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Vom Bajuwarenmuseum zum »Haus der Kultur«?

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Ein ganz neuer Vorschlag für die  Waginger Museumsdebatte:  Im Gebäude des  Bajuwarenmuseums  könnte  auch  eine  Abteilung eingerichtet werden, in dem wechselnde Ausstellungsstücke aus dem Barockmuseum von Sebastian Schuhbeck (unser Bild) präsentiert werden. (Foto: Eder)

Waging am See – Mit einem guten Gefühl aller Beteiligten ging die erste Sitzung des neu eingerichteten Arbeitskreises (AK) Kultur im Rathaus zu Ende. Kulturreferentin Hedwig Witzleben hat dabei die Idee von einem »Haus der Kultur« eingebracht, das aus dem Gebäude entstehen soll, in dem jetzt Tourist-Info und Bajuwarenmuseum untergebracht sind. Diese Option würde sich unter Umständen verwirklichen lassen, wenn die Unterbringung der Büros der Gemeindewerke gelöst ist. Auch dafür gab es einen neuen Vorschlag: Man könnte diese Büros im Erdgeschoß einbauen, in den Nebenräumen, in denen bisher Ausstellungen stattfinden oder VHS-Termine abgehalten werden. Ob dies räumlich möglich ist, soll geprüft werden, so die einheitliche Linie im Kultur-AK.


Mögliche kulturelle Mosaiksteine im Obergeschoß könnten im Wesentlichen drei Einrichtungen sein: Bajuwarenmuseum, Bücherei und – ein ebenfalls völlig neuer Aspekt – eine wechselnde Ausstellung mit Exponaten aus dem Barockmuseum von Sebastian Schuhbeck, das im Obergeschoß des Kurhauses untergebracht ist. Es soll geprüft werden, inwieweit die Platzsituation im jetzigen Bajuwarenmuseum dies zulassen würde – wobei auch die angrenzende Hausmeisterwohnung miteinbezogen werden könnte, da diese mittelfristig frei werde, wie es hieß.

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Martin Dandl stellte die »Gretchenfrage«

Nachdem Hedwig Witzleben ihr Konzept von einem »Haus der Kultur« – Lydia Wembacher wollte lieber von einem »Haus der Begegnung« sprechen – vorgebracht hatte, stellte Martin Dandl die »Gretchenfrage«: »Kommen die Gemeindewerke ins Bajuwarenmuseum – ja oder nein?« Solange diese Frage nicht beantwortet sei, wäre es laut Dandl müßig, irgendwelche anderen Konzepte zu überlegen.

Dazu gab es im Arbeitskreis zwei deutlich unterschiedliche Fraktionen. Bürgermeister Herbert Häusl, Kämmerer Bernhard Kraus, Geschäftsleiter Franz Röckenwagner und Dandl selbst sprachen sich eindeutig für einen Einbau der Gemeindewerke-Büros in das Gebäude aus. »Für die Gemeindewerke gibt es keinen besseren Platz«, so Dandl. »Super-Parkplatz, super angebunden, behindertengerecht.« Dies alles spreche dafür, noch dazu, wo die Gemeindewerke sehr stark von Besuchern frequentiert werden.

Auch Kämmerer Kraus betrachtet eine Ansiedlung der Gemeindewerke im Haus des Bajuwarenmuseums als ideal. Geschäftsleiter Röckenwagner schilderte die jetzige etwas abgelegene Situierung der Werke im zweiten Stock des Rathauses, die der Bedeutung der Werke in keiner Weise gerecht werde. Dies unterstrich der Bürgermeister: Die jetzige Lage der Büros der Gemeindewerke »da oben ganz hinten« sei nicht zukunftsfähig.

