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Viele Kinder können nicht oder nur schlecht schwimmen

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Experten gehen davon aus, dass rund 70 Prozent der Kinder in Bayern nicht richtig schwimmen können. Mit ein Grund ist, dass immer mehr Hallenbäder aus Kostengründen schließen.

Viele Kinder in Bayern können nicht oder nur schlecht schwimmen. Das bestätigt auch Günter Burghammer von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Traunstein-Siegsdorf. Der 66-Jährige gibt seit 30 Jahren Schwimmunterricht. »Früher gab es einfach mehr Möglichkeiten, wo wir mit den Kindern hin konnten«, sagt Günter Burghammer. Nach Ansicht von DLRG und Wasserwacht sollten Freistaat und Kommunen deshalb mehr Geld in Schwimmbäder und in die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen investieren. Außerdem sollte es in Grundschulen einen durchgängigen Schwimm–unterricht geben, so die Meinung vieler Experten.


Rund 70 Prozent können nicht sicher schwimmen

Günter Burghammer hielt seine Schwimmkurse früher im Schwimmbad im St.-Josefsheim ab. »Doch das hat zugemacht.« Das Freibad in Traunstein eigne sich nur bedingt für Schwimmkurse, denn es gebe keinen abgegrenzten Bereich. Außerdem sei das Wasser »für ganz Kleine« zu tief. Der stellvertretende Vorsitzende der DLRG Traunstein-Siegsdorf kritisiert: »Es machen immer mehr Hallenbäder zu und wenn eins neu gebaut wird, dann sind das Spaßbäder oder Bäder mit großen Becken für Schwimmer.«

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Doch wie wird »Schwimmenkönnen« eigentlich definiert? Laut DLRG müssen Kinder dafür 200 Meter am Stück schwimmen können – nicht nur 25 Meter, wie sie für das Seepferdchen-Abzeichen reichen. Der bayerische Ausbildungsleiter der DLRG, Patrick Sinzinger, geht davon aus, dass rund 70 Prozent der Kinder im Freistaat Bayern nicht sicher schwimmen können.

»Schwimmen sollte eine Grundfähigkeit sein – das ist aus unserer Sicht ein Muss«, sagt auch der Vize-Vorsitzende der Wasserwacht Bayern, Ingo Roeske. Dabei reiche das Seepferdchen-Abzeichen nicht aus: »Das ist nichts anderes als eine Wassergewöhnung«, betont er.

Günter Burghammer von der DLRG Traunstein-Siegsdorf sieht hier im Vergleich zu früher eine negative Entwicklung. »Es kommen Kinder zu uns, die können nach zehn Metern nicht mehr, wollen nicht, dass ihr Kopf nass wird, aber sie tragen das Seepferdchen-Abzeichen an ihrem Badeanzug. Die Ausbildung wird schlechter«, kritisiert er.

Georg Leipold, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, fordert einen durchgehenden Schwimmunterricht in der Grundschule, und zwar bis zum Niveau des Bronze-Abzeichens – hierfür werden 200 Meter Schwimmen verlangt.

Keine konkreten Zahlen aus dem Landkreis

Auf Nachfrage teilt Schulamtsdirektor Otto Mayer schriftlich mit, dass es derzeit keine konkreten Daten darüber gebe, wie es mit dem Schwimmunterricht an den Grundschulen im Landkreis Traunstein aussieht – also an welcher Schule gibt es einen? Wo nicht? Und in welchem Umfang findet der Unterricht statt? Diese Daten würden aber in naher Zukunft erhoben, betont er.

Hintergrund der Debatte ist auch die hohe Zahl von Badetoten in Bayern. Hierzu sagt der Mediziner Leipold aber, die Schwimmfähigkeit sei für den Großteil der Ertrinkungsunfälle nicht die entscheidende Größe. Ein Drittel davon passiere auf privatem Gelände: im Gartenteich oder – bei Säuglingen – in der Badewanne. KR