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Vom Anderssein und »Nein« sagen können

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Die Leute von Jala und der Fremde: Phillipp, Johannes, Mark und Franziska berühren den Fremden (Leon Lochner).

Chieming. Viel Lob und Beifall gab es für die gelungenen Aufführungen des Märchen-Musicals »Die Leute von Jala« der fünften Klasse der Mittelschule Chieming. Eine Geschichte, in der es darum geht, »Nein« sagen zu können, ums Dazugehören, Mitläufertum und Ausgrenzung. Eine Geschichte, in der Smagmag den Ton angibt.


Smagmag (Marvin Münch) ist der Boss in Jala, der Trendsetter, der sagt, wo es lang geht, und was »in« ist. Wer nicht mithält, hat schlechte Karten, wird belächelt und ausgegrenzt. So wie Knigga (Alina Wimmer, Charlotte Heinrich), die sich das teure rote Shirt aus dem Trendshop nicht leisten kann, und wegen der billigeren, weißen Ausgabe gehänselt wird.

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Doch es sollte noch schlimmer kommen. Denn bei Smagmags allabendlicher Spielshow fällt das Los ausgerechnet auf Knigga und ihre beste Freundin Shoggy (Lisa Meindl, Samira Hille). Die Aufgabe: sich möglichste gemeine Dinge zu sagen. Das Publikum bestimmt den Sieger. Die beiden sind entsetzt. Zunächst verhalten werfen sie sich unter anfeuernden Rufen aus dem Zuschauerreihen immer mehr Gemeinheiten an den Kopf – bis Knigga unter Tränen den Saal verlässt und Shoggy zum Sieger erklärt wird. Da steht plötzlich ein Fremder (Leon Lochner) unter ihnen, er sieht beängstigend anders aus. Grün vom Scheitel bis zur Sohle, die Haare stehen ihm wirr vom Kopf ab, er trägt seltsame Kleidung und singt »Knüppel aus dem Sack, alle machen mit …« Am nächsten Tag diskutieren die Leute von Jala über den überraschenden Ausgang des Abends. Viel mehr als Kniggas Niederlage jedoch beschäftigt sie der Fremde, der plötzlich wie aus heiterem Himmel wieder zwischen ihnen steht. Sie sind unsicher. Sollen sie Smagmag holen? Ein Bewohner meint: »Quatsch! Wir können doch selber mal sehen, was das für einer ist.« Und damit wendet sich das Blatt. Denn langsam tasten sich die Jalaner an den Fremden, der nicht spricht, heran. Sie umrunden und berühren ihn. Da! Was ist das? Die Farbe! Sie geht ab und bleibt auf den Fingerspitzen haften.

Immer mehr Bewohner fassen sich ein Herz, berühren den Fremden und malen sich mit der grünen Farbe Kreise, Striche und alles Mögliche ins Gesicht. Sie haben Spaß am »Anders sein« und nun flammt die Diskussion noch einmal auf. Es stellt sich heraus, dass weder Shoggy noch Knigga gerne so gemein waren, doch die Angst, von den anderen als feige angesehen zu werden, war größer. Auch die Bewohner gestehen so nach und nach, dass sie nicht immer alles gut und toll fanden, was Smagmag so wollte und trieb. Und Smagmag? Der seinerseits fand das am Anfang alles supercool, doch fühlte er sich in seiner selbst gewählten Rolle als Jalas »Obermacker« auch zunehmend bedrängt und wurde immer gemeiner, nur damit ihn niemand für einen Schwächling hält. Fazit: Wenn sich früher jemand getraut hätte »Nein« zu sagen, hätte sich die Spirale niemals so weit gedreht.

Monatelang hatten die Buben und Mädchen mit ihrer Musiklehrerin Doris Wagnerberger für das Musical geprobt, das sie zusammen mit einigen Kollegen vor einigen Jahren geschrieben hatte. Die Musik stammt von Regina Frerich. Das Thema ist zeitlos aktuell. Hier wurde plakativ umgesetzt sich nicht dem Gruppenzwang zu beugen, den Mut zu einer eigenen Meinung zu haben und für seine Gefühle einzustehen. Und so ganz nebenbei stärkten die Proben, die alle mit Begeisterung und Hingabe mitmachten, zusätzlich die Klassengemeinschaft und so manches bisher verborgene Talent kam dabei ans Tageslicht. om