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Volles Programm im Kulturzug

Wann kann man schon einmal mit dem Zug kostenlos durch den Landkreis tingeln und sich dabei noch auf vielfältige Weise unterhalten und kulturell inspirieren lassen? Beim Kulturzug lohnte sich nicht nur das Einsteigen, sondern auch das Aussteigen, denn sowohl im Zug als auch an den Bahnhöfen in Traunstein, Waging, Trostberg und Traunreut war für Jung und Alt einiges geboten.

Große Augen bekamen die Kinder bei den Tricks von Zauberin »Stella Magica«. Unterstützung erfuhr sie dabei von der passend verkleideten Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt in Traunreut, Elfie Dzial (links). (Fotos: Müller)
Singen auf »guat boarisch« konnten die Besucher des Kulturzuges beim Zwischenstopp am Traunsteiner Bahnhof. Weitere Bilder von der Fahrt des Kulturzuges und dem Programm an den Bahnhöfen finden sich auf unserer Internetseite unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos.

Trotz eines vielversprechenden Programms blieben im groß angekündigten Kulturzug aber leider viele Plätze leer. Dies mag zum einen am herrlichen Badewetter gelegen haben, zum anderen aber sicherlich auch am reichhaltigen Sonntagsprogramm der Oberbayerischen Kultur- und Jugendkulturtage. Da verwunderte es nicht, dass sich die kulturinteressierten Einheimischen und Urlauber auf die einzelnen Veranstaltungen verteilten.

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Vom Ausgangsbahnhof in Traunstein setzte sich der bunte Kulturzug nach der Begrüßung durch den Chor »Il Coro Nuovo« vormittags in Richtung Waging in Bewegung. Jugendliche hatten ihn zuvor im Rahmen einer Graffiti-Aktion kunstvoll verziert. Nachdem man mittags Trostberg angesteuert hatte, ging es nachmittags erneut nach Waging und am Abend nach Traunreut.

35 Gruppen und Vereine waren beteiligt

Während der kostenlosen Fahrt durch den Landkreis und der Aufenthalte wurde es nie langweilig, denn über 35 Gruppen, Vereine und Institutionen hatten ein abwechslungsreiches Kulturprogramm auf die Beine gestellt, bei dem gesungen und musiziert, gelauscht und gezaubert, zugesehen, ausprobiert und angepackt wurde.

Wer zum Beispiel »auf guad boarisch« singen wollte, war am Bahnhofsvorplatz beim Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern, Ernst Schusser, richtig aufgehoben. Zu bayerischen Blasmusikklängen wurden im Schatten eines Baumes ungezwungen Volkslieder, Moritaten und Balladen intoniert. Für Begeisterung sorgte auch die Bigband des Chiemgau-Gymnasiums, die nachmittags am Traunsteiner Bahnhof Kostproben ihres Könnens abgab. Gleich zu Beginn der Zugfahrt wurde man von Zauberin »Stella Magica«, alias Stella Erler, in Empfang genommen.

Sehr gut kam auch das Hörspiel der Jugendredaktion von Q3 an, der Gebärdensprachen-Kurs des Gehörlosenvereins Traunstein und Umgebung sowie die Aufführung der Theatergruppe der Traunsteiner Reiffenstuel-Realschule. Die Schüler zeigten im Bistro anschaulich, wie wichtig Integration und Inklusion für die Gesellschaft sind. Wer sich auf eine verträumte Märchenreise begeben wollte, der nahm im Orient-Express Platz und ließ sich von den Märchenerzählerinnen um Irmelind Klüglein und Dagmara Liese in ferne Welten entführen.

Beim Mundartquiz rauchten förmlich die Köpfe, denn wer weiß heute schon noch, was immer mehr in Vergessenheit geratene, bairische Ausdrücke wie »Gschlohdrade«, »Progroda«, »Bigauderer« oder »Schpiahodan« bedeuten. Da war es natürlich hilfreich, dass man mit Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler einen Dialekt-Experten an Bord hatte, der aufklären konnte und dann mit Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger die Preise verteilte.

Im Beisein von Bezirkstagspräsident Josef Mederer erzählte 2. Bürgermeister Hans Kern am Waginger Bahnhof, dass der touristische Aufschwung des Ortes untrennbar mit der Bahnlinie Traunstein-Waging verbunden sei, deren 110-jähriges Bestehen man unlängst groß gefeiert habe.

Rock- und Poprhythmen am Waginger Bahnhof

Anschließend ließ Heimatpfleger Franz Patzelt die Geschichte Wagings kurz Revue passieren und spannte dabei einen Bogen von der Vorgeschichte bis ins frühe Mittelalter. Bevor es frisch gestärkt zurück nach Traunstein ging, verbreitete eine Nachwuchsband fetzige Rock- und Poprhythmen.

Als der Kulturzug am frühen Abend in Traunreut Station machte, vereinigten sich Musik und Tanz in Perfektion. Die siebenbürgisch-sächsische Jugendtanzgruppe verbreitete dabei so viel Schwung und Energie, dass selbst der größte Tanzmuffel mitgerissen wurde.

Die passenden Klänge kamen von der Jungmusik, dem Ausbildungsorchester der Stadtkapelle Traunreut. Am Ende seiner Fahrt wurde der Kulturzug durch Lieder des inklusiven Projektchors »Insieme« verabschiedet. mmü