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Virovitica feiert sein 780-jähriges Bestehen

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Den Sankt-Rochus-Tag feiern die Bürger der Traunreuter Partnerstadt Virovitica jedes Jahr mit einem großen Festzug. Auch der neue Traunreuter Bürgermeister Klaus Ritter (in der Bildmitte mit seinem kroatischen Kollegen Ivica Kirin) war mit von der Partie.

Traunreut. Den Namenstag des Stadtheiligen Sankt Rochus (Sveti Rok) nimmt die Traunreuter Partnerstadt Virovitica jedes Jahr zum Anlass, ein mehrtägiges Stadtfest zu feiern. Heuer stand das Fest ganz im Zeichen des 780. Geburtstags der Stadt. Auch eine kleine Delegation aus Traunreut nahm an den Feierlichkeiten teil. Bürgermeister Klaus Ritter war sehr angetan von der Herzlichkeit der kroatischen Bürger. »Wir sind super aufgenommen worden. Es war ein Traum«, schwärmte Ritter gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Virovitica liegt an der kroatisch-ungarischen Grenze, nahe des Flusses Drau (Drava) und ist seit der Neustrukturierung des modernen, unabhängigen kroatischen Staates die Hauptstadt der Gespannschaft Virovitica-Podravina, die auch einen Teil des Drau-Gebiets umfasst. Die Stadt zählt ähnlich wie Traunreut etwa 22 000 Einwohner. Im Jahre 1234 erhielt Virovitica die älteste königliche Begünstigung als »Freier Marktfleck«, verliehen vom kroatischen Herzog Koloman. Aber es muss Ansiedlungen schon im Neolithikum oder der jüngeren Steinzeit gegeben haben, was Ausgrabungen von Werkzeugen und der Fund von Urnengräbern in der Nähe belegen. Weiteren Ausgrabungen zufolge müssen sich auch die Kelten angesiedelt und das Töpferhandwerk und die Münzprägung mitgebracht haben. Aus der Römerzeit stammt der Name Sirotis oder Seruta, einer Militärstation auf dem jetzigen Stadtgebiet von Virovitica. Hier lag auch die strategisch wichtige Kreuzung der Straßen aus dem Westen, Osten und Süden. Die Kroaten besiedelten die Gegend wahrscheinlich Ende des sechsten, Anfang des siebten Jahrhunderts.

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Mit der Geschichte des heutigen Virovitica ist das Franziskanerkloster sehr eng verknüpft. Es wurde 1280 angesiedelt und war von sehr großer Bedeutung für die katholische Kultur und die wirtschaftliche Entwicklung. Nach der osmanischen Besetzung im Jahr 1552 war die Stadt 132 Jahre unter türkischer Herrschaft. Dann kehrten mit der Rückkehr der Franziskaner, dem Bau des Klosters und der Kirche auch die Handwerker und Kaufleute wieder zurück. Das heutige Schloss war ursprünglich eine Holzfestung. Die Adelsfamilie Pejacevic begann, die alte Holzburg abzureißen und gleichzeitig das prachtvolle Adelsschloss mit stilistischen Merkmalen des Spätbarocks und des Klassizismus zu errichten. Mitte des 19. Jahrhunderts verkauften die Pejacevic das Schloss an den deutschen Fürsten Schaumburg-Lippe. Unter dieser Herrschaft erlebte Virovitica durch die Gründung von Manufakturen und Fabriken zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und des ersten Industriebetriebes (Holzverarbeitung) eine Wirtschafts- und Gesellschaftsblüte. Die Industrie und das Gewerbe spielten in den folgenden Jahrzehnten eine wechselhafte Rolle. Heute ist die Stadt stets bemüht, die ansässigen Betriebe zu erhalten und neue anzusiedeln, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wirtschaft anzukurbeln und somit investieren zu können.

Auch das Bildungswesen hat in Virovitica eine lange Tradition. Heute gibt es vier Grundschulen, eine Musikschule, ein Mittelschulbildungszentrum, ein Gymnasium, eine Berufsschule, eine technische Schule, eine Industrie- und Handwerksschule sowie eine Hochschule. Ein breit gefächertes Vereinsleben macht Virovitica ebenso lebenswert wie die gesellige Herzlichkeit seiner Bürger. Gesangvereine und Musikkapellen und eine große Anzahl von Sportvereinen wären nach Ansicht der Traunreuter Partnerschaftsreferentin und Dritten Bürgermeisterin Gerti Winkels bestens geeignet, die bisherigen Verbindungen und langjährigen Freundschaften zu Traunreut zu vertiefen. ga