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Verstärktes Eschentriebsterben im Chiemgau

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An diesen Eschen am Oberlauf der Alz bei Seebruck hat der Pilz »Hymenoscyphus pseudoalbidus« ganze Arbeit geleistet. (Foto: Müller)

Wer derzeit durch Misch- und Laubwälder spaziert, dem fällt auf, dass es der Esche gar nicht gut geht. Beim genaueren Betrachten könnte man meinen, die Eschen hätten eine mehrwöchige Dürre- und Hitzeperiode hinter sich, so vertrocknet schauen die entblätterten Triebe und auffallend lichten Baumkronen aus. Doch dem ist nicht so. Vielmehr ist das sogenannte Eschentriebsterben die Ursache, das von einem Pilz verursacht wird.


»Das Eschentriebsterben wurde in unserem Amtsbereich erstmals 2008 festgestellt und hat sich in den ersten Jahren rasant ausgebreitet«, betont Bernd Dürrbeck vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. In den vergangenen zwei Jahren habe man eine »Verlangsamung der Ausbreitung« verzeichnet. Doch Wissenschaftler, Förster, Waldbauern und Naturschützer haben sich wohl zu früh gefreut, denn heuer scheint der Pilz »Hymenoscyphus pseudoalbidus« (»Falsches Weißes Stengelbecherchen«), der sich durch Sporenflug verbreitet und die Eschen massiv in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, wieder sehr aktiv zu sein. Weil sich das Eschentriebsterben mittlerweile in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas etabliert hat und jungen und alten Bäumen gleichermaßen zusetzt, wird derzeit gezielt an der Aufklärung von Infektionsweg, Krankheitsverlauf und Ausbreitung des vermutlich aus Japan stammenden Pilzes geforscht.

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In Europa ist der Pilz um die Jahrtausendwende erstmals im Baltikum und in Polen aufgetreten und habe sich von dort ausgebreitet, so Hannes Krauss, Gebietsbetreuer Chiemsee. Aus seiner Sicht mache es keinen Sinn, Chemie zum Schutz der Eschen einzusetzen. Das wäre ähnlich aussichtslos wie der Kampf gegen das inflationär auftretende Indische Springkraut, das auch ein Stück weit der Globalisierung geschuldet sei. Hier wie bei der Esche setze er darauf, dass sich das ökologische Gleichgewicht wieder von alleine einstelle, betonte Krauss. Sollte der Krankheitserreger bei den Eschen aber nicht zurückgehen oder sich keine Resistenzen dagegen ausbilden, könnte es der Esche schon bald so ergehen, wie der Ulme, die in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend verschwunden ist.

Das Ulmensterben wird von Schlauchpilzen der Gattung Ophiostoma verursacht und durch Ulmensplintkäfer verbreitet. Der Pilz befällt die meisten europäischen Ulmen und unterbindet den Wassertransport in deren Gefäßen. Während man gesunde Ulmen heute fast nur noch in den Bergen antrifft, war die Baumart beispielsweise zur Römerzeit im Alpenvorland ähnlich verbreitet wie die Eiche. Den Beweis liefern antike Straßenfundamente aus Baumstämmen, die man vor 40 Jahren westlich von Seebruck bei Lambach entdeckte. Fast 2000 Jahre später sind in Seebruck die letzten Ulmen verschwunden, die letzten wurden vor wenigen Jahren gefällt. Es wäre schon ein bemerkenswerter, wenn nicht sogar einmaliger Vorgang, wenn zwei seit Jahrtausenden hier lebende Baumarten in so kurzer Zeit aus der heimischen Kulturlandschaft verschwinden würden. Doch laut Forstamtsrat Dürrbeck »gibt es keine Hinweise, dass bei uns in früheren Jahrhunderten Baumarten durch Pilzinfektionen verschwunden sind«. mmü