weather-image
24°

Vom globalen Wahnsinn nicht mitreißen lassen

4.0
4.0

Kirchanschöring – »Man hat sich vom globalen Wahnsinn mitreißen lassen. Die Bevölkerung muss verstehen, dass ihr Verhalten den Ausschlag gibt«, sagte Hans Praxenthaler bei der Auftaktveranstaltung zur Gründung der Rupertiwinkel Akademie im Pfarrheim Kirchanschöring. Die Akademie möchte das Bewusstsein für die Gesundheit von Menschen und Natur, für Nachhaltigkeit sowie Regionalität stärken. Dr. Bettina Burkart-Aicher hielt in diesem Rahmen einen Vortrag über die globale Entwicklung und ihre Folgen.


»Wir als Verbraucher haben die Chance, auch mit kleinen Dingen im Alltag, Einfluss zu nehmen« sagte Burkart-Aicher. Natürlich habe die Globalisierung auch viel Positives mit sich gebracht. Allerdings bringe der Gedanke des grenzenlosen Wachstums und »je größer desto besser« viele negative Aspekte mit sich. Momentan zeichne sich eine Entwicklung ab, bei der die Großen die Sieger und die kleinen Betriebe oder Bauern die Verlierer seien. »Wir können das Ruder nicht von einem Tag auf den anderen rumreißen« aber der erste Schritt sei, dass man umdenkt. Sich überlegt, was man für sich selbst ändern kann. Beispielsweise beim alltäglichen Einkaufsverhalten. Derzeit gebe es ein großes Sterben der kleinen Bäckereien. Was bei näherer Betrachtung nicht verwunderlich sei. Gehe der Verbraucher doch lieber spät abends zu den großen Discountern, die meist bis 20 Uhr geöffnet haben oder am Wochenende zur Tankstelle, statt zum kleinen Bäcker.

Anzeige

Die kleinen Betriebe sterben aus

Immer mehr Großunternehmen würden die kleinen Betriebe schlucken. In den letzten Jahren habe man eine weltweit große Fusions- und Übernahmewelle beobachten können. Beispielsweise habe es in den 50er Jahren rund 1900 Mühlen in Deutschland gegeben. 2009/2010 nur noch 270. Durch diese Entwicklung begebe man sich immer mehr in die Abhängigkeit der großen Konzerne. Burkart-Aicher: »Wir haben mittlerweile Lkw-Transportwege, dass einem schwindlig wird! Über 80 Prozent des Transportaufkommens sind Lkw-Transporte.« Durch die großflächige Vernetzung sei man bei Lebensmittellieferung auch nicht mehr auf Notfälle vorbereitet. Nach Fukushima sei in Japan der Fall eingetreten, dass die Regale der Märkte leer waren und man die Leute nicht mehr versorgen konnte. Es reiche aber auch schon ein Internetvirus, der die Logistik lahm legt »und wir haben keine Lebensmittel mehr im Markt«.

Die Verbraucher haben Macht

»Wir, die Verbraucher, haben eine unglaubliche Macht, die wir nicht unterschätzen dürfen«, betonte Burkart-Aicher. Allein wenn man beim Einkauf darauf achten würde, saisonale und oder regionale Produkte zu kaufen, wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. »Denn letztendlich sind wir die Vorläufer für die weitere Generation und wollen Gottes Schöpfung so übergeben, dass auch sie menschenwürdig darin leben können«.

»Wir wollen uns nicht abschotten aber wir wollen auch nicht politisch aktiv werden. Wir sind ein rein ehrenamtlicher Zusammenschluss« erklärte Christine Rehrl. Ziel der Akademie sei, das Bewusstsein für die Gesundheit von Menschen und Natur, die Nachhaltigkeit, die Regionalität und das faire Miteinander der Menschen zu stärken. Zur Verdeutlichung werde man Vorträge organisieren und Seminare zielgruppenorientiert veranstalten. Man verstehe sich auch als Gemeinschaft, um die bereits vorhandenen, guten Ansätze im Rupertiwinkel auf dieser Basis weiter bekannt zu machen. »Man muss mit anpacken! Man darf sich nicht hinsetzen und verzweifeln, dass man eh nichts in der Welt bewegen kann«, sagte Pfarrer Ludwig Westermeier.

»Uns geht's nicht ums Geld, man muss mit Herz dabei sein«, sagte Hans Praxenthaler, »die Akademie ist eine Plattform, wo sich jeder mit einbringen kann, der sich für die Themen interessiert.« Auch sei man offen für Vorschläge und Beiträge. Sei es in Form eines Vortrags, den die Akademie für    einen organisieren würde, oder als einfacher Besucher in den Seminaren und Vorträgen. kmz