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»Viele Opfer trauen sich nicht zur Polizei«

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Der neue Leiter des Vereins »Weißer Ring« Traunstein, Reinhard Laab (links), und Hans-Peter Butz, der Leiter der Kriminalinspektion Traunstein. (Foto: Reiter)
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Wenn Menschen Gewalt angetan wurde, dann sind sie häufig traumatisiert. Der Verein »Weißer Ring« hilft diesen Opfern.

Traunstein. Opfer von Gewalt sind oft traumatisiert. Sie wissen nicht weiter und sind unsicher, ob sie überhaupt jemandem davon erzählen sollen. Viele verkriechen sich zu Hause und schweigen. »Uns geht es zuerst einmal um den persönlichen Beistand«, sagt Reinhard Laab. Er ist der neue Leiter des Vereins »Weißer Ring« für die Außenstelle Traunstein. »Wir unterstützen das Opfer bei wirklich jedem Problem«, ermuntert er Betroffene, sich bei ihm zu melden.


»Diese Menschen sind oft völlig durch den Wind«

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Er und seine Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. »Viele Opfer trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen«, sagt der 59-Jährige. »Sie kommen erst zu uns. Wir versuchen dann, das Opfer davon zu überzeugen, dass es Anzeige erstatten soll.« Doch es gebe natürlich auch Fälle, wo das nicht gelinge. Vor allem Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, würden sich oft schämen und bräuchten viel Zuspruch.

»Die Opfer sind in einer psychischen Ausnahmesituation«, sagt Hans-Peter Butz, der Leiter der Kriminalinspektion Traunstein. »Diese Menschen sind oft völlig durch den Wind, brauchen Schutz und müssen stabilisiert werden.« Hier sei der Verein »Weißer Ring« eine große Hilfe. Denn bei der Polizei stehe natürlich die Strafverfolgung im Mittelpunkt, der »Weiße Ring« habe ganz andere Möglichkeiten, das Opfer persönlich zu betreuen.

Denn Reinhard Laab hat ein großes Netzwerk an Helfern. Er steht beispielsweise in engem Kontakt zu Traumakliniken, zu Psychologen und zu Rechtsanwälten – und er und seine Mitarbeiter begleiten Opfer beispielsweise zu rechtsmedizinischen Untersuchungen, zur Polizei oder zu Behörden. Außerdem wird den Menschen auch in finanzieller Hinsicht geholfen, wenn das nötig ist. Denn oft sind die Opfer erst einmal handlungsunfähig, sie wissen nicht weiter. Der nächste Schritt scheint unmöglich. »Wir wollen ihnen wieder einen Wegweiser geben«, sagt Reinhard Laab. »Es tut ungemein gut, wenn das Opfer während unseres Gesprächs von Minute zu Minute wächst und danach wieder nach vorne blicken kann.« Denn es sei wichtig, dass sich diese Menschen nach einer schlimmen Erfahrung nicht zurückziehen, sondern Hilfe in Anspruch nehmen.

Hans-Peter Butz betont die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit von Polizei und Hilfseinrichtungen wie dem »Weißem Ring«, »denn gemeinsam können wir einiges erreichen. Wir dürfen die Opfer nicht alleine lassen.«

Verein ist auf Spenden angewiesen

Der Verein »Weißer Ring« finanziert sich aus Mitgliedbeiträgen, Nachlässen und Spenden. Das gesamte Geld wird für die Opferhilfe verwendet, betont Reinhard Laab, der dringend weitere ehrenamtliche Mitarbeiter sucht, die sich im »Weißen Ring« engagieren möchten. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, oder Hilfe benötigt, kann sich jederzeit an Reinhard Laab unter der Telefonnummer 0151/55164727 wenden. Das Spendenkonto des »Weißen Rings« lautet: Deutsche Bank Mainz, Kontonummer 343434, Bankleitzahl 550 700 40, Stichwort »Weißer Ring«. KR