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»Viele Asylbewerber suchen Arbeit«

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Marquartstein – Knapp 50 Asylbewerber leben derzeit in Marquartstein, darunter vier bereits anerkannte mit Bleiberecht, berichtete Peter Lloyd als Sprecher des Arbeitskreises Integration in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Alle sind Männer, der größte Teil zwischen 20 und 30 Jahren, nur einige davon älter. Die meisten kommen aus Afghanistan, 13 aus Pakistan und wenige aus Syrien. Zu Beginn des Jahres lebten noch gut 60 Flüchtlinge in Marquartstein, von denen inzwischen aber einige abgeschoben wurden, freiwillig ausreisten oder auf andere Unterkünfte verteilt wurden, zum Beispiel weil sie anderswo Arbeit fanden.


Nachdem der Vertrag mit dem Landratsamt für das Brücknhäusl im Mai nicht mehr verlängert wurde, leben die Asylbewerber jetzt im Haus an der Gränzmühle, einem kleinen Haus in der Staudacher Straße und einer Wohnung an der Lanzinger Straße. Alle sind sie inzwischen Selbstversorger, kaufen ein und kochen für sich. Bei den meisten Asylbewerbern in Marquartstein sei die Anhörung inzwischen erfolgt oder stehe kurz bevor, berichtete Lloyd, sodass der Bescheid vom Bundesamt, ob sie anerkannt werden oder nicht, demnächst eintreffen werde.

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Viele der Flüchtlinge sprechen inzwischen deutsch. Nach wie vor geben zehn Helfer aus dem Arbeitskreis Deutschunterricht, wobei in kleinen Gruppen zunehmend mehr Konversation gemacht wird, zum Beispiel auch bei Wanderungen. »Die meisten der Asylbewerber suchen Arbeit«, sagte Peter Lloyd. Viele seien handwerklich sehr geschickt, haben aber meist keine herkömmliche Berufsausbildung. Sie könnten zum Beispiel auf Baustellen oder in der Gastronomie arbeiten, was einige in der Saison, schon getan haben. »Die Arbeitgeber sind zufrieden«, sagte Peter Lloyd, wobei die gleichen Gesetze zum Mindestlohn gelten, wie bei Deutschen. Es sei inzwischen auch nicht mehr schwierig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, wobei der Arbeitskreis, falls nötig, seine Hilfe anbiete. Ein Afghane sei seit mehreren Monaten an zwei Wochentagen mit gutem Erfolg bei der Gemeinde mit einem Ein-Euro-Job beschäftigt, berichtete Bürgermeister Andreas Scheck.

Dem Arbeitskreis Integration gehören rund 20 ehrenamtliche Helfer an, die sich vor allem um den Deutschunterricht kümmern, aber auch bei Problemen des täglichen Lebens helfen, zum Beispiel beim Gang zum richtigen Facharzt, bei der Arbeitssuche oder im Umgang mit den Behörden. Manche Helfer im Arbeitskreis wandern, malen oder treiben Sport mit den ausländischen Gästen. Besonders gern spielen die Männer Fußball, wobei jugendliche Einheimische auch immer gefragt sind. Um auch neue Kontakte mit den Einheimischen anzuregen, veranstaltet der Arbeitskreis etwa alle zwei Monate das »Café Integration« im evangelischen Gemeindezentrum, wo getrommelt, getanzt und gespielt werden kann.

Der Arbeitskreis sucht auch günstige, einfache Wohnungen für die Asylbewerber, berichtete Lloyd weiter. Denn wenn sie anerkannt würden, dürften sie nur noch eine begrenzte Zeit in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen. Bei Angeboten und Nachfragen gibt Peter Lloyd unter der Telefonnummer 08641/8470 gerne Auskunft. Der Helferkreis Integration hat seinen regelmäßigen Stammtisch an jedem letzten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Gasthof Prinzregent. Dazu können Interessierte jederzeit kommen. gi