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Verwaltung soll Alternativen erarbeiten

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An der Rückseite der Ludwig-Thoma-Schule soll der Anbau mit vier Klassenzimmern, Küche und Speisesaal entstehen. Weil die Kostenmehrung um etwa eine halbe Million auf 2,5 Millionen Euro mit der schlechten Bodenbeschaffenheit begründet wurde, beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, weitere Alternativen zu entwickeln. (Foto: Hohler)

Traunstein – Zu einer Verzögerung im Anbau an die Ludwig-Thoma-Schule für die Ganztagesbetreuung führt der Beschluss des Stadtrats in seiner gestrigen Sitzung. Anders als zuvor der Finanzausschuss votierte das Gremium mit 9 zu 14 Stimmen gegen den Beschlussvorschlag, die rund 2,5 Millionen Euro teure Planung des Anbaus mit vier Klassenzimmern, Küche und Speisesaal in aufgeständerter Bauweise (auf Säulen) fortzuführen.


Im November hatte das Gremium angesichts der Kostenmehrung von etwa einer halben Million Euro beschlossen, dass das beauftragte Architekturbüro Färbinger Rossmy aus München günstigere Alternativen prüfen sollte. Ergebnis war, dass es nicht günstiger wäre, alle Klassenzimmer im Erdgeschoß oder je zwei übereinander anzuordnen, weil der Boden so schlecht sei, dass man mit Gebäudeabsetzungen um fünf bis sechs Zentimeter zu rechnen habe. Damit wäre die Barrierefreiheit nicht mehr zu machen, hieß es von Verwaltungsseite.

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Oberbürgermeister Christian Kegel sagte dazu, am Ende wären die vorgeschlagenen Alternativen möglicherweise noch teurer als die favorisierte Aufständerung mit Bohrpfählen. »Letzten Endes wäre also doch die Ständerlösung zu favorisieren. Jeder Monat, den wir zögern, beeinträchtigt den Schulbetrieb«, so Kegel.

»Ich glaube das einfach nicht, was uns da erzählt wird«

Dazu erneuerte Wolfgang Osenstätter (CSU) seine Ablehnung: »Ich glaube das einfach nicht, was uns da erzählt wird. Erst zeichnet uns das Büro was Schönes und redet von 1,7 bis 1,8 Millionen Euro, dann sind wir plötzlich bei 2,5 Millionen Euro. Zurück können wir aber nicht, weil wir schon bei der Planung sind. Mir gefällt dieses Vorgehen nicht.« Warum man für einen »Pippifax-Anbau mit vier Klassenzimmern 26 Bohrpfähle mit zehn Meter Tiefe braucht, das verstehe ich nicht«, sagte Josef Kaiser (UW). »Da müsste der Altbau ja schon lang zusammengefallen sein.«

»Der Altbau ist 40 Jahre alt und ruht in sich«, sagte Richard Hagenauer vom Hochbauamt dazu. »Jeder Neubau hat ein anderes Setzungsverhalten, aber um die fünf, sechs Zentimeter auszuschließen, brauchen wir die Bohrpfähle.« Und auf Josef Häuslers (CSU) Frage, warum man das Gebäude nicht einfach unterkellert, sagte er: »Dann haben wir auch noch die Mehrkosten für den Keller. Das Bodengutachten vom August besagt, dass der Boden bis in zehn Meter Tiefe nicht trägt.«

Ernst Harrecker (CSU) platzte der Kragen: »Dann bauen wir halt die Gebäude nicht direkt aneinander, sondern einen Übergang, in den wir die Setzung einrechnen, das muss doch möglich sein!« Auf den Verwaltungseinwand, die Barrierefreiheit sei bei Setzungen von vier bis sechs Zentimetern nicht zu machen, fragte Josef Kaiser nach Setzungen zwischen Schulhaus und Turnhalle – Letztere wurde ja auch 20 Jahre nach der Schule gebaut. Daraufhin machte Hagenauer geltend, dass keiner der befragten Fachleute die Verantwortung für etwaige Setzungen übernehmen wolle. Und Stadtbauamts-Leiter Klaus Hechfellner ergänzte, »es muss ja nicht sein, dass es sich setzt, aber das Risiko ist zu groß.«

»Kam etwas heraus, was herauskommen sollte?«

Christian Hümmer (CSU) ergänzte: »Mir geht's ähnlich, mich würde interessieren, ob ein anderes Büro zum gleichen Ergebnis kommt. Es drängt sich für mich der Verdacht auf, dass bei dem Bodengutachten etwas herauskam, das herauskommen sollte. Mein Bauchgefühl ist da einfach komisch. Ich tu mir schwer, das zu glauben.« Sein Beispiel, die Tiefgarage am Kurhaus stehe ja auf dem gleichen Grund, nahm Klaus Hechfellner als »gutes Beispiel: die Kosten haben bei Weitem das übertroffen, was der Bauherr gedacht hatte«.

Walburga Mörtl-Körner (Grüne) verglich das Projekt mit dem Brandschutz: »Wenn's drum geht, wer am Ende die Verantwortung trägt, werden wir wohl zustimmen müssen.« Ähnlich sah das Ernst Haider (UW): »Ich hab ja die Diskussion angezettelt, aber wir werden da wohl den Fachleuten glauben müssen, also werde ich am Ende aus Sachargumenten zustimmen müssen, auch wenn's mir nicht gefällt.«

Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, reagierte Oberbürgermeister Christian Kegel schnell und eröffnete nach dem Ende des öffentlichen Teils der Sitzung und der Pause nochmals kurz die öffentliche Sitzung. Spontan folgte eine Mehrheit von 15 zu 8 Stadträten dem Vorschlag, an der Sanierung des bestehenden Schulhauses nicht zu rütteln, und die Verwaltung parallel dazu damit zu beauftragen, für den Anbau weitere Alternativ-Vorschläge zu erarbeiten. coho

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