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Vom Erfolg überrascht gewesen

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Waltraud Tannerbauer, die Geschäftsführerin der Landesgartenschau 2014 in Deggendorf, berichtete im Sailer-Keller über ihre Erfahrungen und ermunterte die Traunsteiner: »Schauen Sie vorwärts, machen Sie Ihre Gartenschau.« (Foto: Wolf)

Traunstein – Über die Erfahrungen Deggendorfs mit der Landesgartenschau 2014 informierte Waltraud Tannerbauer bei einer Veranstaltung der Freunde der Landesgartenschau im Gasthaus Sailer-Keller. Tannerbauer war damals Geschäftsführerin der Landesgartenschau GmbH. Sie zog eine durchwegs positive Bilanz und erklärte auf entsprechende Nachfrage von Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff, dass sie nur empfehlen könne, eine Landesgartenschau durchzuführen.


»Am Schluss waren alle in einem Boot«, so Waltraud Tannerbauer. Für Deggendorf sei die Landesgartenschau bislang das größte Ereignis und die größte Investition gewesen – und habe dadurch nur gewonnen. Zu den Kosten, die naturgemäß am meisten interessieren, erklärte sie, dass für das Kerngelände der Landesgartenschau rund 7,6 Millionen Euro investiert wurden, durch Zuschüsse aus unterschiedlichen Töpfen habe man hier eine Förderung von etwa 70 Prozent bekommen.

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Stadtbaumaßnahmen in Angriff genommen

Darüber hinaus habe Deggendorf aus Anlass des Großereignisses weitere Städtebaumaßnahmen in der Größenordnung von etwa 25,5 Millionen Euro in Angriff genommen. Auch für diese Maßnahmen gab es Zuschüsse. Rechne man die Investitionen für die Landesgartenschau und für die Städtebaumaßnahmen zusammen, komme man auf eine Gesamtinvestitionssumme von rund 33 Millionen Euro mit einer Förderung von 50 Prozent.

Insgesamt, so Tannerbauer, sei die Stadt vom Erfolg der Gartenschau überrascht gewesen. Sie sprach von überfüllten Geländen und Anfahrtsstaus. Der Tagesbesucherrekord lag bei 14 800 Leuten. Insgesamt registrierte man 805 000 Besucher – kalkuliert hatte man mit 700 000. Die Übernachtungszahlen im Beispielmonat Juni 2014 seien um 32 Prozent gestiegen. 77 Prozent der Befragten einer Studie hatten angegeben, sie wären ohne die Gartenschau nicht nach Deggendorf gekommen, so die Referentin. Insgesamt habe es über 4000 Veranstaltungen im Rahmen der Gartenschau gegeben.

Deggendorf, so zeigte Tannerbauer es in einer Präsentation, hatte ein städtebauliches Ziel mit der Bewerbung verbunden: die Innenstadt mit der Donau verbinden. Das Donau-Ufer wurde, wie Fotos zeigten, umgestaltet. Wo vorher karge Flächen zu sehen waren, entstand ein bunt bepflanzter Deich, darunter eine Parkgarage. Das Gelände dort sei weiterhin so belebt wie zur Zeit der Gartenschau, so Tannerbauer. Aufwändige Kinderspielplätze oder eine Bar am Ufer und die gestalteten Freiflächen hätten der Stadt ein neues Profil gegeben. Tannerbauer sagte, 90 Prozent der Bauten für die Landesgartenschau seien den Deggendorfern geblieben. Eine solche langfristige Planung sei das Erfolgsrezept der Stadt gewesen. Im Zuge der Großveranstaltung seien viele Dinge, die ohnehin gemacht werden mussten, schneller vorangekommen. Auch die Parkplatzsituation sei verbessert worden. Und die Stadt habe ein besseres Image bekommen, die Landesgartenschau sei ein »Motor« für vieles gewesen. Auch in Deggendorf habe es anfangs Skeptiker geben: »Es war in Ordnung, dass uns auf die Finger geschaut wurde«, so Tannerbauer. Aus der Kritik habe man gelernt. Inzwischen seien auch diejenigen, die zuerst gegen die Landesgartenschau gewesen seien, begeistert davon, was geschaffen und erreicht wurde.

Die anschließenden Fragen aus dem Publikum bezogen sich zum Beispiel auf die Vergleichbarkeit der Voraussetzungen in den beiden Städten. So wurde vorgebracht, dass Deggendorf die besseren Flächen und das passendere Konzept gehabt hätte. Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel meinte dazu, der besondere Vorteil der Bewerbung Traunsteins sei das Konzept, das den Besucher direkt in die Innenstadt führe. Schon zu Beginn der Veranstaltung hatte er dazu aufgefordert daran zu glauben, was möglich sei und beim Bürgerbegehren am 10.  April für die Landesgartenschau zu stimmen.

Was passiert mit dem Festgelände?

In den Raum gestellt wurde auch die Frage, ob es sinnvoll ist, das Festgelände in die Ausstellungsfläche mit einzubeziehen, da diese für andere Veranstaltungen verloren gehen könne. Dazu erklärte Stadtplaner Elmar Schwäbisch, im Konzept sei klar vorgesehen, wenn es keinen Ersatz für den jetzigen Festplatz gibt, werde dieser nach der Landesgartenschau wieder als solcher zur Verfügung stehen.

Während die Kritiker als Bremser und Schwarzmaler bezeichnet wurden, kam aus den Reihen der Landesgartenschaugegner die Sorge, die Stadt würde sich mit dem Projekt übernehmen. Waltraud Tannerbauer jedoch meinte, man könne von der Landesgartenschau nur profitieren. Traunstein habe sogar ein größeres Einzugsgebiet als Deggendorf, betonte sie abschließend und motivierte: »Schauen Sie vorwärts, machen Sie Ihre Gartenschau.« naw