Dagegen beurteilten die Frauen im Arbeitskreis die Situation ganz anders. Lydia Wembacher fand drastische Worte: Der Charakter des Bajuwarenmuseum-Gebäudes würde durch einen Einbau der Gemeindewerke »zerstört« und »verunstaltet«. Christine Rehrl fand, das Bajuwarenmuseum sei ein stimmiger Bau, den man nicht so ohne Weiteres verändern dürfe. Hedwig Witzleben hatte in ihrem »Haus-der-Kultur«-Konzept ebenfalls keinen Platz für die Gemeindewerke vorgesehen.

Eva Gruber, Leiterin der Tourist-Info, fragte, ob man nicht die Gemeindewerke im Erdgeschoß, also gegenüber den Büros der Tourist-Info unterbringen könnte. Diese Idee stieß im Arbeitskreis auf großes Interesse. Bei den Gemeinde-Mitarbeitern herrschte die Meinung, dass das Platzangebot an dieser Stelle wohl für die Gemeindewerke ausreichen würde. Nun soll dies vom gemeindlichen Bautechniker Franz Fenninger geprüft werden.

Claudia Schemmer wird wohl neue Heimatpflegerin

Ein weiteres Thema, das noch dringend der Prüfung bedarf, ist die Art und Größe eines künftigen Bajuwarenmuseums – falls dieses bleiben soll, in welcher Form auch immer. Aber auch da gibt es eine Perspektive. So wie es aussieht, wird die aus Otting stammende Historikern Dr. Claudia Schemmer wohl neue Ortsheimatpflegerin werden, da Franz Patzelt sein Amt aufgeben wird. Claudia Schemmer hat bei Vorgesprächen angeregt, doch Prof. Josef Kirmeier, Leiter des museumspädagogischen Zentrums in München, mit einzubeziehen, der mit Museumsplanungen viel Erfahrung habe. Dieser soll nun in die nächste Sitzung des Kultur-Arbeitskreises eingeladen werden. Mit ihm zusammen sollen verschiedene Museumskonzepte in ganz verschiedenen Größenordnungen – räumlich wie finanziell – ausgearbeitet werden. Das Konzept wird dann dem Gemeinderat vorgelegt.

Hedwig Witzleben wünschte sich, dass Gemeinde und Gemeinderat das Bajuwarenmuseum nicht nur als »lästiges Anhängsel« betrachten, sondern als zu Waging gehörige Einrichtung. Das Museum auf ein paar Vitrinen zu reduzieren, ist für sie keine Option: Das wäre »abwegig und jämmerlich«. Umso wichtiger sei es, dass dem Gemeinderat bereits ausgearbeitete, attraktive Konzepte vorgelegt werden können. Das sah auch Bürgermeister Häusl so: »Wir müssen eine Konzeption schaffen, dass das Museum wieder attraktiv wird und die Leute kommen.«

Bücherei soll ins neue Kulturgebäude umziehen

Relativ einig ist man sich im Arbeitskreis darüber, dass die Bücherei aus dem Pfarrheim in das künftige Kulturgebäude umziehen soll. Hier wurde der Platzbedarf wie folgt geschildert: Die Fläche von derzeit knapp 70 Quadratmetern soll verdoppelt werden. So kam immer wieder eine mögliche Umnutzung der Hausmeisterwohnung ins Gespräch: Nur so wären Bajuwarenmuseum, Präsentation von Exponaten aus dem Barockmuseum und Bücherei gemeinsam im Obergeschoß denkbar. Bei alledem wurde auch das Vogelmuseum nicht vergessen, das im Untergeschoß verbleiben dürfe, aber vom Ambiente her deutlich heller, freundlicher und damit attraktiver gestaltet werden müsse.

Bürgermeister Häusl schloss die Sitzung mit dem optimistischen Fazit, dass man schon ein ganz großes Stück vorangekommen sei. Bereits zu Beginn hatte er angemerkt, dass ein Arbeitskreis, der nicht an feste Regularien, auch nicht an eine feste personelle Zusammensetzung oder Parteienproporz geknüpft ist, eine ganz schöne Sitzungsform sei – »und Mehrheiten spielen da herinnen keine Rolle«. he