt auf der Rolltrage

Wenn die beiden mit ihrer Rolltrage über das Festivalgelände gehen, fallen sie natürlich auf. Und so kommt es schon das ein oder andere Mal vor, dass die beiden Helfer von den Besuchern gefragt werden, ob sie nicht eine Runde mitfahren könnten. »Einer hat mir dafür sogar schon einmal ein Bier angeboten«, erzählt Philipp lachend. Aber auf dieses Angebot ist er natürlich nicht eingegangen.

Kommt es doch einmal zu einer schlimmeren Verletzung, dann müssen die Patienten in die Unfallhilfestelle, die von Alexander Brandstaeter geleitet wird. Bevor die Patienten dort aber behandelt werden, müssen sie sich registrieren lassen. Dass dies durchaus Sinn macht, erklärt Peter Volk an einem Fall: »Am Donnerstagmittag wurde ein junger Festivalbesucher von seinen Freunden vermisst.« Niemand hatte ihn seit Mittwochabend mehr gesehen. Daraufhin fragte die Polizei bei den Maltesern nach, ob der junge Mann behandelt wurde und registriert ist. »Da kam dann heraus, dass er schon seit Mittwochabend im Krankenhaus ist.«

Wenn alle Daten aufgenommen sind, geht es weiter ins Behandlungszelt. Drei Behandlungsplätze stehen im Zelt zur Verfügung, dort können zum Beispiel Wunden genäht werden. Außerdem gibt es Liegen, auf denen die Besucher ihren Rausch ausschlafen können, so Alexander Brandstaeter. Auf einem der Behandlungsplätze sitzt gerade Festivalbesucherin Dolores Hahn aus München. Sie ist beim Tanzen umgeknickt, ihr rechter Fuß ist angeschwollen und wird gerade gekühlt. »Jetzt muss ich zum Röntgen ins Krankenhaus«, sagt sie etwas niedergeschlagen, denn gerne würde sie zusammen mit ihren Freunden weiterfeiern. So steht für sie erst einmal eine Zwangspause auf dem Programm.

185 Patienten in den ersten zwölf Stunden

Trotz kleinerer Einsätze sind die Malteser mit dem bisherigen Verlauf des Festivals sehr zufrieden. »Es ist sehr ruhig«, sagen Peter Volk und Alexander Brandstaeter übereinstimmend. »Die Leute, die zu uns kommen, sind auch meist chillig drauf«, so Volk. So können die Helfer gut ihren Dienst machen – und trotzdem die Stimmung auf dem Festival auch ein wenig genießen. jar