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Verschleiert durch die Stadt Traunreut

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Unter dem Schleier war die Hörpoldingerin Vera Redwitz nicht zu erkennen. (Foto: Mix)

Traunreut – Vera Redwitz aus Hörpolding hat sich in den letzten Wochen oft Gedanken gemacht über das viel diskutierte Burka-Verbot und wollte einmal am eigenen Leib ausprobieren, wie man sich als Frau fühlt, wenn man völlig verschleiert ist. Sie nahm die Kundgebung am Traunreuter Rathausplatz (wir berichteten) zum Anlass, um den Selbstversuch zu machen.


Vera Redwitz fasste diesen Plan heimlich, niemand, nicht einmal ihre Familie, wusste davon. Die St. Georgener Mesnerin hatte sich in den alten Chorrock eines früheren Priesters und schwarze Tücher gehüllt und machte sich derartig verkleidet auf den Weg.

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Schon beim Autofahren dorthin hatte sie größte Probleme, weil nur ein schmaler Sehschlitz frei und ihr Sichtfeld dadurch stark eingeschränkt war. Die Reaktionen der Menschen auf der Straße waren für sie dann sehr lehrreich: »Die haben mich entweder ganz ignoriert oder nur kurz von der Seite angeschaut und sich dann schnell weggedreht.« Alle hätten einen Bogen um sie gemacht, zum Teil sogar die Straßenseite gewechselt, um nicht mit ihr zusammenzutreffen. »Ich habe mich gefühlt wie ein Nichts, als ob ich gar nicht mehr existiere, überhaupt nicht als Frau, eher als körperloses Wesen und ganz verloren«, erzählt die Hörpoldingerin.

Ein paar flapsige Bemerkungen, wie »Ist schon wieder Fasching?« oder »So was hab' ich hier auch noch nicht gesehen«, sowie ein knurrender Hund waren das Ergebnis einer halben Stunde Spaziergang. Gesprochen hat Vera Redwitz in dieser Zeit mit niemand. Auch die vielen Polizisten, die zu der Zeit im Stadtzentrum unterwegs waren, schauten nur kurz zu ihr, schenkten ihr aber weiter keine Beachtung.

Bevor dann die Kundgebung begann, entledigte sie sich allerdings ihrer Verkleidung. Sie hatte dann doch Bedenken, dass sie eventuell Ärger bekommen könnte oder beschimpft werden würde. Ein Kopftuch, wie es manche Muslime tragen, lässt sich Vera Redwitz noch eingehen, aber die totale Verschleierung ist für sie einfach nur traurig und eine Art Vermummung. »Ich konnte niemand anlächeln oder freundlich anschauen, das hätte ja eh keiner gesehen«, sagt Vera Redwitz. Dabei sei ein freundliches Gesicht mit einem Lächeln so wichtig und könne von vornherein eine Brücke zwischen den Menschen schlagen. mix

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