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Viel Nachwuchs, aber weniger Aktive

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Ruhpolding. Es dämmert bereits, als die Mannschaft der Bergwacht Ruhpolding an einem Mittwoch im Februar 2013 zum Depot eilt. Es herrscht tiefster Winter. Zu Fuß, mit dem Allradfahrzeug und per Gondel – von allen Seiten nähern sich die Retter der schwer zugänglichen Unglücksstelle am Kienberg. Was ist passiert? Ein Hubschrauber ist abgestürzt. Der Pilot ist schwer verletzt, aber am Leben.


Das war wohl der dramatischste Moment des Jahres 2013 bei der Bergwacht Ruhpolding. Ein besonderer Einsatz, bei dem glücklicherweise niemand starb. Bei der Jahreshauptversammlung blickte man noch einmal zurück auf das abgelaufene Jahr. Neben dem Einsatz am Kienberg gab es rund 80 weitere Einsätze, zum Beispiel am Sonntaghorn, an der Hörndlwand und am Staubfall. Verletzte Kletterer oder Gleitschirmflieger mussten die Bergwachtler bergen, den Waldbrand am Thumsee bei Bad Reichenhall galt es zu bekämpfen. Und das alles mit immer weniger Leuten.

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Insgesamt engagieren sich in Ruhpolding 34 aktive Bergwachtler, das ist erneut ein leichter Schwund im Vergleich zum Vorjahr. Zwar sitzen in den Reihen der Bereitschaft viele junge Nachwuchskräfte, trotzdem macht sich der demografische Wandel bemerkbar: »Wir haben viele aktive Mitglieder, die auch noch alle fleißig mitarbeiten. Aber die Aktiven auf dem Bereitschaftsplan werden weniger«, sagt Bereitschaftsleiter Winfried Renner. Hinzu kommt, dass jüngere Bergwachtler zunehmend auswärts studieren oder arbeiten und für Einsätze an Werktagen wegfallen. Da steigt der Druck auf die Wenigen, die dauernd vor Ort sind.

Neben Leben retten bedeutet Bergwacht-Arbeit auch Verwaltungs- und Verbandstätigkeit. Das Verhältnis zur Gemeinde, dem Forst, den Bergbahnen und zu den anderen Rettungsdiensten will gepflegt sein. Außerdem packen die Ruhpoldinger Bergwachtler seit Jahren bei Wettbewerben in der Chiemgau-Arena an, sichern die Skipisten am Unternberg und opfern ihre Freizeit für Übungen. Und daneben ist immer auch Platz für Ausflüge und Feste. Das stärkt den Teamgeist und bereichert das Vereinsleben im Dorf.

Und wenn eine Naturkatastrophe die Menschen überfällt, wie im vergangenen Juni das Hochwasser im Raum Deggendorf, dann brechen die Ruhpoldinger Bergwachtler sofort auf. Auch wenn der Einsatz mit Bergen überhaupt nichts zu tun hat. sna