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Viele Bürger gedenken der Ermordeten von Surberg

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Gedenken an die Opfer von Surberg, die 1945 von SS-Wachleuten erschossen wurden: Für die Ermordeten wurden bei der Feier in Surtal weiße Tafeln in den Boden gesteckt. (Foto: Wittenzellner)

Surberg – »Das, was geschehen ist, darf nicht in Vergessenheit geraten«, betonte Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel am Sonntagmittag an der Gedenkstätte in Surtal. Traditionell zum Jahrestag des Massakers des 3. Mai 1945 fand dort eine Gedenkfeier statt.


In den letzten Kriegstagen hatten Mitglieder der SS-Wachmannschaft 66 zumeist jüdische Häftlinge erschossen. Vorausgegangen war ein sogenannter Todesmarsch, auf dem die Gefangenen aus verschiedenen Konzentrationslagern qualvoll und unmenschlich durch die Region getrieben wurden. Der Leidensweg der Häftlinge führte sie auch durch Traunstein, von wo aus sie nach einer nächtlichen Rast weiterziehen mussten. An einem Waldrand bei Surberg wurden sie dann von den SS-Schergen ermordet. Wenige Stunden später trafen in der Region amerikanische Soldaten ein.

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Erinnerung als Chance für die Gegenwart

Viele Besucher waren trotz des regnerischen Wetters am Sonntag zur Gedenkfeier gekommen, bei der man auch dem Ende des 2. Weltkriegs gedachte. Oberbürgermeister Kegel zitierte in seinem Grußwort den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der sagte: »Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.« Einer »Genug-des-Gedenkens-Mentalität« erteilte er eine klare Absage: »Wir können und dürfen keinen Schlussstrich ziehen.« Das Erinnern sei dabei kein Selbstzweck, sondern eine Chance für die Gegenwart. Das, was geschehen sei, dürfe sich nie wiederholen. Das Traunsteiner Stadtoberhaupt wies auf »neue Gefahren« hin und nannte exemplarisch das Erstarken des Rechtsextremismus und verurteilte Übergriffe auf Asylbewerber.

Die Ansprache kam in diesem Jahr von Brigitte Höfert aus Salzburg, die 1941 als Tochter des Metzgers Karl Rupitsch aus Mühlbach am Hochkönig im Pongau geboren wurde. Ihr Vater verweigerte den Kriegsdienst und flüchtete, wurde jedoch im Juli 1944 zusammen mit Mitgliedern seiner um ihn gebildeten Widerstandsgruppe entdeckt, nachdem rund 1000 SS-Leute beim sogenannten »Sturm von Goldegg« Jagd auf die sechs Widerstandskämpfer gemacht hatten. Von der Gestapo in Salzburg brutal verhört und gefoltert, wurde er schließlich im Oktober 1944 im Konzentrationslager Mauthausen erhängt. Seine gefangen genommenen Mitstreiter wurden gleichermaßen exekutiert. Lange kämpfte sie dafür, dass die Widerstandskämpfer einen Ort des öffentlichen Gedenkens bekommen (»Ich hatte kein Grab, an dem ich Blumen niederlegen konnte«) und trat mit klaren Worten für die Überzeugungen ihres Vaters ein. Sie sagte, sie sei stolz, dass ihr Vater nicht bei der »sogenannten Verteidigung des Vaterlandes« mitgemacht hat. Höfert betonte, dass das Gedenken, wie in Surberg, eine Mahnung für die Zukunft sei: »Solche Verbrechen dürfen sich nicht wiederholen.«

Keine rationale Antwort auf das »Warum« gefunden

Emma Buggisch von der Erzbischöflichen Maria-Ward-Mädchenrealschule Traunstein-Sparz las ein nachdenkliches Gedicht zum Thema, das die ganze Menschenverachtung eines KZ-Wächters gegenüber seinen gequälten und geschundenen Häftlingen zum Ausdruck brachte. Sie stellte im Nachgang die Frage, warum das Unfassbare geschehen sei und machte deutlich, dass es dafür keine rationale Antwort gebe. Dies sei ihr und ihren Mitschülerinnen bei einem Besuch in einem Konzentrationslager deutlich geworden. In ihrem Appell setzte sie ein Zeichen gegen das Wegschauen und benannte exemplarisch Gewalt gegen Asylbewerber, bei der es gelte, die Augen nicht zu verschließen.

Erfreulich nannte Christine Belser-Huber von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, dass gerade auch in den vergangenen Tagen im Landkreis Traunstein beispielsweise in Trostberg und Schnaitsee aber auch im angrenzenden Grenzgebiet in Österreich an die Opfer des Nazi-Regimes gedacht werde. Dies sei auch vor dem Hintergrund wichtig, dass immer mehr Zeitzeugen versterben.

Wie schon in den vergangenen Jahren praktiziert, konnten die Anwesenden zum Abschluss der einstündigen Feier nach einer Gedenkminute noch Schilder mit den bekannten Namen der Opfer von Surberg in die Wiese stecken. Und auch weiße Tafeln für die Ermordeten, deren Namen nicht nachrecherchiert werden konnten zeugten davon, dass das »Nie wieder« mit dem Aufrechthalten des Gedenkens an die Opfer einhergeht. Die Opfer sollten nicht vergessen werden, an das Schicksal jedes einzelnen Menschen solle gedacht und seiner erinnert werden. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Markus Gromes mit der diatonischen Harmonika begleitet. awi