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Viele Themen brannten den Wagingern unter den Nägeln

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Foto: Symbolbild, pixabay

Waging am See – Bei der Bürgerversammlung im Pfarrsaal berichtete Bürgermeister Herbert Häusl erst über die großen und kleinen Baustellen der Gemeinde, über Pläne, Visionen, Vereine, Tourismus, Feste und Veranstaltungen, Bauhof, Schule und Kindergärten und natürlich übers Geld.


Die Berichte spiegelten eine positive Entwicklung der Marktgemeinde wider. Dann waren die Bürger an die Reihe mit den eigentlichen »Aufregerthemen«. Unter den Nägeln brannten ihnen unter anderem die Suche nach Bauland für die Firma Bergader, der Bau des neuen Heizwerks in Tettenhausen sowie die Qualität des Badewassers im Waginger See.

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Siegfried Heigl machte den Anfang und erkundigte sich über die Qualität des Badewassers im Waginger See. Es heiße immer, die sei sehr gut. In einer BR-Sendung, die im Juli 2016 ausgestrahlt worden war, sei man aber zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.

Häusl machte deutlich, dass der See nach wie vor ausgezeichnete Badequalität habe. Er grenzte klar ab: Bei der Beurteilung der Badegewässerqualität und eines etwaigen gesundheitlichen Risikos durch bakteriologische Verunreinigungen stünden mikrobiologische Untersuchungen im Vordergrund.

Das andere Kriterium sei der ökologische Zustand nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. Darunter falle auch der Phosphateintrag, der zum Wachstum verschiedener Algen führe. Der habe sich durch verschiedene Maßnahmen zwar deutlich reduziert, sei aber immer noch zu hoch. »Der Waginger See ist aber von Haus aus nährstoffreich und wird nie so nährstoffarm werden wie beispielsweise der Königssee«, unterstrich Häusl.

Tilo Schröder-Waritschlager sprach das Problem mit Oberflächenwasser, das vom Gessenberg abfließt, an. »Es geht nur darum, nicht ständig abzusaufen.« Denn bei vergangenen Starkregen gab es erhebliche Abschwemmungen, die die Keller von Häusern im darunterliegenden Waginger Westend überfluteten. »Das soll durch Ableitungen und Rückhaltemöglichkeiten verhindert werden«, bestätigte der Rathauschef. Die Marktgemeinde habe dafür schon eine Fläche im südlichen Teil unterhalb von Gessenberg erworben. »Die Bürger können die entsprechenden Planungen jederzeit einsehen«, so Häusl.

Weiteres Bauland an der Geppinger Straße?

Markus Maier wollte wissen, ob an der Geppinger Straße weitere Baugrundstücken ausgewiesen werden. Häusl führte aus, dass dort neun Baugrundstücke schon bebaut seien. Der katholischen Kirchenstiftung gehören acht der neun Bauplätze, die nach dem Einheimischenmodell und in Erbbaurecht vergeben worden sind. Ehe die Marktgemeinde dort weiteres Bauland ausweise, so Häusl, warte sie ab, wie sich die Firma Bergader, mit der die Marktgemeinde eng verbunden sei, weiterentwickeln wolle. Zudem sei es nicht so ganz einfach, Grundstücke zu erwerben. Häusl zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Kauf erfolgreich über die Bühne gehen wird und die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Bauland rechts und links der Geppinger Straße in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren gelingen wird.

Mit dem ebenfalls in kirchlichem Besitz befindlichen Baugebiet in Otting mit gut einem Dutzend Bauplätzen geht es nicht so recht voran. Dies liege daran, dass die Gemeinde mit der Bebauung fast unmittelbar an den Sportplatz heranrücke. Auf dem Ottinger Sportplatzgelände spielen die Mannschaften der DJK Otting Fußball, zudem findet hier auch mindestens einmal im Jahr ein Bierzeltbetrieb statt. Weil es aktuell aber nur eine Nachfrage nach Wohnhäusern gebe, müsse die Gemeinde das Gebiet als »Allgemeines Wohngebiet« deklarieren, auf dem nur wenig Lärm ankommen dürfe. Diese Lärmwerte überschreite man.

