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Verstärkung für das heimische Metzgerhandwerk

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Er ist Prüfungsbester der Metzger-Innung: Metzger Georg Wiesbacher (Mitte). Landrat Siegfried Walch, Innungs-Obermeister Rudolf Riedler, Prüfungsvorsitzender Peter Eicher jun. und Ehren-Kreishandwerksmeister Peter Eicher (von links) gratulierten.

Traunstein – Es ist die traditionelle Anerkennung für Handwerkslehrlinge nach bestandener Prüfung: Die Freisprechung, gleichbedeutend mit dem Ende der Lehrzeit.


War dies früher auch das Ende der strengen Zucht der Lehrherren, die körperliche Züchtigung und das Eheverbot mit einschloss, so ist es in der Moderne eine Anerkennung des erfolgreichen Abschlusses. So auch bei der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, die am Freitagabend im Brauereiausschank Schnizlbaumer 13 junge Gesellen freisprechen konnte. Prüfungsbeste waren Claudia Helminger und Georg Wiesbacher.

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Chancen im Wurstland Deutschland

Obwohl die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen Jahren im heimischen Metzgereihandwerk immer mehr zurückging, was vor einigen Jahren auch den Berufsschulstandort in Traunstein kostete, waren Festgäste aus der Kommunalpolitik, der Innung, den Berufsschulen und Familienangehörige zur Festveranstaltung der Gesellen gekommen. Diese waren an dem Abend die Hauptpersonen, deren Leistungen in vielfältiger Weise gebührend gewürdigt wurden. Acht Metzger (darunter eine weibliche Teilnehmerin) legten die Prüfung erfolgreich ab, bei den Fachverkäuferinnen waren es fünf Teilnehmer (darunter ein männlicher Teilnehmer) sowie eine Teilnehmerin aus der Frühjahrsprüfung.

»Auch wenn wir zahlenmäßig nicht mehr die stärkste Fraktion sind, so wollen wir doch für unsere jungen Kollegen eine würdige Feier veranstalten. Danke, dass Sie durch Ihre Anwesenheit ihnen Ihre Wertschätzung entgegenbringen«, betonte Obermeister Rudolf Riedler. Doch im Wurstmacherland Deutschland gäbe es viele Möglichkeiten, betonte er.

Letzter Jahrgang in Traunstein

Der Abschluss der diesjährigen dreijährigen Ausbildung stellt zugleich den letzten Jahrgang an der Berufsschule I Traunstein dar. »Leider ist es nicht gelungen, den Schulstandort zu erhalten. Das ist für uns ein großer Nachteil«, sagte der Obermeister. Von über 100 Betrieben sei das Metzgerhandwerk nun auf 28 Betriebe in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land geschrumpft, was sich auch auf die Lehrlingszahlen auswirke.

»Ein lachendes und weinendes Auge« machte Landrat Siegfried Walch mit Blick auf den nicht mehr weiter geführten Berufsschulstandort für das Metzgerhandwerk in Traunstein aus. »Das Signal ist nicht: Die Metzger sind auf dem Rückzug, sondern: Das Metzgerhandwerk hat Zukunft. Die Wertschätzung der Kundschaft für das Metzgerhandwerk steigt.« Der Landrat outete sich als »bekennender Fleischesser«. Brauchtum und Handwerk seien eng verknüpft, was man auch an dem Festabend der Innung sehe.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner sagte mit Blick auf die Freisprechungsfeier: »Schön, dass es diese Bräuche noch gibt.« Die Mitarbeiter im Metzgerhandwerk würden eine hohe Verantwortung tragen, betonte sie. Die Vermarktung regionaler Produkte werde immer gefragter. »Die Verbraucher wollen wissen, wo das Fleisch herkommt.« Daneben seien auch Fragen der Tierhaltung von wichtiger Bedeutung. »Vertrauen Sie auf sich und auf Ihr Können«, rief sie den jungen Gesellen zu.

»Sie haben den Abschluss verdient«, sagte der Schulleiter der Gewerblichen Berufsschule, Wolfgang Kurfer. Er lobte das gute Zusammenwirken im Rahmen der dualen Ausbildung.

Anton Reichthalhammer, stellvertretender Schulleiter der privaten Berufsschule Traunreut, betonte, die jungen Handwerker hätten ein gesundes Fundament für ihre eigene berufliche Entwicklung gelegt. Es sei wichtig, sich weiterzubilden, um den hohen Qualitätsstandard und die Regionalität in der Versorgung zu erhalten. Er ermutigte die Jung-Gesellen, sich ehrenamtlich zu engagieren: »Mischt euch ein.«

Die gute Stimmung der Freisprechung sollte mit in den beruflichen Alltag genommen werden, sagte Prüfungsvorsitzender Peter Eicher jun.. Der Beruf könne stolz machen. Der Gesellenbrief sei eine »Eintrittskarte in die berufliche Zukunft«, betonte Ehren-Kreishandwerksmeister Peter Eicher, der im Nachgang in einer kurzen Zeremonie die jungen Fachkräfte von den Pflichten ihrer Lehrzeit freisprach und sie in den Stand der Junggesellen erhob.

Tradition wird großgeschrieben

Im Anschluss gab es die begehrten Gesellenbriefe, die die Perspektive in ein erfolgreiches Berufsleben ermöglichen sollen. Dieser ist der Grundstock für weitere erfolgreiche berufliche Wege für so manchen Gesellen, steht doch in der Zukunft auch der Meisterbrief als eine mögliche Option an.

Prüfungsbeste bei den Fachverkäuferinnen ist Claudia Helminger vom Ausbildungsbetrieb Katrin Rührgartner in Traunstein mit einem Schnitt von 2,0. Bei den Metzgern konnte Georg Wiesbacher von der Metzgerei Gumping in Feldkirchen in Theorie und Praxis überzeugen und wurde als Prüfungsbester mit ebenfalls 2,0 geehrt.

Dass das Metzgerhandwerk auch regional auf eine lange Tradition zurückblicken kann, wurde auch durch das traditionell übliche Aufstellen des Zunftkreuzes der ehemaligen Metzgerinnung Laufen deutlich. Schon damals hatten sich Handwerker in Zünften und später in Innungen zusammengeschlossen. Für den richtigen Ton sorgte am Freitagabend wieder das Harfen-Duo Ehrenlechner-Reiter. awi

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