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Viel Kritik von Bruder Barnabas und ein gelungenes Singspiel

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»Hob koa Zeit!« Die bekannte Feststellung aller Rentner erhielt Bürgermeister Josef Mayr schriftlich von Bruder Barnabas, damit er sie nicht so oft sagen muss. (Fotos: H. Eder)
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Riesenapplaus für die Damen vom Kirchenchor: Das Singspiel war ein Höhepunkt des Abends – sowohl von den Texten wie auch von der Qualität der Musik.

Wonneberg. Einen vergnüglichen Abend bereiteten Fastenprediger Bruder Barnabas alias Alfons Mader, Witzeerzähler Josef Löx und die Kirchenchormitglieder mit ihrem Singspiel den Besuchern im restlos gefüllten Saal des Gasthauses Gruber in Weibhausen. Beim Derblecken war die Suche nach geeigneten Bürgermeister-Kandidaten für Wonneberg ein Hauptthema, aber auch Landrat und Nachbarsbürgermeister blieben nicht ungeschoren.


Vor allem aber informierte der Fastenprediger über die wahren Gründe, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist. Der frühere Papst war zum Starkbierfest in Weibhausen geladen, wollte eigentlich auch kommen, war aber hin- und hergerissen, weil gleichzeitig das Starkbierfest in Traunstein stattfand und er die Traunsteiner nicht beleidigen wollte. In dieser diplomatisch schwierigen Situation sah er schließlich in einem Rücktritt die eleganteste Lösung.

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Ein Playboy-Plakat für den Surberger Bürgermeister

Zwischendurch ließ Bruder Barnabas auch den sozialen Zweck des Abends nicht in Vergessenheit geraten: Der Erlös der Veranstaltung inklusive reichlicher Spenden, die am Abend noch zusätzlich flossen, geht an Familien mit behinderten oder kranken Angehörigen, die das Geld gut brauchen können. Auch von jeder Maß Starkbier gingen 50 Cent in die Spendenkasse.

Nach all diesen Vorreden ging's dann zur Sache. Opfer Nummer eins: die Gemeinde Waging. Im Mittelpunkt der Kritik standen der »olivgrüne« Kindergarten und der überflüssige Aufzug im Seniorenheimkeller. Lob gab es dagegen für die Verschönerung des Kreisverkehrs, der beim letzten Starkbierfest noch als der »greislichste in ganz Bayern« ausgezeichnet worden war.

Lob erhielt auch der Surberger Bürgermeister: Für seinen Widerstand gegen ein Güterterminal in Hufschlag überreichte Bruder Barnabas an Sepp Wimmer ein rotes Tuch mit der Aufschrift »Güterterminal – Da seh ich rot« und als kleinen Gag noch ein Poster einer feschen Gemeindebürgerin, der Skicrosserin Sabine Weilharter aus dem »Playboy«. »Damit er auch noch an was anderes denkt als nur an das Terminal«.

Und schließlich fand Bruder auch in Landrat Hermann Steinmaßl noch ein dankbares Opfer, dem er etliche bezeichnende Geschenke angedeihen ließ. Ein Tempo gab es für die vielen Tränen, die der Landrat noch vergießen werde, weil er jetzt dann aufhören muss, außerdem Leberkäs und Gurken, die er laut Zeitungsberichten gern esse.

Nach diesen Ausflügen kehrte der Fastenprediger in seine Heimatgemeinde zurück und schilderte in pathetischen Worten den 28. Februar als epochalen Tag, aber – wie sich allmählich herausstellte – nicht wegen des Papst-Rücktritts, sondern weil just am gleichen Tag der Wonneberger Bürgermeister Josef Mayr in den Ruhestand getreten ist, natürlich nicht als Bürgermeister, sondern in seinem »Nebenberuf« bei der Stadt Traunstein. Um auf eventuelle Anfragen nicht ständig das Gleiche sagen zu müssen, erhielt Mayr vom Fastenprediger ein Schild überreicht, auf dem die stereotype Aussage aller Rentner geschrieben stand: »Hob koa Zeit!«

Erstmals gab es beim Starkbierfest in Weibhausen ein Singspiel, ganz nach dem Vorbild vom Nockherberg. Und ebenso wie das heurige Singspiel in München überaus gelobt worden war, so fielen auch die Kommentare und der Beifall zum Singspiel in Weibhausen überwältigend aus – völlig zu Recht.

Das Singspiel war eine Eigenproduktion des Kirchenchors: Innerhalb von nur zwei Monaten waren Texte gedichtet, Schlager ausgesucht, neu arrangiert und eingeübt worden. Und daraus entstand eine Präsentation, die von den Texten her amüsant und kreativ war und die nicht zuletzt musikalisch und sängerisch ein Ohrenschmaus war. Am Keyboard von Hans Greisberger begleitet, besangen die fünf Damen, mit kurzen Dialogen von Maria Frisch und Heinrich Gebauer eingeführt, wie bedauerlich es sei, dass Bürgermeister Josef Mayr nicht mehr kandidieren wolle – zumal er jetzt in seinem »Nebenberuf« im Bauamt der Stadt Traunstein aufgehört hat.

»Herzilein, du musst nicht traurig sein!«

Danach sangen sie ein Loblied auf ihn, seinen Fleiß und seine Liebe zum Bauen zur Melodie von: »Schaffe, schaffe, Häusle baue, und stets nach dem Rechten schaue«. Und dann folgte noch ein Appell zum Bleiben: »Sepp, bleib da, wir wissen net, wer nach dir kommt«. Und wenn ihm dann langweilig sei, dann könne ihn seine Frau mit folgender Weise trösten: »Herzilein, du musst nicht traurig sein!«

Im Folgenden widmeten sich die Sängerinnen der Suche nach potenziellen neuen Kandidaten. Sie fanden auch welche und besangen deren Qualitäten so eingängig, dass niemandem verborgen blieb, wer jeweils gemeint war: Peter Wolff als »Märchenprinz«, Hermann Eder als »Unbekannter Mann« nach dem Schlager vom »Schönen, fremden Mann« und Alfons Mader mit »Hoch auf dem gelben Wagen«.

Der Abend wurde musikalisch umrahmt von den Leada Musikanten und dem Obermooser Quintett. Sepp Löx strapazierte mit seinen Witzen die Lachmuskeln noch in besonderer Weise. he