weather-image
14°

Volltrunken mit Machete losgestürmt

5.0
5.0
Justitia
Bildtext einblenden
Foto: dpa/David Ebener

Traunstein – Sturzbetrunken ging ein 40-jähriger Inzeller mit einer scharfen Machete auf den Freund seiner Mutter los und verletzte ihn an der linken Hand. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott verurteilte den teilgeständigen Angeklagten gestern wegen gefährlicher Körperverletzung zu 16 Monaten Freiheitsstrafe, ordnete die Unterbringung zum Entzug an und setzte beides zur Bewährung aus.


Das Urteil wurde sofort rechtskräftig. Staatsanwalt Dr. Christian Liegl hatte 18 Monate Strafe plus Unterbringung gefordert. Der Verteidiger, Norbert Wilhoff aus Ampfing, war für Bewährung eingetreten.

Anzeige

Angeklagter hatte zur Tatzeit drei bis vier Promille

Der 40-Jährige kämpft schon lange mit Alkoholproblemen. Am 2. Mai 2016 kam er abends von der Arbeit nach Hause. Er ärgerte sich über sein Handy, aber auch in einer finanziellen Angelegenheit über seine Mutter. Sein Zorn verstärkte sich durch Alkohol. Letztlich hatte er einen Pegel zwischen drei und vier Promille Alkohol im Blut, als er die Machete mit 30 Zentimeter langer und vier Zentimeter breiter Klinge griff, sie unter die Jacke steckte und drohte, die Mutter und deren Freund umzubringen.

Zwischenzeitlich rief die Freundin des Angeklagten in der Wohnung der Mutter auf der anderen Straßenseite an, um sie zu warnen, ja nicht die Türe aufzumachen. Als der Freund der Mutter die Tür doch einen Spalt öffnete, nützte der 40-Jährige die Gelegenheit und stieß den Partner der Mutter zu Boden. Er schrie: »Ich steche euch beide ab«. Dann zog der betrunkene Eindringling die Machete aus der Jacke. Zumindest zwei Schläge mit der Waffe trafen den Geschädigten, als sich dieser wieder aufrichten wollte. Beim Abwehren der Machete erlitt der Senior fünf Verletzungen an den Fingern einer Hand, die er später chirurgisch versorgen lassen musste. Im Zeugenstand betonte der alte Herr gestern: »Ich hab' nur überlebt, weil ich Glück gehabt hab'.«

Der Rechtsmediziner Professor Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg attestierte dem Opfer »typische Abwehrverletzungen«. Nerven seien durchtrennt worden, deshalb die Kuppen mehrerer Finger taub. Das Tatwerkzeug sei eine »Garten- oder Campingmachete« mit sehr scharfer Klinge gewesen. Zwar habe keine konkrete Lebensgefahr für den Geschädigten geherrscht: »Aber außer Frage steht eine das Leben gefährdende Behandlung.«

Gutachter für Unterbringung zum Entzug

Der psychiatrische Sachverständige Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee bescheinigte dem Angeklagten erheblich verminderte Schuldfähigkeit zur Tatzeit aufgrund der Alkoholisierung. Der Gutachter hielt die stationäre Unterbringung zum Entzug für erforderlich. Für Bewährung mit einer eventuellen ambulanten Therapie sei es noch zu früh.

Der 40-Jährige hatte in seiner Aussage beteuert, er sehe das Problem mit dem Alkohol inzwischen ein. Das nahm ihm Staatsanwalt Dr. Christian Liegl nicht ab und fragte: »Warum haben Sie dann im letzten Dreivierteljahr nichts unternommen?« Der Angeklagte stotterte etwas von »ambulanter Therapie«. Dazu Richter Wolfgang Ott: »Eine ambulante Therapie – das bringt nichts bei Ihnen.«

Im Plädoyer erinnerte der Staatsanwalt an den Satz des Opfers mit dem »Glück gehabt« und merkte an: »Glück hatte der Zeuge, aber auch der Angeklagte. Sonst säße er heute nicht hier, sondern vor einer großen Strafkammer.« Der 40-Jährige habe den Geschädigten nicht töten, aber verletzen wollen. Die Verletzungen lägen nicht vollkommen im Bagatellbereich, fuhr Liegl fort. Zwar sei der Rentner nicht mehr berufstätig: »Er kann aber keine Gitarre mehr spielen und muss sich einer weiteren Operation unterziehen.« Eine Bewährung könne nur mit einer ambulanten Therapie verbunden werden, dafür aber lägen laut Sachverständigem die Voraussetzungen nicht vor.

Verteidiger Norbert Wilhoff sah das anders. Das Gericht habe die Möglichkeit, strenge Auflagen zu erteilen. Der Arbeitgeber seines Mandanten würde mitmachen. Angemessen sei eine Freiheitsstrafe von maximal einem Jahr mit Bewährung. »Ich bitte das Gericht angesichts dessen, dass sich der Angeklagte bemüht, ihm zumindest diese Chance zu geben«, so der Verteidiger. Für Unterbringung müsse eine »erhebliche rechtswidrige Tat« vorliegen mit entsprechender Wiederholungsgefahr.

»Ich weiß, dass ich Bockmist gebaut habe«

In seinem »letzten Wort« hob der 40-Jährige heraus: »Ich weiß, dass ich Bockmist gebaut habe. Aber den Alkohol habe ich jetzt auf die Reihe gekriegt.« Im Urteil unterstrich Richter Wolfgang Ott, sowohl die Strafe als auch die Unterbringung würden zur Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflagen verkündete der Richter: Bewährungszeit und Führungsaufsicht für drei Jahre, monatliche Meldung beim Bewährungshelfer, Alkoholverbot mit entsprechenden Kontrollen, sofortiges Einleiten einer stationären Alkoholentwöhnungstherapie, Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe und anderes. »An einer stationären Therapie führt kein Weg vorbei«, verdeutlichte Richter Wolfgang Ott. kd