weather-image
19°

Vom »Botschamperl« bis zum »Gramel«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Alte bairische Ausdrücke für alte Handwerksgeräte erklärte Siegi Götze im Rahmen der Ausstellung »Wia 's amal war« im Grassauer Advent. (Foto: T. Eder)

Grassau – Wer weiß noch, was ein »Botschamperl«, ein »Paraplü« oder eine »Duggad« ist? Viele, vor allem jüngere Generationen tun sich mit so manchen bairischen Ausdrücken schon schwer. Dies war der Grund, warum der Grassauer Advent um die Brauchtumsausstellung »Wia 's amal war« ergänzt war. In fünf Themen wurden unterschiedliche Begriffe erklärt.


Zunächst informierte Caroline Zeisberger, die die Ausstellung federführend organisiert und mit Hilfe von Monika und Ludwig Sailer arrangiert hatte, über die Idee der inzwischen fünften Ausstellung. Begonnen wurde vor fünf Jahren mit einer Krippenausstellung, dann folgte die Darstellung des Christbaums im Wandel der Zeit und in den vergangenen zwei Jahren widmete man sich dem Aber- und Volksglauben.

Anzeige

Wie bereits die vorige Ausstellung sei auch diese in enger Zusammenarbeit mit Siegi Götze, dem Mundartkenner, entstanden, so Zeisberger. Wie wichtig die Ausstellung über fast vergessene, bairische Ausdrücke sei, wurde ihr bewusst, als gleich zwei Jugendliche aus ihrem Umfeld immer wieder nach der Bedeutung bairischer Begriffe fragten. Selbst Kinder, die in bairisch sprechenden Familien aufwachsen, kennen manche Ausdrücke nicht mehr Bürgermeister Rudi Jantke nannte es eine wundervolle Tradition, sich am Grassauer Advent auch der Volkskultur zu widmen. Ein wichtiger Teil dieser Kultur sei die Sprache, die sich ständig ändere. Umso schöner sei es, wenn man durch fast vergessene Begriffe ein Stück an seine eigene Kindheit erinnert werde. Ohne Kreuzzeichen auf der Stirn mit Weihwasser aus dem kleinen Weihwasserbrunnen durfte früher kein Kind das Haus verlassen, erklärte Siegi Götze, der durch die Ausstellung führte. Das Kletzenbrot galt früher als Liebesgabe. Wer von einem Dirndl ein Kletzenbrotscherzl (Anschnitt des Brotes bestehend aus gedörrtem Obst) erhielt, brauchte um sein Dirndl nicht mehr werben. Was »wax« bedeutet, erklärte Götze anhand von »waxn«, also spitzen Steinen, oder auch mit »waxn« Strümpfen, die auf der Haut wie Ameisen »gebissen« haben, wenn man sie trug. Ausgestellt wurde auch ein »Pfiffkrügerl«, ein Bierkrug, der nur einen achtel Liter fasst. »Gramel«, früher ein Arme-Leut-Essen ist heutzutage als Delikatesse und als Griebenschmalz bekannt. Manch einer hat noch ein »Paradeisl« – eine Pyramide mit nur drei Seiten – mit je einem Apfel an der Spitze, zum Advent auf seinem Tisch stehen. Nur wenige wussten, dass die Knöpfe an der Weste als »Duddnknöpf« bezeichnet wurden. Im Schlafzimmer darf das »Botschamperl«, aus dem Französischen »Pot de Chambre« nicht fehlen, genauso wenig wie das »Schneizdiache« und die »Duggad« (Zudecke).

Ein »Waaberl« ist der Ausdruck für eine verrunzelte, alte Frau und als »Dudderer« wurde ein junger Mann, der noch am Rockzipfel hängt, bezeichnet. Noch weniger bekannt waren Handwerksgeräte, wie »Sapie«, »Wiagsog« oder die »Radltruch«. Die »Millibitschn« wiederum kannten fast alle. Liebevoll waren die einzelnen Begriffe dargestellt und der Rundgang durch die Ausstellung war nicht nur informativ, sondern auch amüsant. tb

Mehr aus der Stadt Traunstein