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Verständigung über Sprachbarrieren hinweg

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Der Trommelgruppe aus Inzell schloss sich spontan auch ein kleiner Bub aus Nigeria an. Die Besucher des Friedensfests waren begeistert und klatschten kräftig mit. (Foto: Bauregger)

Inzell – Ein interreligiöses Friedensfest feierten Einheimische und Asylbewerber in der Gemeinde Inzell im Pfarrsaal. Das Fest stand unter dem Motto »Kulturen erleben, Kulturen verbinden« – und es war ein fröhliches und herzliches Gemeinschaftserlebnis mit Liedern, Musik und Gedichten aus verschiedenen Kulturkreisen. Eine große Rolle spielte in den spirituellen Beiträgen die Weihnachtsbotschaft »Fürchtet euch nicht...«, die dazu einlädt, die Angst abzustreifen und mutig für den Frieden in der Welt einzustehen und zu beten.


Bereits im Vorfeld wurde viel getan

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Bereits im Vorfeld des Friedensfests hatten viele fleißige Hände mitgeholfen, dass die Veranstaltung gelingt. Die Firmgruppe kümmerte sich zum Beispiel um das Schmücken des Pfarrsaales und um die Bewirtung. Eingebunden in die Vorbereitungen waren auch die Sozialbetreuerinnen Lisa Rott und Felicitas Wendt sowie die Wirtsleute des Gasthofs Fantenberg.

Philipp Moser eröffnete den Nachmittag mit einer kleinen Geschichte. Johanna Schmuck berichtete für die Kolpingjugend kurz von der Plätzchenbackaktion und Pfarrer Quirin Strobl von einer Einladung zu einer »Party« im Berghof, wo Flüchtlinge für ihn kochten. Philip Moser stellte auch Zulqarnain Anwar aus Pakistan vor, der seit geraumer Zeit für die Pfarrei als Verbindungsmann zu den Asylbewerbern fungiert.

Damit möglichst alle Gekommenen das Gesprochene auch einigermaßen verstehen konnten, hatte Moser an diesem Nachmittag auch Helfer dabei, die in Englisch, Syrisch und Afghan übersetzten.

Trotz der Sprachbarrieren gelang es aber schnell, mit verschiedensten Vorträgen aus den jeweiligen Kulturkreisen, verbindliche, herzliche und ansteckende Gemeinsamkeit zu schaffen. So dankte ein Afghane den Inzellern mit einem Liebeslied aus seiner Heimat und sang zusammen mit einer Deutschlehrerin »Oh Tannenbaum«.

Eine Gruppe afghanischer Männer tanzte, akrobatisch und dynamisch, auf orientalisch anmutende Melodien. Männer aus Syrien brachten sich mit Liedern ihrer Heimat oder mit modernen Soundimitationen ein. Ein älterer Mann aus Damaskus bedankte sich, mit sehr bewegter Stimme für die Aufnahme in Deutschland und explizit in Inzell. Mühsam hatte er die Deutsche Nationalhymne eingelernt, die er, untermalt von Trompetenklängen, zum Besten gab.

Junge Mütter aus Nigeria tanzten zu rhythmischen Klängen ihrer Heimat zusammen mit ihren kleinen Kindern. Die Inzeller stellten ihre Kultur mit zwei alpenländischen Liedern vor, die Martin Jochner auf der Trompete und Martina Christoph auf ihrem Hackbrett anstimmten. Eine Trommelgruppe aus dem Ort, der sich auch ein kleiner Junge aus Nigeria anschloss, animierte die Besucher zum Mitklatschen.

Schließlich zeigte eine spontan zusammengewürfelte Gruppe Inzeller den »Sterntanz«, den diese im Anschluss gemeinsam mit Asylbewerbern noch einmal tanzte. Zur abendländischen Kultur gehört sicher die Weihnachtsgeschichte, die Georg Spannring vorstellte. Annelie Gromoll vom »Helferkreis Asyl« wartete mit einem ganz besonderen Geschenk auf: Sie verteilte ein Kärtchen mit dem Motiv der »Scherbenengel« aus Israel und einem Dankgedicht der Einwanderer an Inzell. Ein Friedensgebet, ein Friedenslied und das Anzünden kleiner Kerzen am Friedenslicht aus Bethlehem schlossen den offiziellen Teil ab, nach dem alle Asylbewerber einen kleinen Verbandskasten, mit Erklärung durch Anita Pointner, als Geschenk erhalten hatten.

Großes Engagement für Asylsuchende

Derzeit wohnen in Inzell im Berghof 51 Erwachsene und 10 Kinder, im ehemaligen Gasthof Fantenberg 26 erwachsene Männer. Sie werden von vielen Ehrenamtlichen betreut. Zum einen engagieren sich Mitbürger im »Helferkreis Asyl« um Annelie Gromoll. Darüber hinaus ist es auch dem Pfarrgemeinderat der Katholischen Pfarrei St. Michael, der eigens den »Ausschuss Asyl« eingerichtet hat, ein großes Anliegen, die Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen mussten, zu unterstützen und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Die Koordination liegt hier in den Händen des Gemeindereferenten Philip Moser. wb

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