Vom Foto zum Gemälde: Benedikt XVI. in Öl

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Auf den ersten Blick ist es gar nicht so leicht zu erkennen, welches der beiden Bilder gemalt und welches fotografiert ist. Das Porträt in der roten Mozetta hat der Münchner Porträtkünstler Wolfgang Karner geschaffen.
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Das Foto, das als Vorlage für das Ölporträt diente, hat Martin Miller aufgenommen, und zwar bei der Verleihung des Goldenen Ehrenrings des Landkreises Traunstein an Papst Benedikt XVI. am 31. Juli 2011 in Castel Gandolfo.

Traunstein – Ein Foto des emeritierten Papstes Benedikt XVI., das im Traunsteiner Tagblatt abgedruckt gewesen ist, begeisterte eine 88-jährige Leserin so sehr, dass sie das Bild als Ölgemälde verewigen ließ. Auch der Maler, Wolfgang Karner aus München, schwärmt vom »entspannten, bescheidenen und liebenswerten Gesichtsausdruck« des einstigen Kirchenoberhaupts auf der Aufnahme. In der Tat ist es verblüffend, wie schwierig Foto und Bild auseinanderzuhalten sind.


»Das übliche Bildmaterial von Benedikt reicht nicht annähernd an die positive Ausstrahlung Ihrer Aufnahme heran«, erklärt der Münchner Porträtmaler im Gespräch mit unserer Zeitung. Redaktionsleiter Martin Miller war die Aufnahme am 31. Juli 2011 in Castel Gandolfo gelungen. Damals bekam der Pontifex den Goldenen Ehrenring des Landkreises Traunstein verliehen. Eine über 250-köpfige Delegation reiste seinerzeit zusammen mit Landrat Hermann Steinmaßl nach Italien: Vertreter aus Kirche und Politik, Gebirgsschützen, Trachtler und Musikanten. »Beim Betrachten des Fotos scheint man förmlich zu spüren, dass der Papst sich in seiner heimatlichen Umgebung sehr wohl und besonders gut aufgenommen gefühlt hat«, findet der Maler.

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Der Münchner ist froh, für sein Werk eine Vorlage mit einer so positiven Ausstrahlung des Papstes gehabt zu haben. »Die sonst notwendig gewordenen Versuche, aus einem schlechteren Foto schmeichelhafte und überzeugende Ergänzungen zu kreieren, sind mir damit erspart geblieben.«

Die weiße Soutane vom Originalfoto ersetzte Wolfgang Karner gegen eine kardinalrote Mozetta und eine mit Goldfäden durchwirkte Stola – »ein Sonderwunsch meiner Auftraggeberin«, so der Künstler.

»Der rote Mantel hat mir optisch einfach besser gefallen«, erklärt die 88-Jährige. Obwohl sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, war sie bereit, mit unserer Redaktion zu sprechen. »Wenn wir schon einen deutschen Papst haben, dann wollte ich auch ein Bild von ihm«, sagt die Seniorin. »Benedikt und ich sind gleich alt. Ich habe alles von ihm mitbekommen und mich immer an seinem Leben orientiert«, erzählt sie.

Als sie Wolfgang Karner im Sommer den Auftrag erteilte, ein Gemälde ihrer Enkelkinder anzufertigen, da habe sie ihm auch das aus der Zeitung ausgeschnittene Bild von Papst Benedikt gezeigt und gefragt, ob er nach dieser Vorlage ein Gemälde anfertigen könne. Der Künstler bejahte die Frage – und bat beim Traunsteiner Tagblatt um das Originalfoto.

Bereits im Herbst lieferte Karner die beiden in Auftrag gegebenen Bilder bei der 88-Jährigen ab, aber erst zu Weihnachten überraschte sie ihre große Familie mit den beiden Werken. »Alle waren begeistert«, erzählt die Seniorin. Und sie ergänzt: »Mich freut das Bild einfach.«

Noch hat sie das Ölporträt von Papst Benedikt XVI. nicht aufgehängt. »Es sollte eigentlich in den Flur kommen«, erzählt die 88-Jährige. Dort hänge bereits ein Porzellanteller mit dem Konterfei von Papst Johannes Paul II.; ein Erinnerungsstück, das sie einst von einem Rombesuch mitgebracht hat. Doch das Gemälde von Benedikt XVI. ist zu groß, um dort noch Platz zu finden. Die Seniorin ist sich aber sicher, schon bald einen anderen Platz für das Bild zu finden. san

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