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Viel Muskelkraft war gefragt

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Bei der Aufstellung des »Baumes der Nationen« war Teamarbeit zwischen Inzell und Holland gefragt. Weitere Fotos finden Sie unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos im Internet. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde mit Unterstützung mehrerer Vereine an der Eisschnelllaufakademie ein »Baum der Nationen« aufgestellt. Zugleich veranstaltete der Holländer Marnix Wieberdink, der das frühere Inzeller Krankenhaus für die Förderung von Eisschnelllauf-Spitzensportlern aus der ganzen Welt umgebaut hat, einen »Tag der offenen Tür«.


Neben der Akademie konnte man auch das neue »Top-Sport-Hotel« im ehemaligen Ärztehaus besichtigen, das Wieberdink vor kurzem gekauft hat. Zurzeit leben und trainieren in der Akademie 17 Eisschnellläufer, sieben Frauen und zehn Männer, darunter 500-Meter-Weltrekordler Jeremy Wotherspoon aus Kanada und Beixing Wang aus China als Trainer.

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Wieberdink, dem das Chiemgauer Brauchtum sehr gefällt und der im Dorf mit seiner Familie bereits bestens integriert ist, ließ die Aufstellung nach Art des Maibaumbrauchs inszenieren. Der Trachtenverein »D' Falkastoana« Inzell hatte den Baum gestohlen. Auf dem Baum reitend, beförderten ihn die Trachtler mit einem Oldtimer-Bulldog zur Akademie. Der über 25 Meter lange Fichtenstamm ist ein Geschenk der Gemeinde Inzell aus ihrem Gemeindewald bei Adlgaß.

Zunächst musste Wieberdink den Baum auslösen und kam nach Einschätzung von Trachtler-Vorstand und Bürgermeister Martin Hobmaier glimpflich davon: In einer lebhaften Verhandlung einigte man sich darauf, dass er für die vierjährige Lebensdauer des Nationenbaums 350 Euro zahlen muss sowie eine Brotzeit und Bier für alle spendieren muss, die an der Aufstellungszeremonie beteiligt waren. Der Holländer, selbst in Lederhose, ließ sich nicht lumpen und sorgte persönlich für Bier-Nachschub für die Aufsteller und die Musikkapelle Inzell. Da der Baum frisch geschlagen und das Holz noch nass war, wog er nach Einschätzung von Zimmerermeister Peter Spannring, der die Regie hatte, etwa 1,2 Tonnen. So war viel Muskelkraft gefragt, nicht nur beim Aufstellen, sondern bereits beim Rangieren, bis das untere Stammende endlich zur Verankerung befördert war. »Das Teamwork zwischen Holland und Inzell klappt noch nicht so ganz«, ermunterte Moderator Pino Dufter die etwa 40 Helfer diverser Generationen. Auch ein Ruhpoldinger packte mit an, Hurricanes-Sänger Herbert Ringsgwandl. Für Sicherheit sorgten Feuerwehr und Bergwacht. Dank immer besserer internationaler Zusammenarbeit und eines kräftig anfeuernden Publikums stand der Baum in knapp zwei Stunden – ein Schlittschuh ziert seine Spitze.

Auch frühere Inzeller Eisschnellläufer wie Hans Lichtenstern und Gerd Zimmermann verfolgten das Geschehen gespannt. »Das ist ja gewaltig. Aber der Marnix ist ja bekannt für gewaltige Ideen«, zeigte sich Zimmermann beeindruckt. Der ehemalige Vizepräsident der International Skating Union sollte nach der Aufstellung die Fahne des internationalen Verbands am Baum montieren. Da es inzwischen regnete, wurde dies verschoben. Am Baum werden außerdem Tafeln mit den Nationalflaggen der in der Akademie vertretenen Länder – anstelle der Zunfttafeln der Maibäume – angebracht.

Im wasserdichten Berber-Zelt feierten schließlich Jung und Alt gemeinsam und förderten damit auch den Verein »Vision Ice« zur Unterstützung des heimischen Eisschnelllauf-Nachwuchses. Später stellten sich die Akademie-Sportler in Interviews mit Pino Dufter vor. vm