»Es wurde versucht, die Planung entsprechend zu reduzieren. Die Stellungnahmen des Gutachters waren aber bislang negativ«, hatte Bürgermeister Häusl schon in seinem Rechenschaftsbericht hervorgehoben. Optimistisch sieht der Bürgermeister die Schaffung von Bauland im Osten von Tettenhausen. Auch hier geht es um gut ein Dutzend Baugrundstücke; außer dem Rückbehalt des Eigentümers sollen alle im Einheimischenmodell vergeben werden. Laut Häusl sind die Grundstücksverhandlungen bereits abgeschlossen. »Die eingegangenen Stellungnahmen der Fachbehörden sind auch einigermaßen positiv ausgefallen.«

Fläche an der Ottinger Straße für Bergader ungeeignet

Reinhold Obermaier stellte die Frage in den Raum, ob die Fläche an der Ottinger Straße, auf der sich Rewe und Rossmann ansiedeln wollen, nicht auch für die Firma Bergader geeignet wäre, was Häusl jedoch verneinte: »Die Fläche wurde untersucht, ist aber für die Firma Bergader viel zu klein. Das Unternehmen würde sich auch nie direkt am Ortsrand in unmittelbarer Nähe von Wohn- und Werbebebauung ansiedeln.« Zudem würde das die Existenz eines benachbarten Betriebs infrage stellen, »was man auch nicht möchte«.

Michael Schittenhelm erklärte, sich gegen das geplante Heizwerk an der Wolkersdorfer Straße in Tettenhausen zur Wehr zu setzen. Er warf der Gemeinde und dem Bürgermeister vor, Pläne nicht fachmännisch erarbeitet zu haben. Zudem bezweifelte er, dass das neue Heizwerk mehr Leistung bringen werde als das bisherige. Er halte es auch daher für überflüssig.

Häusl wies die Kritik zurück und erläuterte die Situation: Die Marktgemeinde baue das neue Heizwerk, das mit einer 800-Kilowatt-Hackschnitzelheizanlage ausgestattet sein soll und damit wesentlich mehr Leistung als die alte Anlage haben werde, am einzig tragbaren Standort: am östlichen Ortsrand von Tettenhausen an einer dem Wind abgewandten Seite. Vor der Planung seien sämtliche infrage kommenden Grundstücke auf Herz und Nieren geprüft worden.

Selbstverständlich halte man die nach den gesetzlichen Bestimmungen vorgeschriebenen Abstände zur Wohnbebauung ohne Probleme ein. Die neue Heizanlage verursache deutlich weniger Lärm, Staub und Ruß als die alte am Feuerwehrhaus. Häusl versicherte: »Sobald die Baugenehmigung ins Haus flattert, legen wir mit dem Bau los.«

Der Bürgermeister erklärte auch noch einmal, warum die Gemeinde überhaupt ein neues Heizwerk braucht. Bei dem 1999 gebauten Heizwerk habe es sich um ein ökologisches Leuchtturmprojekt gehandelt, »denn damals war eine Hackschnitzelheizung zur Wärmenahversorgung eher die Ausnahme«. Das anfänglich schleppende Interesse sei ins Gegenteil umgeschlagen und habe die Anschlussnachfrage hochgetrieben. Diese steige noch immer. Die alte Heizzentrale sei dafür aber längst zu klein und zudem sanierungsbedürftig.

Im weiteren Verlauf der Bürgerversammlung warb Gemeinderatsmitglied Georg Huber für das gemeindliche Elektroauto. Als Mitglied des ehrenamtlich tätigen Trios, das sich um dieses Projekt kümmert, betonte er, dass das von der Marktgemeinde gemietete Elektromobil auch weiterhin nicht nur den kommunalen Mitarbeitern, sondern auch allen Gästen und Bürgern der Marktgemeinde zur Verfügung stehe. Es könne jederzeit ausgeliehen werden.

Aufruf, sich bei »Waging bewegt« zu engagieren

Darüber hinaus rief Huber die Anwesenden auf, im Verein »Waging bewegt« mitzumachen und sich in der Vorstandschaft zu engagieren, für die man händeringend Bewerber suche. Die Aufgaben des Vereins wolle man künftig auf mehreren Schultern verteilen. Interessenten sollen sich direkt an ihn wenden.

Schließlich regte Ratsmitglied Inge Kämpfl noch an, dass das Fußgängerschild, das bislang linksseitig darauf hinweist, dass nun der Fußgängerweg zum Kinderspielplatz am Römergraben beginnt, wohl besser auf der rechten Seite stünde. Dann würden die Autofahrer das Schild auch besser wahrnehmen. In den Wintermonaten, wenn der mittig angebrachte Metallpfosten, der sonst den Weg für Autofahrer versperre, zum Schneeräumen herausgenommen werde, würden nämlich auch Autos durchfahren – die dann eine Gefahr für spielende Kinder darstellen würden. Bürgermeister Herbert Häusl versprach, sich ein Bild von der Situation zu machen und für Abhilfe zu sorgen. ca