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Viele Einwendungen gegen das Großprojekt Gut Steinbach

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Auf dem Gelände unterhalb der Sprungschanzen sollen die beiden Hoteldörfer errichtet werden. Das große Gebäude ist der ehemalige Steinbacher Hof. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Es könnte das größte Bauprojekt in der Geschichte des Ortes Reit im Winkl werden, das Gut Steinbach. Seit gut drei Jahren befindet sich das ehrgeizige Vorhaben nun schon in der Planungs- und Genehmigungsphase. Jetzt war das Vorhaben wieder Thema im Gemeinderat, der einhellig beschloss, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.


2011 hatte der aus Rottach-Egern stammende Hotelier Claus-Dieter Graf von Moltke den Steinbacher Hof gekauft, ein Hotel mit hoher Bewertung – aber auch mit hohem Sanierungsbedarf. Schon damals war die Idee geboren worden, auf dem Hochplateau zwischen dem Ortskern und der Siedlung Blindau in zwei Hoteldörfern insgesamt 16 Häuser zu erbauen, vorwiegend für touristische Nutzung, aber auch für Neuansiedler. Mittlerweile habe sich die Realität von der damaligen Planung um 35 Prozent entfernt, so bewertet von Moltke heute den aktuellen Planungsstand auf Anfrage, hält allerdings nach wie vor an der Realisierung des Großprojektes fest.

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Über 30 Seiten Stellungnahmen vorgelesen

Der Grund für mancherlei Änderung lag auch in den Einwendungen der Träger öffentlicher Belange auf dem Weg zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes, die in den vergangenen Wochen in der Gemeindeverwaltung eingegangen waren. Genau damit hatte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu befassen. Auch die Fülle an diesbezüglichen Texten, die in der Sitzung von der Leiterin des Bauamtes, Sabine Eisenberger vorgetragen wurde, mag die Außergewöhnlichkeit dieses Vorhabens untermauern: In rund eineinhalb Stunden las sie über 30 Seiten an Einwendungen, Befürwortungen, Ergänzungen, Bestimmungen und entsprechende Stellungnahmen der Verwaltung vor. Die nach den jeweiligen Abwägungen notwendigen Beschlüsse fassten die Gemeinderäte weitgehend ohne größere Diskussion und allesamt einstimmig.

Die umfangreichsten Einwendungen gaben dabei die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt Traunstein ab: Beide begrüßen zwar das Gesamtprojekt als hohen touristischen Gewinn für die Gemeinde und die Region, grundsätzliche Bedenken ergeben sich aber aus der Tatsache, dass mehrere Wohneinheiten für eine dauerhafte Nutzung vorgesehen seien, für Neubürger also und nicht für Übernachtungsgäste. Ursprünglich war hier von sechs Wohneinheiten die Rede – dies kann also sechs Wohnhäusern entsprechen –, diese Zahl wurde jetzt auf drei Einheiten reduziert. Zudem wurde ausverhandelt, dass diese drei Einheiten nicht sofort verkauft werden dürften, dies müsse das Landratsamt und die Gemeinde in eigenen Anträgen zu einem späteren Zeitpunkt separat genehmigen, wobei die Gemeinde hier bereits ihre Zustimmung in Aussicht gestellt hat.

Während die Regierung von Oberbayern ihre Bedenken mit den Bestimmungen des Landesentwicklungsplanes (LEP) begründet (»Es ist anzustreben, die Versiegelung von Freiflächen möglichst gering zu halten«), argumentiert das Landratsamt damit, dass der in diesem Areal geltende Flächennutzungsplan einen Hotelbetrieb vorsehe, Neuansiedlungen seien auf diesem Gebiet eigentlich nicht möglich.

Zwei Investoren sind bereits abgesprungen

Für Graf von Moltke bedeutet dies, dass er zur Finanzierung des Projektes mehrheitlich solche Investoren finden muss, die in einen Hotelbetrieb einsteigen »und das ist deutlich schwieriger als Interessenten anzusprechen, die sich ein Haus kaufen wollen, in dem sie selbstbestimmt wohnen können«, so der Unternehmer. Er fügte hinzu: »Aufgrund des langen Verfahrens und der sich ändernden Bedingungen sind im vergangenen Jahr bereits zwei Investoren abgesprungen.«

Dennoch wolle er an seiner »Vision« festhalten, wobei er mit verschiedenen Einwendungen seitens der Träger öffentlicher Belange durchaus gerechnet habe. So wurden im Verlauf der Gemeinderatssitzung Anregungen und Einwendungen von insgesamt 14 öffentlichen Einrichtungen vorgestellt, hier wurden viele Detailfragen andiskutiert, deren Anregungen teilweise in die künftigen Planungen einfließen.

Grundlegende Bedenken machte der Bund Naturschutz deutlich: »Der Bund Naturschutz Traunstein lehnt das (…) Verfahren aufgrund des hohen Flächenverbrauches, des Eingriffs in das Landschaftsbild und der ungenügenden Ausgleichsmaßnahmen in der vorliegenden Form ab.« Damit bezogen sich die Naturschützer vor allem auf den hohen Flächenverbrauch, wobei die Eingriffsfläche insgesamt 3,4 Hektar betreffe. Für die beiden Hoteldörfer, das Gastronomiegebäude, das Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäude müssten allein 1,1 Hektar an Land überbaut werden. In ihrer Stellungnahme argumentierte die Verwaltung hier mit der Stärkung des Tourismus vor Ort, wobei Ausgleichsmaßnahmen modifiziert würden.

Der Gemeinderat beschloss nach all den Einwendungen schließlich einstimmig, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Dieser wird nun ein zweites Mal öffentlich ausgelegt. Bürgermeister Josef Heigenhauser hofft, dass noch vor Ablauf der momentanen Amtszeit des Gemeinderates auch der Bebauungsplan verabschiedet werden kann. Und der Unternehmer Claus Dieter Graf von Motke, der zusammen mit seinem Architekten Peter Höflinger den Verlauf der Gemeinderatssitzung beobachtete, hat ebenso ein zeitliches Ziel im Blick: »Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, könnten die Hoteldörfer an Weihnachten 2015 eröffnet werden.« ost